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Panikschenkungen wegen Hollande

Bei einem Wahlsieg von François Hollande soll der Staat bei Erbschaften stärker mitkassieren. Laut einem Medienbericht häufen sich nun die Schenkungen in Frankreich. Die Notariate werden regelrecht bestürmt.

Im Endspurt des Wahlkampfs: Der Sozialist François Hollande bei einem Auftritt in Toulouse.
Im Endspurt des Wahlkampfs: Der Sozialist François Hollande bei einem Auftritt in Toulouse.
Keystone

Gewinnt François Hollande die Stichwahl am nächsten Sonntag, wird er vieles anders machen als sein Vorgänger Nicolas Sarkozy. In der Steuerpolitik zum Beispiel will der Sozialist nicht nur Einkommen ab einer Million Euro zu 75 Prozent besteuern. Er plant auch eine höhere Erbschafts- und Schenkungssteuer. Der Freibetrag bei Verwandten gerader Linie liegt heute bei rund 159'000 Euro pro Kind und pro Elternteil – neu soll er auf 100'000 Euro gesenkt werden.

Angesichts des wahrscheinlichen Wahlsiegs von Hollande überlegen sich immer mehr Franzosen, wie sie dem Fiskus zuvorkommen können. Wie die Westschweizer Zeitung «Le Temps» berichtet, hat nun die Zahl der Schenkungen in Frankreich substanziell zugenommen (Artikel online nicht verfügbar). Der Bericht stützt sich auf Aussagen von Notaren in Hochsavoyen, die in jüngster Zeit deutlich mehr Fälle zu erledigen haben.

Deutlich mehr Arbeit für die Notare

Ein Notar in Nantua berichtet, dass er normalerweise zwei bis drei Schenkungen pro Monat bearbeite. Inzwischen seien es drei bis vier Schenkungen pro Woche. Gemäss Informationen einer Dachorganisation der französischen Notariate nahm die Zahl der Schenkungen im April gegenüber dem Vorjahr um 20 bis 25 Prozent zu. Die Zunahme im laufenden Monat wird auf 50 bis 80 Prozent geschätzt. Fazit: Wegen der zu erwartenden Präsidentschaft von Hollande kommt es immer mehr zu Panikschenkungen.

Die Menschen, die zu den Notariaten strömen, gehören dem Mittelstand an, wie ein Notar gegenüber «Le Temps» erklärte. Die wirklich Vermögenden hätten bereits im letzten Jahr Schenkungen abwickeln lassen. Schon der amtierende Präsident Sarkozy habe an der Erbschafts- und Schenkungssteuer Änderungen vorgenommen, die den Reichen nicht gefallen hätten, wie zum Beispiel, Schenkungen nur alle zehn Jahre zu erlauben.

«Meine Eltern wollen kein Geld verlieren»

Die Zeitung «Le Temps» erläutert anhand eines Beispiels, wie viele Franzosen zurzeit denken. «Meine Eltern wollen kein Geld verlieren. Deshalb haben sie beschlossen, einer eventuellen Steuererhöhung zuvorzukommen», berichtet ein Mann. «In den nächsten zwei Wochen werde ich Immobilien im Wert von einer halben Million geschenkt bekommen.»

Ein Notar aus der Region von Annecy erzählt, dass alle Leute, die Vermögen haben, sich beeilen, Schenkungen zu machen. Für die unter der Krise leidenden Notare ist Präsidentschaftskandidat Hollande ein Segen.

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