Nur Probleme mit der jungen Königin

Zahllose Skandalgeschichten ranken sich um die spanische Königin «la Reina consorte» Letizia.

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Neulich auf einer Stehparty nach einer Tagung über multimediales Marketing in Madrid. Die PR-Leute streiten sich bei einem Glas Cava scherzhaft, welches derzeit wohl die «Misión imposible» für die Branche in Spanien sei, der schwerstmögliche Auftrag. «Der Diesel-Motor», meint einer von ihnen. Allgemeines Gähnen. «Vielleicht die Skandalbank Bankia?», schlägt der nächste vor. Gelangweiltes Gegrummel. Dann ruft der dritte: «Ich habs: Königin Letizia!» Begeistertes Kopfnicken, das ist nicht zu toppen.

Seit genau fünf Jahren ist sie «la Reina consorte», die «teilhabende Königin» an der Seite des Staatsoberhaupts Felipe VI. Aber die 47-Jährige hat es nicht geschafft, darüber sind sich die Beobachter einig, den Weg in die Herzen ihrer Untertanen zu finden. Ihr Lächeln sei falsch, sie leide unter Magersucht, Zehntausende von Euro an Steuergeldern hätten ihre Schönheitsoperationen gekostet, so erfahren es Millionen Spanier aus den Boulevardmedien.

Einst humorvoll, heute angespannt

Sie ist die am meisten fotografierte Frau Spaniens und fühlt sich dabei offenkundig unwohl: Sie wirkt ständig angespannt, gelegentlich sogar missgelaunt. Dabei war das Lächeln einst ihr Markenzeichen, in ihrem vorherigen Leben. Letizia Ortiz war erst Reporterin, dann Moderatorin eines Nachrichtenmagazins im staatlichen Fernsehen, sie war schlagfertig, und immer wieder blitzte ihr schelmischer Humor auf. Sie bekam körbeweise Briefe, darunter zahllose Heiratsanträge. Einen aus dieser grossen Schar der Verehrer hat sie erhört, nachdem er hartnäckig um sie geworben hatte: Felipe Juan Pablo Alfonso de Todos los Santos de Borbón y Grecia, Prinz von Asturien und spanischer Thronfolger.

Gefiel nicht nur dem Kronprinzen: Die junge Moderatorin punktete mit Schlagfertigkeit und Humor. (Quelle: AFP/Television Espanola)

Vor 15 Jahren haben sie geheiratet, der Prinz und die junge Frau aus dem Volk. Heute strahlt sie nicht mehr, und der Ehegemahl, mittlerweile zum König aufgestiegen, auch nicht. Über die Krisen am Königshof ist mittlerweile ein halbes Dutzend Bücher erschienen. Die Geschichte, die sich durch die Bücher zieht, geht so: Felipe, damals schon Mitte 30, erzählte seinen Eltern, er habe endlich die Frau seines Lebens getroffen, die ebenso schöne wie kluge Letizia Ortiz. Doch der lebenslustige König Juan Carlos und seine strenge Gemahlin Sofía hätten energisch versucht, das junge Glück auseinanderzubringen.

Aber nun bockte Felipe. Es nützte auch nichts, dass der Geheimdienst in Letizias Vorleben herumstocherte und Dinge zutage brachte, die am Hof die Alarmglocken schrillen liessen. Vor allem Königin Sofía war zutiefst beunruhigt. Sie hatte ihre Jugendzeit wohlbehütet im rigiden Eliteinternat Salem am Bodensee verbracht. Ihre Ehe mit dem Bourbonenprinzen Juan Carlos wurde von den Eltern arrangiert, die Liebe war dabei ungleich verteilt: Sie verliebte sich, er erfüllte die dynastische Pflicht und zeugte nach zwei Töchtern endlich auch einen Thronfolger. Ansonsten hatte er zahlreiche Geliebte.

