Nach Israel statt in die Schweiz

Der Oligarch Roman Abramowitsch ist jetzt Israeli.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Dass sich der russische Oligarch Roman Abramowitsch in Israel aufhält, ist nichts Ungewöhnliches. Dass er dies neuerdings als israelischer Staatsbürger tut, sehr wohl. Gleich nach seiner Landung in Tel Aviv erhielt der 51-Jährige die israelische Identitätskarte. Das ging unüblich schnell, denn Einbürgerungsverfahren dauern normalerweise mindestens drei Monate. Ein Gesetz garantiert Juden aus aller Welt die israelische Staatsbürgerschaft, die sie auch nicht verlieren, wenn sie sich nicht dauerhaft in Israel aufhalten. Abramowitschs Eltern waren beide Juden.

Nach Angaben eines Behördensprechers hat der Oligarch seinen Antrag in der israelischen Botschaft in Moskau gestellt. Nach Prüfung der Dokumente habe er grünes Licht für die Einreise bekommen. Bekannt ist aus Medienberichten, dass sein bisheriges Visum in Grossbritannien im April einstweilen nicht erneuert worden ist.

Falscher Wohnsitz

Seit dem Vergiftungsanschlag auf Sergei Skripal und seiner Tochter verfolgt Grossbritannien eine härtere Linie in Bezug auf russische Oligarchen, die sich im Land aufhalten. Es ist unklar, ob es bei der Bearbeitung des Visaantrags nur zu Verzögerungen gekommen ist oder ob eine Ablehnung zu erwarten ist. Der Besitzer des Fussballclubs Chelsea, der normalerweise fast kein Spiel seines Vereins seit seiner Übernahme 2003 versäumt hatte, war jedenfalls nicht auf der Tribüne des Wembley-Stadions am 19. Mai, als sein Verein den Pokalfinal gegen Manchester United 1:0 gewann. Abramowitsch hat sich bis vor einem Jahr auch intensiv im Kanton Wallis um eine Aufenthaltsbewilligung bemüht. Ein Eintrag im britischen Handelsregister gab während Monaten die Schweiz als Aufenthaltsland des Chelsea-Besitzers an, obwohl es nie zur Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung gekommen war.

Als Besitzer eines israelischen Passes kann Abramowitsch nach Grossbritannien ohne Visum einreisen. Russische Staatsbürger brauchen dagegen ein Visum, das sie vor ihrer Abreise in das EU-Land beantragen müssen.

Israel hat mit Abramowitsch nun jemanden, der die Liste der Superreichen im Land anführt. Sein Vermögen wird auf umgerechnet zehn Milliarden Franken geschätzt. Der Russe, der sein Geld vor allem im Ölgeschäft gemacht hat, muss als neuer Staatsbürger in den nächsten zehn Jahren keine Steuer auf Einkommen zahlen, das er ausserhalb des Landes erwirtschaftet. Er muss auch nicht die Quellen seiner Einnahmen offenlegen, was er in Grossbritannien bei der Erneuerung seines Visum hätte machen müssen. Lange Zeit galt Abramowitsch als wichtigster Oligarch im Umfeld von Russlands Präsident Wladimir Putin. Er gilt als ein Wegbereiter für den Machtwechsel von Ex-Präsident Boris Jelzin zu Putin im Jahr 2000. Von Dezember 2000 bis Juli 2008 war Abramowitsch Gouverneur der Region Tschukotka, was ihm strafrechtliche Immunität bescherte. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 29.05.2018, 19:18 Uhr

Artikel zum Thema

Falscher Schweiz-Sitz für Abramowitsch

Laut einem Eintrag im britischen Handelsregister wohnt Oligarch und FC-Chelsea-Boss Roman Abramowitsch seit Monaten in der Schweiz. Doch dem ist nicht so. Mehr...

Abramowitsch mit sechs Anwälten im Schlepptau

Eine europäische Bank verlangt 46 Millionen Dollar von Abramowitsch und seinem Partner. Nun steht der Oligarch in Freiburg vor Gericht. Mehr...

Abramowitsch geizt vor den Freiburger Richtern mit Worten

Roman Abramowitsch wurde zu seiner früheren Schweizer Briefkastenfirma ins Kreuzverhör genommen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Werbung

Weiterbildung

Ausbildung & Weiterbildung Finden Sie die passende Weiterbildung Technischer Kaufmann, Deutsch lernen, Coaching Ausbildung, Präsentationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung

Kommentare

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Baum fällt: Eine Frau geht an einem Baum vorbei, der während eines Sturms in Kiew umgeknickt ist. (16. August 2018)
(Bild: Valentyn Ogirenko) Mehr...