Neue Flüchtlingsroute führt über das Schwarze Meer

Rumänien schlägt Alarm. Die Küstenwache hat innert weniger Tage zwei Flüchtlingsboote aufgegriffen.

Riskante Flucht nach Europa: Rettungsaktion vor der libyschen Küste am 6. August 2015. Foto: Reuters

Riskante Flucht nach Europa: Rettungsaktion vor der libyschen Küste am 6. August 2015. Foto: Reuters

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Das härtere Vorgehen der libyschen Küstenwache gegen Flüchtlinge, Schlepper und Rettungsorganisationen zeigt Wirkung: Über die zentrale Mittelmeerroute kommen deutlich weniger Flüchtlinge nach Italien. Sie weichen nun auf andere Routen aus.

Spanien meldet bereits höhere Zahlen von Migranten, die über das westliche Mittelmeer kommen. Zudem könnte das Schwarze Meer zu einer neuen Flüchtlingsroute werden. Rumäniens Behörden haben bereits entsprechende Befürchtungen geäussert, nachdem innert weniger Tage zwei Flüchtlingsboote abgefangen worden sind.

Grenzschützer haben am letzten Sonntag im Schwarzen Meer ein Fischerboot mit 68 Flüchtlingen aus Syrien und dem Irak, darunter 23 Kinder, aufgegriffen. Nach Angaben der rumänischen Küstenwache befanden sich zwei türkische Schleuser an Bord. Bereits am 13. August war im Schwarzen Meer vor der Küste Rumäniens ein Boot mit 69 Migranten aus dem Irak und zwei Schleppern gestoppt worden. Beide Flüchtlingsboote waren aus der Türkei gekommen.

Die Flüchtlinge weichen auf die westliche Route aus: Die drei Routen in der Übersicht. Grafik: SZ; Recherche: Sebastian Jannasch; Quellen: Frontex, IOM, Bundeswehr, UNHCR, bpb

Auch der Vergleich der absoluten Zahlen zeigt: Es kommen deutlich weniger Flüchtlinge als im vergangenen Jahr.

Die Migrationsrouten in der Ägäis und auf dem Balkan sind schon seit einiger Zeit blockiert. Nach den neusten Einschränkungen im südlichen zentralen Mittelmeer bietet sich nun das Schwarze Meer als Alternative für Schlepper und Migranten an. Noch ist die Zahl der Flüchtlinge, die über das Schwarze Meer in die EU zu kommen versuchen, vergleichsweise gering. Allein von Libyen nach Italien sind im laufenden Jahr über 94'000 Menschen über das zentrale Mittelmeer gereist.

Bulgarien verstärkt Grenzschutz

Sollte sich das Schwarze Meer tatsächlich als neue Flüchtlingsroute etablieren, muss nicht nur Rumänien, sondern auch Bulgarien mit der Ankunft von vielen Migranten rechnen. Auf dem Festland hat die Regierung in Sofia schon längst Massnahmen gegen illegale Einwanderung umgesetzt. So riegelt ein Stacheldrahtzaun die bulgarisch-türkische Grenze vollständig ab. Der Grenzschutz soll nun weiter gestärkt werden, indem das bulgarische Militär bis zu 600 Soldaten an der Grenze einsetzen wird.

In Bulgarien ist die Zahl der illegal aus der Türkei zugewanderten Migranten bereits deutlich zurückgegangen. Rund 1450 Personen wurden im ersten Halbjahr 2017 laut Behördenangaben von den bulgarischen Grenzschützern festgehalten. Anwachsend ist dagegen die Zahl illegaler Migranten im benachbarten Rumänien.

Der Grenzschutz Rumäniens erwischte in den ersten sechs Monaten dieses Jahres über 1400 Personen beim illegalen Grenzübertritt. Im selben Zeitraum versuchten rund 1000 Migranten, illegal von Rumänien nach Ungarn zu reisen. Beim befürchteten Flüchtlingszustrom über das Schwarze Meer dürfte Rumänien zu einem Transitland werden.

Erstellt: 22.08.2017, 21:07 Uhr

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