Attentäter von Ankara ist Bruder des Suruc-Terroristen

Einer der Terroristen von Ankara war tatsächlich der Bruder des Suruc-Attentäters. Vor dem Anschlag gab es auf Twitter Warnungen vor einer solchen Tat.

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Die beiden Attentäter von Ankara sollen definitiv ermittelt sein. Laut türkischen Medien handelt es sich um Yunus Emre Alagöz und Ömer Deniz Dündar, wie die «NZZ» berichtet. Bilder von Überwachungskameras zeigen Alagöz in der Menschenmenge, die sich zu einer Kundgebung zusammenfand.

Alagöz ist der ältere Bruder von Abdurrahman Alagöz, der im Juli das Selbstmordattentat in der Grenzstadt Suruc verübt hatte. Dabei waren 34 kurdische und linke Aktivisten getötet worden.

Die Brüder stammen aus Adiyaman, einer Stadt im Osten der Türkei. Nach dem Anschlag von Suruc war bekannt geworden, dass der ältere seinen jüngeren Bruder zum IS geholt hatte. Die Sicherheitskräfte sollen gewusst haben, dass der ältere Alagöz sich in der Türkei aufhalte, sie hatten seine Spur jedoch verloren. Er war beim IS in Syrien im Bombenbau ausgebildet worden.

Kurden warnten auf Twitter vor Anschlag

Weiter ist bekannt geworden, dass zwei Personen mit Verbindungen zur kurdischen Rebellengruppe PKK nach Angaben aus türkischen Regierungskreisen einen Tag vor dem Terroranschlag in Ankara auf Twitter vor einer solchen Tat gewarnt hatten. Die beiden seien festgenommen worden und würden verhört, sagte ein Regierungsvertreter.

Ministerpräsident Ahmet Davutoglu betonte, dass die neuen Beweise auch die PKK wieder ins Zentrum der Ermittlungen zu dem Anschlag mit 97 Toten rückten.

Personelle Konsequenzen

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan steht derweil wegen des verheerendsten Anschlags in der Geschichte der Türkei erheblich unter Druck. Oppositionspolitiker werfen ihm vor, für das aufgeheizte Klima im Land verantwortlich zu sein. Überdies gibt es Kritik an den Sicherheitsdiensten, weil diese den Anschlag nicht verhinderten.

Als Reaktion entliess das türkische Innenministerium den Polizeichef von Ankara sowie die Chefs der Geheimdienst- und Sicherheitsabteilungen der Polizei in der türkischen Hauptstadt, wie die offizielle Nachrichtenagentur Anadolu heute meldete.

Die Zeitung «Hürriyet» berichtete, einer der Selbstmordattentäter von Ankara sei den Behörden als Anhänger der Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) bekannt gewesen. In den vergangenen Tagen waren insbesondere Vorwürfe gegen Innenminister Selami Altinok laut geworden, der bisher jedoch einen Rücktritt ablehnt.

Fehler eingeräumt

Vier Tage nach dem Anschlag mit fast hundert Toten auf eine Friedensdemonstration hat Erdogan der Opfer gedacht. Vor dem Bahnhof der Hauptstadt, wo sich am Samstag zwei Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt hatten, legte er ein Blumengebinde nieder. Begleitet wurde Erdogan beim Gedenken der Opfer von seinem finnischen Kollegen Sauli Niinistö.

Gestern hatte Erdogan mögliche Versäumnisse der Sicherheitsbehörden eingeräumt. «Es muss ohne Frage einen Fehler gegeben haben, eine Fehlleistung in einem bestimmten Augenblick.» Geheimdiensterkenntnisse deuteten darauf hin, «dass der Anschlag seine Wurzeln in Syrien hat». Zur Arbeit der türkischen Behörden habe er eine Sonderuntersuchung angeordnet. Das ganze Ausmass der Versäumnisse würde jedoch erst später klar werden.

Bei dem Anschlag auf eine Friedensdemonstration linker und prokurdischer Gruppen waren am Samstag in Ankara mindestens 97 Menschen getötet und mehr als 500 weitere verletzt worden. Laut der Regierung wurde das Attentat von zwei Selbstmordattentätern verübt. Ankara erklärte den IS zum Hauptverdächtigen.

Angespannte Lage

Die jüngsten Anschläge haben die politischen Spannungen in der Türkei vor der Parlamentsneuwahl am 1. November verschärft. Die Neuwahlen wurden notwendig, weil es Erdogans islamisch-konservativer AKP nicht gelungen war, eine Koalition zu schmieden. Bei der Wahl hatte die AKP nach zwölf Jahren erstmals ihre Regierungsmehrheit eingebüsst.

Opposition und Beobachter werfen Erdogan vor, die Neuwahl gezielt herbeigeführt zu haben, um für die AKP die Regierungsmehrheit zurückzuerobern. Seit Juli hat sich überdies der Konflikt zwischen Regierung und kurdischen Rebellen wieder deutlich verschärft. (kko/AFP)

Erstellt: 14.10.2015, 15:34 Uhr

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