Präsidentschaftsduell mit Drogentest und Stadion-Debatte

Der Wahlkampf in der Ukraine wird zur Show. Petro Poroschenko und Wolodimir Selenski treffen sich zu einem TV-Duell im Olympia-Stadion in Kiew.

Wolodimir Selenski fordert Petro Poroschenko zum TV-Duell im Olympiastadion in Kiew heraus. Quelle: Youtube/Euronews


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Ein TV-Komiker und Polit-Amateur hat beste Chancen, Staatspräsident der Ukraine zu werden. Wolodimir Selenski gewann haushoch den ersten Durchgang der Präsidentschaftswahlen Ende März. Und er liegt in Führung bei den Umfragen im Hinblick auf die Stichwahl am 21. April gegen den Amtsinhaber Petro Poroschenko.

Im bisherigen Wahlkampf hat sich Selenski geweigert, sich einer direkten Konfrontation mit Poroschenko zu stellen. In einem herkömmlichen TV-Duell hätte der Polit-Neuling einen schweren Stand gehabt gegen den Polit-Profi Poroschenko. Inzwischen ist Selenski zu einer Debatte im Fernsehen bereit – allerdings unter speziellen Bedingungen. Das TV-Duell soll nicht in einem Fernsehstudio stattfinden, sondern in einem Stadion. Dazu hat Selenski auf Facebook ein Video veröffentlicht.

Poroschenko nimmt Angebot von Selenski an

«Ich erwarte Sie hier im Olympia-Stadion in Kiew – vor dem Volk der Ukraine», sagt Selenski zu Beginn des einminütigen Clips, in dem er das leere Stadion betritt. Bis zu 70'000 Zuschauer fasst das Olympia-Stadion, wo im letzten Jahr das Finale der Champions League stattfand. Im professionell gemachten Video fordert Selenski den Amtsinhaber auf, ihn nicht länger als «Clown» oder «Marionette» zu bezeichnen. Das ist ein Verweis auf seine angeblichen politischen Verbindungen zu Igor Kolomoiski, einem Oligarchen. Kolomoiski und Poroschenko verbindet eine tiefe Feindschaft.

Ausserdem fordert Selenski einen Medizincheck, inklusive Alkohol- und Drogentest. Diesem will auch er sich stellen: «Das Land braucht einen gesunden Präsidenten», sagte der 41-Jährige. Poroschenko-Anhänger hatten vor einigen Tagen einen Zusammenschnitt der Medienkonferenz von Selenski nach dem Wahlsieg verbreitet, der den Eindruck vermitteln sollte, der Schauspieler stände unter Drogen. Im Gegenzug wird Poroschenko von Anhängern des TV-Komikers oft als Alkoholiker diffamiert.

Poroschenkos Antwort auf Selenskis Vorschlag hat nicht lange auf sich warten lassen. «Dann ist es halt ein Stadion. Ich warte auf Sie», sagt der Amtsinhaber in einer Videobotschaft, die auf seiner Facebook-Seite publiziert wurde. Und auf Twitter veröffentlichte Poroschenko ein Foto, das ihn bei der Blutabnahme bei einem Arzt zeigt.

Auch der Komiker liess sich am Freitag Blut abnehmen. «Zum Glück habe ich viel davon – junges Blut», sagte Selenski. In drei Tagen werde es die Ergebnisse des privaten Labors geben. Bei Poroschenko gab es in Schnelltests offiziellen Angaben zufolge keine Rückstände von Drogen.

«Eine solche Debatte ist keine Show»

Poroschenko betont, dass das Rededuell eine ernste Angelegenheit sei. «Eine solche Debatte ist keine Show.» Es gehe um das Recht der Bürger, eine volle und umfassende Information über die Programme und Pläne der Kandidaten zu bekommen. «Die Debatte kann nicht als Stadionspektakel inszeniert werden.» Das ukrainische Gesetz sieht vor, dass im Fernsehen übertragene Wahldebatten spätestens am letzten Freitag vor der Stichwahl abgehalten werden müssen. Das wäre in diesem Fall der 19. April.

An der Wahlveranstaltung im Kiewer Olympia-Stadion sollen Wahlberechtigte und Journalisten teilnehmen, die den beiden Kandidaten auch Fragen stellen können. Beide stehen für einen prowestlichen Kurs mit einer künftigen Mitgliedschaft in der EU.

Bei inhaltlichen Fragen dürfte Amtsinhaber Poroschenko dem Politik-Novizen Selenski klar überlegen sein. Kritiker werfen Selenski Planlosigkeit und Populismus vor. Der TV-Komiker wird wohl versuchen, einen Auftritt mit Humor und Überraschungen hinzulegen. Zudem ist er es gewohnt, auf grossen Bühnen aufzutreten. Populär wurde Selenski mit einer Fernsehserie, in der er den ukrainischen Präsidenten darstellt.

Erstellt: 05.04.2019, 15:47 Uhr

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