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Nato: Russische Artillerie in die Ukraine verlegt

Schwere Vorwürfe gegen Russland: In den letzten Tagen sollen mehrere Artillerieeinheiten über die Grenze gebracht worden sein. Der Nato-Generalsekretär spricht von einer «Eskalation».

Soll jetzt auch in der Ukraine zum Einsatz kommen: Russische Artillerie während des Konflikts mit Georgien. (9. August 2008)
Soll jetzt auch in der Ukraine zum Einsatz kommen: Russische Artillerie während des Konflikts mit Georgien. (9. August 2008)
Reuters

Die Aussage von Nato-Sprecherin Oana Lungescu war unmissverständlich: «Seit Mitte August haben wir mehrere Berichte von direkter Beteiligung von russischen Truppen, inklusive der Luftstreitkräfte, Luftabwehreinheiten sowie Spezialeinheiten im Osten der Ukraine», sagte sie am Freitagabend. Dies berichten unter anderem die «New York Times» und das «Wall Street Journal». Zudem habe russische Artillerie auf ukrainische Truppen geschossen «sowohl über die Grenze hinweg als auch von innerhalb der Ukraine». Die Nato veröffentlichte eine entsprechende Stellungnahme auf ihrer Webseite.

Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen sprach in diesem Zusammenhang von einer «Eskalation» der militärischen Beteiligung Russlands am Konflikt in der Ostukraine. Sowohl Rasmussen als auch die Sprecherin gaben nicht an, wie viele Artillerieeinheiten in den letzten Tagen über die Grenze in die Ukraine verlegt wurden. Ihre Zahl sei aber «bedeutend», so der Generalsekretär. Beweise für ihre Aussagen legten die Nato-Vertreter nicht vor.

US-Senator John McCain schrieb nach den Nato-Statements auf Twitter, jetzt solle man Russlands Vorgehen in der Ukraine endlich beim Namen nennen. Es sei eine militärische Invasion.

Russland fordert Beweise

Russland hat bislang eine direkte Beteiligung am Konflikt in der Ostukraine immer verneint. Die Reaktion auf die Vorwürfe der Nato fiel entsprechend heftig aus. «Sie haben solche Sachen immer wieder behauptet, aber noch nie Beweise vorgelegt», sagte der russische UN-Botschafter in New York.

Allerdings stützen auch jüngste Aussagen von US-Vertretern die Aussagen der Nato: «Wir haben in den letzten Tagen den Einsatz von russischer Artillerie in der Ukraine beobachtet», sagte Ben Rhodes, Sicherheitsberater im Weissen Haus. Man habe sowohl Schüsse über die Grenze hinweg gesehen als auch «eine beunruhigende Bewegung» von russischer Artillerie und anderem militärischen Gerät in die Ukraine.

Die USA haben zuletzt Ende Juli Satellitenaufnahmen veröffentlicht, die den Einsatz russischer Artillerie beweisen sollten. Damals allerdings noch von russischem Territorium aus:

Lastwagen kehren zurück

Die Vorwürfe der Nato kommen zu einem heiklen Zeitpunkt. Ohne Zustimmung der Ukraine war am Freitag ein Konvoi mit mehr als 200 Lastwagen aus Russland über die Grenze in den Osten der Ukraine gerollt. Der ukrainische Geheimdienstchef Valentin Naliwajtschenko bezeichnete dies als «direkte Invasion». Kanzlerin Merkel und US-Präsident Obama fordern den Rückzug des Konvois. Inzwischen sind allerdings erste Lastwagen bereits wieder nach Russland zurückgekehrt, wie der Leiter der OSZE-Beobachtermission am russischen Grenzposten Donezk der Nachrichtenagentur AFP bestätigt. Unklar ist, wie viele Lastwagen es sind. Russische Medien berichten von mehreren Dutzend Fahrzeugen.

Der Kampf zwischen der Ukraine und den prorussischen Separatisten um die beiden ukrainischen Grossstädte Donezk und Luhansk hat derweil in den letzten Tagen an Intensität zugenommen. Am Samstagmorgen wurde bereits wieder von getöteten Zivilisten berichtet. Das Zentrum der Separatistenhochburg Donezk, in der vor dem Konflikt eine Million Menschen lebten, war am frühen Morgen unter Artilleriebeschuss geraten, wie ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP berichtete.

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