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«Nehmen Sie Kontakt zu uns auf!»

Die OPCW gewinnt den Friedensnobelpreis, doch nicht einmal das Komitee konnte jemanden der Chemiewaffen-Organisation ans Telefon bekommen. Der OPCW-Direktor zeigte sich schliesslich «sehr geehrt». Die Reaktionen.

Der Friedensnobelpreis sei eine «extrem wichtige» Stütze für seine Mitarbeiter: Der Generaldirektor der OPCW, Ahmet Uzumcu, nimmt in Den Haag Stellung zur Verleihung des Friedensnobelpreises. (11. Oktober 2013)
Der Friedensnobelpreis sei eine «extrem wichtige» Stütze für seine Mitarbeiter: Der Generaldirektor der OPCW, Ahmet Uzumcu, nimmt in Den Haag Stellung zur Verleihung des Friedensnobelpreises. (11. Oktober 2013)
Peter Dejong, Keystone
Inspektoren der OPCW an der Arbeit in Syrien. (10. Oktober 2013)
Inspektoren der OPCW an der Arbeit in Syrien. (10. Oktober 2013)
Syrisches Fernsehen, AFP
Die Organisation hat ihren Sitz im niederländischen Den Haag: Gebäude, das die OPCW beherbert. (31. August 2013)
Die Organisation hat ihren Sitz im niederländischen Den Haag: Gebäude, das die OPCW beherbert. (31. August 2013)
Keystone
Die Organisation nahm ihre Arbeit 1997 auf: Der damalige UNO-Generalsekretär Kofi Annan aus Ghana (Mitte), der erste Generaldirektor der OPCW, der Brite Ian Kenyon (l.) und der Vorsitzende der Delegierten, der Argentinier Gustavo Figueroa vor der Eröffnungskonferenz für die OPCW, an der Delegierte aus 160 Ländern teilnahmen. Eine Woche zuvor war die UNO-Chemiewaffenkonvention in Kraft getreten. (6. Mai 1997)
Die Organisation nahm ihre Arbeit 1997 auf: Der damalige UNO-Generalsekretär Kofi Annan aus Ghana (Mitte), der erste Generaldirektor der OPCW, der Brite Ian Kenyon (l.) und der Vorsitzende der Delegierten, der Argentinier Gustavo Figueroa vor der Eröffnungskonferenz für die OPCW, an der Delegierte aus 160 Ländern teilnahmen. Eine Woche zuvor war die UNO-Chemiewaffenkonvention in Kraft getreten. (6. Mai 1997)
Reuters
Die OPCW wurde 5 Jahre nach der Verabschiedung der UNO-Chemiewaffenkonvention (1992) ins Leben gerufen. Die Organisation führt Kontrollen in den Mitgliedstaaten durch zur Durchsetzung des Verbots, Chemiewaffen zu entwickeln, herzustellen, zu lagern oder einzusetzen: Ein Polizist steht Wache bei der Düngerfabrik im pakistanischen Fauji-Jordan, die von drei OPCW-Inspektoren besucht wurde. (29. April 2003)
Die OPCW wurde 5 Jahre nach der Verabschiedung der UNO-Chemiewaffenkonvention (1992) ins Leben gerufen. Die Organisation führt Kontrollen in den Mitgliedstaaten durch zur Durchsetzung des Verbots, Chemiewaffen zu entwickeln, herzustellen, zu lagern oder einzusetzen: Ein Polizist steht Wache bei der Düngerfabrik im pakistanischen Fauji-Jordan, die von drei OPCW-Inspektoren besucht wurde. (29. April 2003)
Reuters
Tage vorher galt das 16-jährige, «mutigste Mädchen der Welt» als Topfavoritin: Malala Yousafzai, die sich für das Recht auf Bildung in ihrer Heimat Pakistan einsetzt.
Tage vorher galt das 16-jährige, «mutigste Mädchen der Welt» als Topfavoritin: Malala Yousafzai, die sich für das Recht auf Bildung in ihrer Heimat Pakistan einsetzt.
AP Photo/Frank Franklin
Auch der kongolesische Gynäkologe Denis Mukwege, der tausenden von vergewaltigten Frauen half, war im Gespräch.
Auch der kongolesische Gynäkologe Denis Mukwege, der tausenden von vergewaltigten Frauen half, war im Gespräch.
Yves Herman, Reuters
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Selbst das Nobelkomitee hatte heute Probleme, die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) in Den Haag ans Telefon zu bekommen. Deshalb bat das Komitee per Kurznachrichtendienst Twitter: «Nehmen Sie Kontakt zu uns auf, wir versuchen, zu Ihrem Büro durchzukommen».

