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«Nach Donezk traut sich keiner mehr»

Osteuropa-Experte Karl Schlögel ist eben aus der Ukraine zurückgekehrt. Er berichtet von fast unwirklich schönen Sommernächten in Charkiw – und von Kriegszuständen in Donezk.

«Die Situation ist asymmetrisch», sagt Karl Schlögel: Ein Mädchen spielt in Donezk neben einem Lastwagen-Wrack. Foto: Keystone
«Die Situation ist asymmetrisch», sagt Karl Schlögel: Ein Mädchen spielt in Donezk neben einem Lastwagen-Wrack. Foto: Keystone

Präsident Petro Poroschenko ist gewählt, die ukrainischen Truppen kämpfen in der Ostukraine. Wie schätzen Sie die Situation ein? Es wäre schrecklich, wenn der Konflikt in einem Blutbad enden würde. Aber dass der ukrainische Staat versucht, auf seinem Territorium sein Gewaltmonopol durchzusetzen, ist naheliegend und richtig. Die Banden, die sich als politisch motivierte Separatisten ausgeben, sind zu allem entschlossen. Ich war eben in der Ukraine, auch im Osten. Die Millionenstädte Charkiw und Dnjepropetrowsk waren ruhig, die Sommernächte fast unwirklich schön. Aber nach Donezk traut sich keiner mehr. Geiselnahmen sind dort ein gutes Geschäft. Die Separatisten sind bezahlte Leute, Kriminelle, Desperados, Afghanistan- und Tschetschenienkämpfer. Sicher sind sie aber nicht die viel zitierte «russische Minderheit», die sich gegen einen «ukrainischen Faschismus» wehrt.

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