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Phänomenal unbeliebt

Richard Grenell, der US-Botschafter in Berlin, wird von Trump nach Washington zurückgeholt. Niemand trauert ihm nach.

MeinungDaniel Brössler
Loyaler Gefolgsmann Donald Trumps: US-Botschafter Richard Grenell verlässt Deutschland, um die Geheimdienste in den USA zu koordinieren. Foto: Getty
Loyaler Gefolgsmann Donald Trumps: US-Botschafter Richard Grenell verlässt Deutschland, um die Geheimdienste in den USA zu koordinieren. Foto: Getty

Stets belehrend, oft aggressiv und häufig beleidigt – Richard Grenell verkörpert das pure Gegenteil dessen, was man sonst so für Diplomatie hält. Donald Trumps Botschafter in Deutschland hinterlässt in Berlin eine diplomatische Spur der Verwüstung. Jetzt holt ihn sein Dienstherr zurück nach Washington. Grenell soll da die zahlreichen amerikanischen Geheimdienste koordinieren.

Schon kurz nach der Ankunft attestierte der einstige SPD-Chef Martin Schulz dem Botschafter, er führe sich auf wie ein «rechtsextremer Kolonialoffizier». Sahra Wagenknecht von der Linken und Wolfgang Kubicki von der FDP forderten seine Ausweisung, «diplomatischer Totalausfall» gehörte noch zu den freundlicheren Beschreibungen. Das war vermutlich ein Start nach dem Geschmack von Trump, der schon lange fand, dass Deutschland zu viel Geld mit Autos verdient und zu wenig davon in Panzer und Kampfflugzeuge investiert. Trump wollte jemanden, der den Deutschen Bescheid stösst. Er fand Grenell.

Mit Auftritten beim Fernsehsender Fox News hatte sich der Republikaner, der einst auch für den Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney gearbeitet hatte, als ein loyaler Gefolgsmann empfohlen. Für Grenell sprach wohl auch, dass er zwar als Sprecher der US-Botschaft bei den Vereinten Nationen Erfahrung in der internationalen Politik gesammelt hatte, aber keinerlei Neigung zu diplomatischen Umgangsformen hatte erkennen lassen. So gab Grenell zu Beginn seiner Berliner Botschafterzeit ausgerechnet dem rechtspopulistischen US-Portal «Breitbart» ein Interview, in dem er ankündigte, er wollte «Konservative in ganz Europa stärken».

Lautsprecher von Donald Trump

Auch die Tatsache, dass er sich als Fan des damals in einer Koalition mit den rechten Freiheitlichen regierenden Österreichers Sebastian Kurz zu erkennen gab, erwies sich in Berlin nicht als Türöffner. Anfangs gab es noch Fotos wie das von Grenell mit seinem Mann Matt Lashey, Hund Lola und Gesundheitsminister Jens Spahn. Später eher nicht mehr. In kürzester Zeit brachte es der Botschafter in Berlin zu phänomenaler Unbeliebtheit.

Oft aggressiv und häufig beleidigt – Richard Grenell verkörpert das pure Gegenteil dessen, was man sonst so für Diplomatie hält.

Scheinbar unbeeindruckt davon pflügte Grenell mit Tweets, Briefen und Stellungnahmen durch die politische Landschaft. Herrisch forderte er das Ende von Geschäftsbeziehungen mit dem Iran, verlangte er die Einhaltung des 2-Prozent-Ziels der Nato, die Aufgabe der Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 und den Ausschluss Chinas vom Aufbau des 5G-Netzes. Wenn er sich ärgerte, rüffelte er auch Regierungsmitglieder. Als Wirtschaftsminister Peter Altmaier im 5G-Streit die USA und China verglich, empörte er sich über die «Beleidigung».

Dabei tat Grenell auch, was normale Botschafter tun. Regelmässig lud er etwa Wirtschaftsvertreter und Abgeordnete aller Parteien zum Gespräch. Wobei diese allerdings nur selten den Eindruck gewannen, dass Grenell etwas von ihnen hätte hören wollen.

«Die Amtszeit von Grenell markiert einen Tiefpunkt in den deutsch-amerikanischen Beziehungen», resümiert ein Aussenpolitiker der SPD. Er hoffe auf einen Nachfolger, der sich nicht nur als «Lautsprecher des Präsidenten» versteht, sondern auch Meinungen und Einschätzungen aus Deutschland nach Washington transportiere.

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