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Mussolinis Leuchtturm soll neu erstrahlen

Eine renovierte Festung des Duce in Norditalien soll Besucher anlocken. Bedenken wegen Faschismus-Romantikern hat man nicht.

Das Duce-Schloss Rocca delle Caminate. Foto: E. Zoli, Forli/Wikipedia
Das Duce-Schloss Rocca delle Caminate. Foto: E. Zoli, Forli/Wikipedia

Auf einer sanften Anhöhe zwischen Imola und Rimini, in der norditalienischen Romagna, steht ein Schloss umgeben von Pinien und Zypressen. Es heisst Rocca delle Caminate und gehört zur Gemeinde Meldola. Früher war es mal eine Festung, hohe Mauern und ein Wachturm zeugen davon. Bekannt wurde es in den Dreissigern, als Benito Mussolini, der aus der Gegend stammte, dort residierte. Das Castello war ein Geschenk seiner Partei. Der Faschistenführer kam meist im Sommer. Manchmal empfing er da Staatsgäste. In den Kellern, so erfuhr man später, wurden Partisanen gefoltert. Der Wachturm war auch ein Leuchtturm. Sein Strahlenbündel sonderte er nur dann ab, wenn der Duce im Haus war – grün-weiss-rot, so stark wie 8000 Kerzen. Man sah es aus sechzig Kilometern Entfernung. Mit dem Tod des Diktators erlosch auch sein Leuchtturm.

Nun aber soll er bald wieder strahlen, hell und weitherum. Der Bürgermeister von Meldola, Gianluca Zattini, rechnet sich aus, dass mehr Touristen in seine kleine Stadt kommen, wenn er nur den Leuchtturm wieder anwirft. Das Schloss wurde renoviert, hübsch ist es geworden. Ein Restaurant soll all jene zum Verweilen einladen, die sich anlocken lassen vom Strahlenbündel aus der Vergangenheit. Als man den Bürgermeister fragte, ob es ihn denn nicht störe, dass er wohl vor allem «Schwarzhemden» anziehe, also Nostalgiker des Faschismus, sagte er: «Schwarz, Rot, Weiss – für mich ist die Farbenfrage nachrangig.» Wer auch immer Meldola besuchen wolle, der sei ihm herzlich willkommen.

Eine weitere Pilgerstätte

Der «Faro di Mussolini», der Leuchtturm Mussolinis, wird dann ganz gut in ein Reiseprogramm passen, in eine Thementour. Hauptdestination bleibt die Nachbargemeinde Predappio. Dort liegt in einer Krypta der Duce begraben. Er wird ständig bewacht von Freiwilligen in langen schwarzen Mänteln. 40'000 Wehmütige pilgern jedes Jahr hin und kaufen in den Souvenirläden Büsten von Mussolini, Weine mit einschlägigen Etiketten und T-Shirts mit nicht minder einschlägigen Sprüchen drauf.

Natürlich will man auch in Predappio nicht, dass der Eindruck entsteht, man biete den Faschisten einen Wallfahrtsort und bewirtschafte ihn. Doch obschon es auch Ausstellungen gibt, die sich nachdenklich mit der Diktatur beschäftigen, lässt sich dieser Eindruck nur leidlich entkräften. Den antifaschistischen Vereinigungen und der jüdischen Gemeinde geht die historische und intellektuelle Leichtherzigkeit längst viel zu weit. Carlo Smuraglia, Präsident der Vereinigung italienischer Widerstandskämpfer, 94 Jahre alt, schreibt in einer Stellungnahme: «Der Leuchtturm würde nicht etwa ein Schlaglicht auf die Tragödie des Faschismus werfen, sondern diesen verherrlichen.» Etwa so, als wäre der kleine Mann mit dem kantigen Kinn wieder da, im Schloss zwischen Pinien und Zypressen. Oder sein Gespenst.

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