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Prorussischer Journalist in Kiew getötet

Es ist bereits der zweite Mord an einen Unterstützer Russlands in den letzten 24 Stunden in Kiew. Auch Wladimir Putin hat sich zum Fall geäussert.

pst
Vor seinem Haus erschossen: Publizist Oles Busina. Bild: Twitter/Sputnik Deutschland (16. April 2015)
Vor seinem Haus erschossen: Publizist Oles Busina. Bild: Twitter/Sputnik Deutschland (16. April 2015)

In Kiew sind binnen 24 Stunden ein prorussischer Journalist sowie ein Unterstützer des gestürzten Moskau-treuen Präsidenten Viktor Janukowitsch getötet worden. Oleg Kalaschnikow, Abgeordneter von Janukowitschs Partei der Regionen, wurde nach Polizeiangaben am Mittwochabend tot in seinem Haus gefunden. Am Donnerstag wurde der Journalist Oles Buzyna, Chefredaktor einer Kiew-kritischen Zeitung, nahe des Stadtzentrums auf offener Strasse erschossen.

Nach Angaben aus dem Innenministerium nahm die Polizei wegen des Todes Kalaschnikows Mordermittlungen auf; auch er wurde offenbar erschossen. Es werde in Richtung einer politisch motivierten Tat als auch eines Raubmordes aus wirtschaftlichen Gründen ermittelt. Kalaschnikow soll während der Proteste der proeuropäischen Opposition gegen Janukowitsch seit dem Herbst 2013 Gegenkundgebungen organisiert haben.

Kritik an Kiews Regierung

Buzyna war Chefredaktor der Zeitung «Segodnia» von Rinat Achmetow, dem reichsten Mann der Ukraine und Hauptfinanzier der Partei der Regionen. Auf seiner eigenen Website hatte Buzyna der neuen Regierung in Kiew vorgeworfen, sie wolle «die russische Kultur zerstören». Das Innenministerium bestätigte seinen Tod. Fernsehbilder zeigten eine blutüberströmte Leiche vor einem Haus in der Innenstadt.

Präsident Petro Poroschenko verurteilte die offenkundigen Morde als «absichtliche Provokation», die «Öl auf die Mühlen unserer Feinde giessen und die Lage in der Ukraine destabilisieren». Er forderte seine eigenen Behörden zu einer «transparenten Untersuchung» auf.

Putin besorgt

In Moskau äusserte sich Präsident Wladimir Putin bei seiner Fernsehsprechstunde «Direkter Draht» besorgt über die Vielzahl von politischen Verbrechen in der Ukraine. Der Präsident kritisierte, dass der Westen über diese Fälle hinwegsehe.

Die Zahl der Fälle, in denen Unterstützer von Ex-Präsident Janukowitsch unter verdächtigen Umständen ums Leben gekommen sind, erhöhte sich mit den beiden neuen Opfern auf fünf. Der ehemalige Gouverneur Olexandre Peluschenko sowie der frühere Abgeordnete Stanislaw Melnik wurden beide tot in ihrem Haus gefunden.

Weitere mysteriöse Todesfälle

Beide Politiker sollen sich das Leben genommen haben. Michailo Tschetschetow, ein hoher Parlamentsmitarbeiter der Partei der Regionen, war Ende Februar aus einem Fenster im 17. Stock gestürzt.

Überdies war Ende März der jüngste Sohn Janukowitschs mit einem Kleinbus auf dem zugefrorenen Baikal-See in Sibirien eingebrochen und ertrunken. Auch wenn Vertraute des Ex-Präsidenten von einem Unfall sprachen, wurde der Vorfall von manchen Beobachtern als verdächtig bewertet.

Janukowitsch war im Februar 2014 nach monatelangen Protesten ins russische Exil geflohen. Zwei Monate später begannen die Gefechte zwischen ukrainischen Streitkräften und prorussischen Rebellen im Osten des Landes, durch die nach Angaben der Vereinten Nationen bislang mehr als 6000 Menschen getötet wurden.

(SDA)

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