Wegen der Glückwünsche aus aller Welt zur Verleihung des Friedensnobelpreises an die OPCW schienen sämtliche Telefone der Organisation dauernd besetzt zu sein. Selbst einige Zeit nach der live übertragenen Verkündung kam zunächst kein telefonischer Kontakt zustande. «The live webcast is now over. We are still trying to reach @OPCW» («Die Live-Übetragung im Internet ist vorüber. Wir versuchen immer noch, OPCW zu erreichen»), teilte das Komitee mit.

«Ich fühle mich sehr geehrt»

Die Verleihung des Friedensnobelpreises an die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) hat durchs Band positive Reaktionen hervorgerufen. Kritische Stimmen waren in ersten Stellungnahmen keine zu hören. Der OPCW-Generaldirektor hat die Zuerkennung des Friedensnobelpreises als «extrem wichtige» Stütze für seine Mitarbeiter bei ihrem Einsatz in Syrien gewertet. «Ich fühle mich sehr geehrt», sagte Ahmet Üzümcü heute Freitag im norwegischen Radio.

Er betrachte den Preis als eine Bestätigung für den Beitrag, den seine Organisation in den vergangenen 16 Jahren zum Frieden geleistet habe. «Ich sehe ihn auch als eine Anerkennung der Bemühungen unserer Mitarbeiter, die jetzt in Syrien sind, und die sehr mutige Anstrengungen unternehmen, um ihre Aufgabe zu erfüllen.»

Auf Gefahren von Einsatz in Syrien aufmerksam gemacht

Die UNO wertete die Verleihung des Preises an die OPCW als gutes Zeichen. Alles, was dem Einsatz in Syrien helfen könne, sei zu begrüssen, erklärte eine Sprecherin in Genf. Die Auszeichnung werfe zudem ein Licht auf die Gefahren, die sich den Inspektoren bei ihrer Mission im Bürgerkriegsland stellen würden. Die Sprecherin stellte gleichzeitig klar, dass die OPCW keine UNO-Organisation ist.

Die EU-Kommission sah im Friedensnobelpreis für OPCW ebenfalls eine Anerkennung für die «wichtige Rolle, den Einsatz von Chemiewaffen zu beschränken», wie Behördenchef José Manuel Barroso in Brüssel mitteilte. «Die EU ist entschlossen, beim Zerstören des Bestands von Chemiewaffenarsenalen mitzuwirken», sagte er weiter. Die EU hatte im vergangenen Jahr den Friedensnobelpreis erhalten.

Hollande mit Kriegsrhetorik

Frankreichs Präsident François Hollande, der gemeinsam mit dem britischen Premier David Cameron und US-Präsident Barack Obama am stärksten auf einen Militäreinsatz in Syrien gedrängt hatte, erhofft sich von der Preisvergabe an die OPCW zusätzlichen Schub für deren Arbeit.

«Ich wünsche mir, dass diese Auszeichnung sie in ihrer Aufgabe stärkt, das weltweite Chemiewaffen-Arsenal vollständig und endgültig zu vernichten», kommentierte er in Paris. Diese «Waffen des Terrors» seien erst am 21. August wieder durch das syrische Regime gegen die Zivilbevölkerung eingesetzt worden. «Solch barbarische Akte dürfen sich nie wieder wiederholen», forderte er. Frankreich unterstütze die Arbeit der OPCW mit allen Kräften.

Norwegens scheidender Ministerpräsident Jens Stoltenberg schliesslich, in dessen Land der Preis vergeben wird, sprach von einer «hochaktuellen» Wahl. «Die OPCW hat aus der Welt einen sichereren Ort gemacht», sagte er. Die Organisation sei «das Instrument der Welt, um sich von den restlichen Chemiewaffen zu befreien».

(SDA)

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