Sie unterbrach den Kronprinzen

Nun musste Königin Sofía erfahren, dass ihr Sohn Felipe für eine Frau schwärmte, die nicht nur aus der unteren Mittelschicht in einer kleinen Provinzstadt stammte, also in den Augen des Hochadels eine Plebejerin war, sondern obendrein geschieden. Alonso Guerrero, ihr erster Mann, war Literaturlehrer an ihrer Schule gewesen; sie war 15 und er 25, als sie ein Paar wurden. Es war ein Skandal, Guerrero wurde aus dem Schuldienst entfernt. Vor einem Jahr sorgte er für Aufregung. Ein Verlag kündigte einen autobiografischen Roman aus seiner Feder an. Doch die Leser, die auf pikante Enthüllungen gehofft hatten, wurden enttäuscht: Der versponnene Held des Buchs heisst zwar auch Alonso Guerrero, doch es kommen darin mehrere Frauen vor, von denen keine Letizia ähnelt.

Der Roman ist eine Abrechnung mit den Paparazzi, die ihn auf Schritt und Tritt bedrängten, nachdem die Verlobung seiner Ex mit Kronprinz Felipe offiziell verkündet worden war. An deren gemeinsamen ersten Auftritt vor der Presse erinnern sich Monarchisten heute noch mit Schaudern: Nicht nur, dass die Plebejerin kein züchtiges Kleid, sondern einen figurbetonenden weissen Hosenanzug trug, sie unterbrach auch die «königliche Hoheit», den verliebten Kronprinzen, mit dem Satz: «Nun lass mich mal reden!»

Frisch verliebt: In einem weissen Hosenanzug präsentierte sich Letizia bei der Bekanntgabe ihrer Verlobung mit Prinz Felipe. (Quelle: AFP/Alain Benainous)

Die Casa Real, das Königshaus, ignorierte Berichte über ihr wildes Auslandssemester in Mexiko. Sie soll alle möglichen Kräuter geraucht und bei politischen Diskussionen die Abschaffung der Monarchie gefordert haben. Aus dieser Zeit in Mexiko tauchte vor ein paar Jahren ein Ölbild auf, das unverkennbar sie zeigt, gut gelaunt und barbusig. Die Presseabteilung der Casa Real liess dazu streuen, dass Letizia nur für den Kopf, aber nicht den Körper Modell gestanden habe – was natürlich niemand glauben wollte und dem Bild erst recht Aufmerksamkeit bescherte. Sprachlos blieb das offizielle Madrid dagegen, als ein Ereignis aus Letizias Vorleben publik wurde, das die Anhänger der Monarchie schockierte: Sie hat abgetrieben. Den Skandal brachte ausgerechnet einer ihrer Cousins, der Rechtsanwalt David Rocasolano, ans Tageslicht. Vor sechs Jahren erschien sein Buch mit dem mehrdeutigen Titel «Adieu, Prinzessin!».

Es war eine Art Racheakt eines enttäuschten Verwandten, der ihr einst sehr nahegestanden hatte, zu dem sie aber, wie fast zur gesamten Familie, den Kontakt abgebrochen hat. Der Grund, so Rocasolano: Sie schäme sich für ihre Verwandten, die sich nicht am Hofe benehmen könnten, von denen einige überdies mit Reportern über sie geplaudert hätten. Letizia leide unter einem Kontrollwahn, sie wolle ihr Bild in der Öffentlichkeit kontrollieren.

Als sich seinerzeit abzeichnete, dass Felipe trotz des heftigen Widerstands seiner Eltern zu seiner Auserwählten stand, weihte sie ihn laut Rocasolano in ihr intimes Geheimnis ein, die Abtreibung. Beide waren sich einig, dass die sittenstrenge Königin Sofía auf keinen Fall davon erfahren dürfe. Letizia bat den Cousin, die Akte darüber aus dem Archiv der Klinik zu besorgen. Dies gelang ihm auch. Er händigte ihr die Mappe aus – nachdem er heimlich Fotokopien gemacht hatte. Diese veröffentlichte er 2013 in seinem Buch. Ein Jahr später wurde sie Königin.

