Neuer Schwung für den Motor

Der Proeuropäer Macron will eine starke EU, die liefert und damit bei den Bürgern auch Vertrauen zurückgewinnt. Das kommt in Deutschland gut an.

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Der Antrittsbesuch hat Tradition. Frankreichs frisch gewählter Präsident Emmanuel Macron ist allerdings mit einer besonders dringlichen Mission zu Angela Merkel gereist. Er will den deutsch-­französischen Motor wieder in Gang bringen. Ob dem Newcomer dies gelingt, ist für die gesamte EU ­die Schicksalsfrage.

Der Proeuropäer Macron will eine starke EU, die liefert und damit bei den Bürgern auch Vertrauen zurückgewinnt. Etwa bei der gemeinsamen Terror­bekämpfung, der Sicherung der Aussengrenzen, im Kampf gegen die Klimaveränderung oder bei der Stabilisierung der Eurozone. Herausforderungen, die von den Europäern nur gemeinsam gemeistert werden können.

Ohne Deutschland und Frankreich geht aber gar nichts im Club der derzeit noch 28. Zuletzt war der Motor arg ins Stottern geraten, die Vorgänger Nicolas Sarkozy und François Hollande immer mehr in die Rolle als Juniorpartner einer übermächtigen Angela Merkel gerutscht. Merkozy beziehungsweise Merkolland sind Geschichte. Macron will jedenfalls nicht zu einem weiteren Anhängsel von Merkel werden.

Gute Chancen

Frankreichs neuer Präsident kennt allerdings auch die Ängste der Deutschen, immer nur Zahlmeister sein zu müssen. Nicht umsonst verspricht er die Reformen, die Frankreich wirtschaftlich wieder stark und zu einem ernsthaften Partner machen sollen. Der Blick zurück zeigt, dass die Trendwende möglich ist. Noch vor etwas mehr als zehn Jahren galt Frankreich in der EU als Vorbild, und Deutschland war wirtschaftliches Schlusslicht.

Doch auch in Berlin wird man sich bewegen müssen, weg vom dogmatischen Sparkurs etwa und hin zu Investitionen, um das gefährliche Ungleichgewicht in der Eurozone zu reduzieren. Dies wird Macron im Gegenzug zu seinen Reformen zu Hause selbstbewusst einfordern. Die Chancen, dass der deutsch-französische Motor neuen Schub bekommt, stehen jedenfalls so gut wie noch nie. Das wäre eine positive Nachricht für die zuletzt so verzagten Europäer und eine schlechte für alle, die wie die Brexit-Regierung in ­London oder Wladimir Putin in Moskau den Club gerne auseinanderdividieren würden. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.05.2017, 22:12 Uhr

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