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Nach einem Jahr Krieg kann sich Putin als Sieger fühlen

Heute ist der erste Jahrestag des Aufstands prorussischer Separatisten im Osten der Ukraine. Für Putin ist die Rechnung aufgegangen.

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Auf der Krim wurde gefeiert: Anhänger Putins im Schwarzen Meer (7. Januar 2015)
Auf der Krim wurde gefeiert: Anhänger Putins im Schwarzen Meer (7. Januar 2015)
AP Photo/Alexander Polegenko

Wenn es ein Jahr nach Beginn des blutigen Konflikts zwischen prorussischen Separatisten und Regierungstruppen im Osten der Ukraine einen Sieger gibt, dann ist es Wladimir Putin.

Zwar hat der russische Präsident die im Zuge des Ukraine-Konflikts gegen sein Land verhängten schmerzhaften Sanktionen des Westens nicht abwenden können, doch ist seine Taktik gegenüber der proeuropäischen Regierung in Kiew seit der Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim durch Russland weitgehend aufgegangen. «Die Krim wurde ohne einen Schuss an Russland angeschlossen, und die Popularität Putins ist in schwindelerregende Höhen geschossen», sagt Dmitri Trenin vom Carnegie Center in Moskau.

Sie sind die Hauptverlierer des Krieges. Gemäss der UNO sind 1,7 Millionen Kinder von den Kämpfen betroffen und stehen vor einer ungewissen Zukunft. Ein Junge bei einem Explosionskrater im Osten der Ukraine.
Sie sind die Hauptverlierer des Krieges. Gemäss der UNO sind 1,7 Millionen Kinder von den Kämpfen betroffen und stehen vor einer ungewissen Zukunft. Ein Junge bei einem Explosionskrater im Osten der Ukraine.
Evgeniy Maloletka, Keystone
In einem unterirdischen Unterschlupf in Popasna sucht diese Familie Schutz vor den Gefahren des Krieges. Ein geregelter Alltag ist kaum möglich, wenn die Strasse vor der Tür ein Kriegsschauplatz ist.
In einem unterirdischen Unterschlupf in Popasna sucht diese Familie Schutz vor den Gefahren des Krieges. Ein geregelter Alltag ist kaum möglich, wenn die Strasse vor der Tür ein Kriegsschauplatz ist.
Evgeniy Maloletka, Keystone
Im Krieg wird aus dem Kreislauf des Lebens auch ein Kreislauf der Gewalt. Die Kriegsparteien missbrauchen Kinder für ihre Propaganda und indoktrinieren sie mit militanten Ideologien. Ein Soldat spricht mit einem Schuljungen, die Kameras halten drauf.
Im Krieg wird aus dem Kreislauf des Lebens auch ein Kreislauf der Gewalt. Die Kriegsparteien missbrauchen Kinder für ihre Propaganda und indoktrinieren sie mit militanten Ideologien. Ein Soldat spricht mit einem Schuljungen, die Kameras halten drauf.
Evgeniy Maloletka, Keystone
Das Kinderheim in Khartsyzk beherbergt durch den Krieg vertriebene Kinder. Ihre Eltern kämpfen an der Front oder wurden getötet. Auch kommt es vor, dass Kinder von ihren Pflegeeltern zurück ins Heim abgeschoben werden, weil die Familie keine staatliche Unterstützung mehr erhält.
Das Kinderheim in Khartsyzk beherbergt durch den Krieg vertriebene Kinder. Ihre Eltern kämpfen an der Front oder wurden getötet. Auch kommt es vor, dass Kinder von ihren Pflegeeltern zurück ins Heim abgeschoben werden, weil die Familie keine staatliche Unterstützung mehr erhält.
Vadim Ghirda, Keystone
Das Kinderheim ist nur dürftig ausgestattet, so als hätte man Grossmutters Wohnzimmer in ein Spielzimmer umfunktioniert.
Das Kinderheim ist nur dürftig ausgestattet, so als hätte man Grossmutters Wohnzimmer in ein Spielzimmer umfunktioniert.
Vadim Ghirda, Keystone
Unversehrte Kinder spielen, Seryozha lenkt sich ab. Er hat am Internationalen Frauentag eine Papierblume gebastelt.
Unversehrte Kinder spielen, Seryozha lenkt sich ab. Er hat am Internationalen Frauentag eine Papierblume gebastelt.
Vadim Ghirda, Keystone
Wie bunt können Träume sein, wenn sie in Blutrot und Panzergrün gezeichnet sind? Viele Kinderaugen haben Schreckliches gesehen.
Wie bunt können Träume sein, wenn sie in Blutrot und Panzergrün gezeichnet sind? Viele Kinderaugen haben Schreckliches gesehen.
Vadim Ghirda, Keystone
Niemand weiss, in welche Welt der Junge abgetaucht ist. Zwanzig Kilometer weiter weg liegt die von den Kämpfen gebeutelte Stadt Donezk.
Niemand weiss, in welche Welt der Junge abgetaucht ist. Zwanzig Kilometer weiter weg liegt die von den Kämpfen gebeutelte Stadt Donezk.
Vadim Ghirda, Keystone
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Auch Nikolai Petrow, Professor an der Hochschule für Wirtschaft in Moskau, sieht die wichtigsten Ziele Putins erfüllt. Der Präsident habe vor einem Jahr eine «Sperrminorität» in der Ukraine erhalten oder zumindest einen Konflikt schaffen wollen, um unliebsame Entscheidungen wie einen Nato-Beitritt der Ukraine verhindern zu können, sagt Petrow. Dies habe er im Wesentlichen geschafft. Tatsächlich ist ein Nato-Beitritt oder eine weitere Annäherung Kiews an die EU kaum vorstellbar, solange der Konflikt mit den prorussischen Separatisten im Donbass weiter schwelt.

