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Polizisten in Kiew schiessen mit Schweizer Waffen

Thuner Präzisionsgewehre sollen beim Konflikt in der Ukraine eine tragische Rolle spielen. Das könnte auch politische Folgen haben: Der Nationalrat stimmt diese Woche über Waffenexporte ab.

(Bild: Screenshot Youtube/Pasta Karapuz)
(Bild: Screenshot Youtube/Pasta Karapuz)

Spezialeinheiten der ukrainischen Behörden setzten in Kiew Schweizer Scharfschützengewehre gegen Demonstranten ein. Das beweisen Filmaufnahmen, die der «Sonntagszeitung» vorliegen. Die Waffen sind lizenzierte Nachbauten eines Schweizer Präzisionsgewehrs. Hersteller ist der Waffenproduzent B&T AG in Thun BE.

Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) bewilligte den «Know-how-Transfer für die Herstellung von Kleinwaffen an eine ukrainische Firma» im Jahr 2009, wie eine Seco-Sprecherin bestätigt. Die «Kleinwaffe» trifft auf Distanzen von bis zu 1500 Metern punktgenau. Darüber hinaus gingen auch Einzelteile für die Herstellung der Präzisionswaffe von Thun in die Ukraine. Genug, um damit 30 bis 50 Scharfschützengewehre zu fertigen

«Die Euro 2012 ausgenutzt»

Die Lizenz für die Scharfschützengewehre bestellte das Unternehmen Tactical Systems in Kiew. Die Firma produzierte die Waffen und verkaufte sie weiter an Spezialkräfte des ukrainischen Innenministeriums. Laut Seco war der Lizenzverkauf 2009 gesetzeskonform.

Offiziell wurden die Gewehre zum Schutz der Europameisterschaften 2012 angeschafft. Eingesetzt wurden sie erst zwei Jahre später – gegen das ukrainische Volk. Janukowitsch habe die Euro 2012 gezielt genutzt, um die Sicherheitskräfte hochzurüsten, sagt der Ukraine-Experte Ievgen Vorobiov gegenüber der «Sonntagszeitung». «Die Spezialkräfte des Innenministeriums sind gut ausgebildet und gut ausgerüstet.»

Die Bilder der Schweizer Scharfschützengewehre auf dem Maidan könnten nun auch Einfluss auf die Schweizer Politik haben. Am Donnerstag stimmt der Nationalrat über eine Lockerung der Kriegsmaterialverordnung ab. Bis vor kurzem galt ein Ja als blosse Formsache. Nun könnte die Stimmung kippen. Entscheidend werden die Stimmen der CVP/EVP-Fraktion. Eine Umfrage zeigt: Die Fraktion ist tief gespalten. Zusammen mit der Ratslinken sprechen sich derzeit 90 Nationalräte gegen eine Erleichterung der Waffenexporte aus.

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