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Polen räumt Schuld für Tragödie von Smolensk ein

Überraschendes Eingeständnis: Die mangelnde Ausbildung der Besatzung sei die Hauptursache für den tödlichen Flugzeugabsturz des polnischen Ex-Präsidenten Lech Kaczynski. Dies besagt ein polnischer Bericht.

Der polnische Präsident Lech Kaczynski wollte eine Gedenkfeier im russischen Smolensk besuchen. Beim Landeanflug zerschellte die Regierungsmaschine.
Der polnische Präsident Lech Kaczynski wollte eine Gedenkfeier im russischen Smolensk besuchen. Beim Landeanflug zerschellte die Regierungsmaschine.
Reuters
Russische Offiziere am Unglücksort.
Russische Offiziere am Unglücksort.
Reuters
Hart in der Sache, freundlich im Umgang: Am 20. Oktober 2006 beim EU-Gipfel in Lahti mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin.
Hart in der Sache, freundlich im Umgang: Am 20. Oktober 2006 beim EU-Gipfel in Lahti mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin.
Reuters
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Im Streit um die Ursachen des Flugzeugunglücks mit 96 Toten vor 15 Monaten im westrussischen Smolensk hat die polnische Regierung eigene Fehler zugegeben. Doch auch Russland trage eine Mitschuld.

Die Befeuerung der Landebahn auf dem Flughafen im russischen Smolensk sei in einem schlechten Zustand gewesen, urteilte eine polnische Untersuchungskommission in einem vorgelegten Bericht. Das russische Bodenpersonal habe dem polnischen Piloten zudem beim Landeanflug im dichten Nebel falsche Anweisungen erteilt.

Bei dem Flugzeugabsturz am 10. April 2010 waren Präsident Lech Kaczynski, seine Frau Maria und 94 weitere Prominente aus Politik, Wirtschaft, Kirche und Armee ums Leben gekommen.

Polen räumt eigene Fehler ein

Allerdings nahm die Regierungskommission auch die polnische Seite nicht von Kritik aus. So habe der Pilot für eine Landung unter widrigen Sichtbedingungen keine Ausbildung gehabt.

Einzig der Flugzeugführer sei des Russischen mächtig gewesen, so dass er während des Fluges zusätzlich mit dem Bodenpersonal habe kommunizieren müssen. Auch das Gerät an Bord der Tupolew TU-154 sei schlecht gewartet gewesen.

«Das Niveau der Ausbildung der Belegschaft stellte eine Gefahr für die Flugsicherheit dar», sagte ein Vertreter der Kommission in Warschau. Aus dem Gutachten geht ferner hervor, dass es bei der Vorbereitung der Flugreise «zahlreiche Verfehlungen» gegeben habe. Ruhezeiten für Piloten seien nicht eingehalten, Trainingsflüge nicht ausgeführt worden.

Auch die Dienstaufsicht für die Luftwaffeneinheit, die für die Beförderung von Politikern zuständig ist, habe nicht funktioniert, hiess es im Bericht. Die polnische Kommission arbeitete unter Leitung von Innenminister Jerzy Miller.

Nur kurze Annäherung

Die Maschine war beim Landeversuch zerschellt. Die russische Seite hatte in einem im Januar veröffentlichten Bericht die Hauptschuld für den Unfall den polnischen Piloten gegeben. Die Schuldfrage spielt eine wichtige Rolle im Wahlkampf vor der Parlamentswahl im Oktober. Die national-konservative Opposition fordert den Rücktritt von Verteidigungsminister Bogdan Klich.

Heute erklärte der polnische Ministerpräsident Donald Tusk, Klich habe am Vortag seine Demission eingereicht. Er nehme diese an, sagte Tusk vor Journalisten.

Nach den Ermittlungen der Regierungskommission konnte der von einigen Politikern und Medien erhobene Vorwurf nicht belegt werden, Kaczynski und andere Fluggäste hätten den Piloten gegen seinen Willen zur Landung in Smolensk gezwungen.

Die Delegation aus Warschau war auf dem Weg nach Katyn, wo sie der Ermordung mehrerer Tausend polnischer Offiziere durch den sowjetischen Geheimdienst im April 1940 gedenken wollte. Die Erschütterung über das Unglück führte zu einer kurzzeitigen Annäherung zwischen Russland und Polen, die aber nach dem russischen Abschlussbericht abrupt endete.

AFP/wid

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