Neue Streiks und Terrorangst vor EM

Die französische Staatsbahn SNCF wird bestreikt. Es soll etwa die Hälfte der Züge ausfallen. Auch Verbindungen in die Schweiz seien betroffen. Staatschef Hollande hat noch andere Sorgen.

Auch das angrenzende Ausland ist von den Streiks betroffen: Passagier steigt in Marseille ein. (31. Mai 2016)

Auch das angrenzende Ausland ist von den Streiks betroffen: Passagier steigt in Marseille ein. (31. Mai 2016) Bild: Anne-Christine Poujoulat/AFP

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Eineinhalb Wochen vor Beginn der Fussball-Europameisterschaft in Frankreich sieht sich das Land vor erheblichen Herausforderungen: Am Dienstagabend begann ein neuer Streik bei der französischen Staatsbahn SNCF, es drohen erhebliche Behinderungen im Zugverkehr.

Zu Beginn betraf der Bahn-Streik nur wenige Zugverbindungen, am Mittwoch sollten aber rund die Hälfte der nationalen und regionalen Verbindungen betroffen sein. Landesweit werden nach SNCF-Angaben nur ein Drittel der Intercity-Züge, jeder zweite Regionalexpress und 60 Prozent der TGV-Schnellzüge fahren.

Ausfälle wird es auch bei den Verbindungen in die Schweiz, nach Belgien, Spanien und Italien geben. Zwischen der Schweiz und Frankreich fahren am Mittwoch nur zwei von drei TGV.

Mit den Streiks wollen die Gewerkschaften Druck bei Verhandlungen über die Arbeitsbedingungen im Bahnsektor allgemein und über Arbeitszeiten bei der SNCF ausüben. Hinzu kommt der Protest gegen eine von der französischen Regierung angestrebte Lockerung des Arbeitsrechts.

Weitere Streiks geplant

Der Bahn-Streik ist zunächst nicht befristet. Er folgt auf einen Streik in Belgien am Dienstag. Am Donnerstag wollen die Beschäftigten der Pariser Metro die Arbeit niederlegen, die Piloten der Fluggesellschaft Air France drohten mit einem längeren Streik in den kommenden Wochen.

Die Streik- und Protestwelle in Frankreich schürt die Sorge vor Behinderungen bei der am 10. Juni beginnenden Fussball-Europameisterschaft. Der Chef der einflussreichen Gewerkschaft CGT, Philippe Martinez, erklärte: «Wir werden die Menschen nicht daran hindern, Fussballspiele zu sehen, aber die Regierung muss bereit sein zu diskutieren. Alles liegt nun in ihren Händen.»

Sorge vor Anschlägen

Frankreichs Staatschef François Hollande sagte in einem Interview mit der Regionalzeitung «Sud Ouest» vom Mittwoch, er werde die Massnahmen zur Lockerung des Kündigungsschutzes nicht zurückziehen. Die wahre Bedrohung für die EM sei aber «der Terrorismus» – ein Verweis auf die Sorge vor Anschlägen während des Turniers.

Frankreich erwartet zur EM rund zwei Millionen Fussballfans. Im Stade de France in Saint-Denis im Norden der französischen Hauptstadt finden das Eröffnungsspiel und am 10. Juli das Finale statt. Das Stadion war eines der Ziele der Pariser Anschläge vom 13. November, bei denen islamistische Attentäter insgesamt 130 Menschen töteten. (chk/sda)

Erstellt: 01.06.2016, 03:02 Uhr

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