Mord an Journalistin: Maltas Behörden warnten Verdächtige

Eine internationale Medienrecherche, an der auch diese Zeitung beteiligt ist, bringt Ungereimtheiten im Fall Galizia zutage.

Die Ermittlungen der maltesischen Behörden im Mordfall Daphne Galizia stehen in keinem besonders guten Licht.

Die Ermittlungen der maltesischen Behörden im Mordfall Daphne Galizia stehen in keinem besonders guten Licht. Bild: AFP

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Trotz massiven politischen Drucks aus der Europäischen Union ist die maltesische Polizei auch ein halbes Jahr nach dem Mord an der Journalistin Daphne Caruana Galizia noch immer nicht Spuren nachgegangen, die auf die Verwicklungen von Spitzenpolitikern und Behörden des Landes hindeuten. Nach Erkenntnissen dieser Zeitung wurde bislang keiner der Politiker vernommen, mit denen sich Daphne Caruana Galizia in den Monaten vor ihrem Tod erbitterte Auseinandersetzungen geliefert hatte.

Galizia hatte etwa im Zuge der Panama-Papers-Affäre Kabinettsmitgliedern Bestechlichkeit und moralische Verfehlungen vorgeworfen und sogar der Frau des Premiers eine heimliche Panama-Firma zugeschrieben.

Video – Daphne Caruana Galizia ermordet

Maltas bekannteste Journalistin ist tot: Die Bombe explodierte beim Start des Autos. Video: Tamedia/Storyful

Eine Quelle mit detaillierten Kenntnissen über den Ermittlungsstand erklärte, die Ermittler verfolgten bisher unverändert die These, dass die Drahtzieher des Anschlags in der organisierten Kriminalität zu suchen seien. Die Familie der Journalistin zieht das in Zweifel, sie verweist darauf, dass Caruana Galizia kaum in diesem Bereich recherchiert habe.

Bombe per SMS gezündet

Bereits sechs Wochen nach dem Mord inhaftierte die Polizei drei Tatverdächtige, sie geht davon aus, dass es sich dabei um Auftragsmörder handelt. Diese Zeitung hat nun erfahren, dass die drei Männer wohl vor ihrer bevorstehenden Verhaftung gewarnt wurden. Offenbar gab es ein Leck in einer Behörde. Damit steht die Ermittlung insgesamt in keinem besonders guten Licht.

Bislang beschränkt sich die Polizei in ihren Ermittlungen vor allem auf das Umfeld der Verhafteten. Ein Expertenteam des FBI hatte aus Mobilfunkdaten Bewegungsprofile der mutmasslichen Täter erstellt – darauf stützt sich die Ermittlung massgeblich. Einer der Verdächtigen soll die tödliche Bombe per SMS gezündet haben. Der maltesische Geheimdienst hatte dessen Telefon bereits vor dem Mord abgehört, weil er in ein anderes Verbrechen verwickelt gewesen sein soll. Keiner der Männer hat sich bisher zu den Vorwürfen geäussert.

Diese neuen Erkenntnisse entstammen dem sogenannten Daphne-Projekt, einer internationalen Recherche von 18 Medienorganisationen, geleitet von der gemeinnützigen Rechercheplattform «Forbidden Stories». Zu den Medien, mit denen der «Tages-Anzeiger» kooperiert, gehören die «New York Times», der «Guardian», Reuters und «La Repubblica».

Erstellt: 17.04.2018, 18:02 Uhr

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