Westen beschränkt sich auf Sanktionen

Zwar ist Putin mit der verdeckten Unterstützung der Rebellen vor einem Jahr ein nicht unerhebliches Risiko eingegangen. Doch letztlich ist seine Rechnung aufgegangen, dass der Westen sich auf Sanktionen beschränken und nicht selbst militärisch eingreifen würde. Zwar hört Washington nicht auf, den Russen die militärische Unterstützung der Separatisten vorzuwerfen, doch schreckte die US-Regierung aus Angst vor einer weiteren Eskalation des Konflikts davor zurück, selbst Waffen oder gar eigene Truppen in den Donbass zu schicken.

Auch haben die USA und die EU zwar eine Reihe durchaus schmerzhafter Sanktionen gegen die Kernbereiche der russischen Wirtschaft verhängt, doch sind sie nicht so weit gegangen, Russland vom Zahlungssystem Swift auszuschliessen. «Die Sanktionen haben letztlich sogar Putin geholfen, die russische Bevölkerung im Widerstand gegen den Druck von aussen zu einen», sagt Trenin. Auch scheint die Wirtschaft nach einem schwarzen Jahr das Schlimmste überwunden zu haben, und der Rubel gewinnt nach einem massiven Einbruch wieder an Wert.

«Erst handeln, dann wird man sehen»

Finanzminister Anton Siluanow schätzt daher, dass der Tiefpunkt überwunden sei, während Wirtschaftsminister Alexej Uliukajew «bedeutende Anzeichen einer Stabilisierung» ausmacht. In der Ukraine sieht die Lage dagegen weder für die Regierung noch für die Separatisten rosig aus: Der Konflikt im Osten hat die Wirtschaft des Landes einbrechen lassen und die Staatsfinanzen arg strapaziert. Ohne internationale Finanzhilfen droht Kiew der Bankrott. In den Rebellengebieten liegt die Wirtschaft ebenfalls am Boden und den Separatisten geht das Geld aus.

So erfolgreich Putin letztlich war, so will der russische Politikexperte Konstantin Kalatschew doch keine langfristige Strategie erkennen. Als der russische Präsident sich in den Konflikt in der Ukraine stürzte, habe er vorwiegend nach der Maxime Napoleons agiert: «Erst handeln, dann wird man sehen», sagt Kalatschew.

Für die Zukunft sieht Carnegie-Experte Trenin eine klare Linie voraus: «Moskau wird weiter die weltweite Hegemonie der USA herausfordern und gemäss den eigenen Interessen handeln, geleitet von den eigenen Werten – und nicht nach der Anerkennung der USA oder der EU suchen.»

(AFP)

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