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Mord-Prozess gegen ehemaligen SS-Mann eingestellt

Einer der vermutlich letzten NS-Kriegsverbrecherprozesse ging in Deutschland ohne Schuldspruch zu Ende. Der 92-jährige Siert Bruins war des Mordes an einem Widerstandskämpfer beschuldigt worden.

Hatte sich während des Zweiten Weltkrieges freiwillig zur Waffen-SS gemeldet: Siert Bruins vor Gericht. (8. Januar 2014)
Hatte sich während des Zweiten Weltkrieges freiwillig zur Waffen-SS gemeldet: Siert Bruins vor Gericht. (8. Januar 2014)
Reuters

Der Kriegsverbrecherprozess gegen den früheren SS-Mann Siert Bruins wegen der Ermordung eines niederländischen Widerstandskämpfers ist überraschend eingestellt worden. Es seien Beweise verloren gegangen, begründete das Gericht im westdeutschen Hagen den Entscheid. Es sei nicht mehr möglich gewesen, Zeugen zu befragen und zu hinterfragen. Der heute 92-jährige Bruins konnte den Gerichtssaal als freier Mann verlassen.

Bruins war angeklagt, mit einem Vorgesetzten im September 1944 den Gefangenen bei einer fingierten Flucht in der Nähe von Groningen erschossen zu haben. Die Staatsanwaltschaft hatte lebenslange Haft gefordert.

Staatsanwaltschaft kann rekurrieren

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, Revision beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe ist möglich. Die Staatsanwaltschaft will das Urteil zunächst prüfen. Der Anwalt der Nebenklägerin, der 97 Jahre alten Schwester des Opfers, will zunächst seine Mandantin über den Ausgang informieren. «Dieses Urteil wird sie sehr schockieren», sagte er.

Der gebürtige Niederländer Bruins hatte sich während des Krieges freiwillig zur Waffen-SS gemeldet. Nach einer Verletzung während des Russlandfeldzuges wurde er in die Grenz- und Hafenstadt Delfzijl versetzt. Dort wurde am 21. September 1944 der Widerstandskämpfer getötet.

Die Alliierten waren zu diesem Zeitpunkt in den Niederlanden auf dem Vormarsch. Adolf Hitler hatte kurz zuvor den sogenannten Niedermachungsbefehl gegeben.

In den Niederlanden verurteilt

Bruins war bereits 1949 in den Niederlanden wegen mehrerer Taten von einem Sondergericht in Abwesenheit zum Tode verurteilt worden. Zu diesem Zeitpunkt war er in Deutschland untergetaucht. Später wurde das Urteil in eine lebenslange Haftstrafe umgewandelt.

Ausgeliefert wurde er nie, weil er mit dem Eintritt in die SS die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten hatte. Nachdem Bruins in den 1970er Jahren in der Nähe von Hagen aufgespürt worden war, kam es zu Ermittlungen im Fall des Widerstandskämpfers und wegen der Ermordung zweier niederländischer Juden.

Im Fall der Juden wurden Bruins und sein Vorgesetzter August Neuhäuser 1980 in Hagen wegen Beihilfe zum Mord zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Sie hatten sich gegenseitig beschuldigt. Die Ermittlungen im Fall des Widerstandskämpfers stellte die Staatsanwaltschaft zunächst ein. Später nahm sie die Ermittlungen wieder auf, weil sie die Tatbeteiligung von Bruins jetzt als Mord wertete.

Anklage nach Massaker in Oradour

Knapp sieben Jahrzehnte nach dem Massaker im französischen Oradour-sur-Glane wurde vor einem deutschen Gericht Anklage gegen einen 88-jährigen Kölner erhoben. Wie das Landgericht Köln am Mittwoch mitteilte, wird dem Rentner vorgeworfen, gemeinsam mit anderen Mitgliedern seiner Kompanie 25 Menschen getötet zu haben. Zudem wird ihm demnach Beihilfe zum Mord an hunderten weiteren Menschen zur Last gelegt.

Die Anklage wurde den Angaben zufolge von der Staatsanwaltschaft Dortmund erhoben. Dort kümmert sich eine gesonderte Stelle um die Bearbeitung nationalsozialistischer Massenverbrechen.

Die Ermittler werfen dem ehemaligen Mitglied einer SS-Division vor, an der systematischen Tötung von Einwohnern des zentralfranzösischen Orts beteiligt gewesen zu sein. Er habe in der Nähe der Kirche Wache gestanden, in der die SS Frauen und Kinder eingesperrt habe, die später mit Granaten, Maschinengewehren und Sprengstoff getötet worden seien. Bei dem Massaker in Oradour-sur-Glane waren am 10. Juni 1944 insgesamt 642 Zivilisten von SS-Soldaten ermordet worden, darunter 452 Frauen und Kinder.

SDA/ajk

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