Die böse Schwiegermutter

Legion sind die Presseartikel über die Spannungen zwischen Letizia und ihrer Schwiegermutter. Der letzte Fall, der sogar die seriöse Presse beschäftigte: Nach der Ostermesse des vergangenen Jahres in der Kathedrale von Palma de Mallorca versuchte Letizia offenbar, so interpretierten es die Medien, ihre Tochter Leonor wegzuziehen, als die emeritierte Königin Sofía mit dieser und der anderen Enkelin für ein Foto posieren wollte. Schnell verbreitete sich überdies, dass nach dieser Szene Juan Carlos seine Schwiegertochter angeraunzt habe: «Wenn du nicht willst, dass die Enkelinnen sich mit ihrer Grossmutter fotografieren lassen, dann hättest du deine Töchter nicht mit Felipe bekommen sollen.»

Lächeln für die Kameras: Die spanische Königsfamilie posiert nach der Ostermesse 2018 gemeinsam für die Presse. (Quelle: AFP/Carlos R. Alvarez)

Das Verhältnis der «Plebejerin» zu den Majestäten war von Anfang an gestört. Als Letizia ihre ersten Schritte als Verlobte des Kronprinzen am Hof machte, kam bei einer Teerunde mit Gästen das Gespräch auf den Irakkrieg der Amerikaner, an dem sich Spanien mit einem Truppenkontingent beteiligte. Als Letizia, die selbst als Reporterin von dort berichtet hatte, ausführlich davon erzählte, habe Königin Sofía sie nach einer Weile unterbrochen: «Wir wissen schon, dass du die Intelligenteste in der Familie bist, aber lass auch mal die anderen zu Wort kommen!»

Die Berichterstatter sind sich einig, dass Letizia in der Ehe «die Hosen anhat», wie man auch auf Spanisch sagt. Ehemalige Vertraute bedauern sie aber auch zutiefst, sie sei Opfer ihrer eigenen Fehleinschätzung geworden: Sie habe ursprünglich geglaubt, sie habe genügend Kraft, um frischen Wind in die abgeschottete Welt des Königshofs zu bringen. Doch damit ist sie gescheitert. So hat sie sich immer mehr abgekapselt. Nichts ist von der unbeschwerten, mitunter frechen Journalistin mit ihrem leicht ironischen Witz geblieben. In Madrid wird gerätselt, warum sie verstummt ist, hatte sie doch zu den starken jungen Frauen gehört, die sich zur Jahrtausendwende anschickten, die spanische Machogesellschaft mit ihren geheimen Bruderschaften kräftig aufzumischen.

Der dröge Felipe

Die Antwort ist vielleicht bei ihrem Mann zu suchen, dem drögen Felipe. Er wirkt blass in der Öffentlichkeit, seine Reden liest er mit monotoner Stimme ab. Von seinem Volk hält er sich eher fern. Zu seinem 50. Geburtstag im vergangenen Jahr verlieh er der verschüchterten Kronprinzessin Leonor in einer bizarren, aus der Zeit gefallenen Zeremonie mit den höchsten Würdenträgern des Landes einen hohen Orden.

Leonor und ihre jüngere Schwester Sofía würden vom wahren Leben abgeschirmt, sie litten unter dem Kontrollwahn ihrer Mutter, so heisst es in mehreren Berichten. Die einstige Rebellin habe sich längst die Regeln des Hofes zu eigen gemacht, meint eine Frau aus dem Kreis der Madrider PR-Leute: «Sie hält ihre Töchter mit aller Kraft in dem goldenen Käfig, aus dem sie sich selbst nicht befreien kann.»

Haben keine normale Kindheit: Leonor (links) lächelt neben ihrer Schwester Sofía. Auf der Brust der Kronprinzessin ist der rote Orden angebracht, der ihr König Felipe verlieh. (Quelle: AFP/Carlos R. Alvarez)

Erstellt: 05.06.2019, 19:04 Uhr

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