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Nase zu und durch – trotz Schwefelgeruch

Europas Konservativen sind Berlusconis Eskapaden peinlich. Als Wahlkämpfer wollen sie aber nicht auf ihn verzichten.

Silvio Berlusconi hat sich noch nie um sein Geschwätz von gestern gekümmert – und um dessen Auswirkungen erst recht nicht. Auch jetzt wieder spielt er die verfolgte Unschuld, weil ihm Empörung wegen einer Äusserung entgegenschlägt, die der italienische Rechtspopulist am Wochenende vor seinem Wahlverein Forza Italia getan hatte. «Für die Deutschen haben die Konzentrationslager nie existiert», erklärte Berlusconi genüsslich lächelnd. Zuvor hatte er beklagt, den deutschen Sozialdemokraten Martin Schulz «unfreiwillig populär» gemacht zu haben, als er ihm 2003 vor dem Europaparlament die Rolle eines KZ-Aufsehers antrug. Schulz ist amtierender Parlamentspräsident und Spitzenkandidat der Europäischen Sozialisten. Aber ohne seine «Werbung», so behauptet Berlusconi, würde den Deutschen keiner kennen.

Als der konservative Luxemburger Jean-Claude Juncker, Schulz’ Gegner im Rennen um den Posten als Kommissionspräsident, Berlusconi am Montag zusammenstauchte, er solle sich um­gehend bei den Überlebenden des Holocausts und beim deutschen Volk entschuldigen, entgegnete der Italiener, Juncker sei in eine «Wahlkampffalle» getappt. Wieder einmal habe die Linke eine seiner Äusserungen «politisch instrumentalisiert», dabei sei doch längst erwiesen, dass er, Berlus­coni, ein Freund der Deutschen sei. Vor allem aber ein Freund Israels.

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