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Putin hat Erdogan in der Hand

Die Türkei ist abhängig von Russland. Sie hat dem Ausbau russischer Macht im Nahen Osten nichts entgegenzusetzen.

Das Treffen vom Donnerstag im Kreml hat sich für Putin wohl gelohnt – bei Erdogan kann man sich da nicht so sicher sein. Foto: Keystone
Das Treffen vom Donnerstag im Kreml hat sich für Putin wohl gelohnt – bei Erdogan kann man sich da nicht so sicher sein. Foto: Keystone

Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan kam am Donnerstag als Bittsteller in den Kreml. Der Krieg in Idlib, der letzten syrischen Rebellenhochburg, ist für Erdogan und die mit ihm verbündeten syrischen Aufständischen nicht mehr zu gewinnen.

Der russische Präsident Wladimir Putin hat Erdogan in der Hand. Erdogans Truppen können den Sieg von Syriens Diktator Bashar al-Assad bestenfalls verzögern, um den Preis gefallener türkischer Soldaten. Bringen würde das Opfer nichts. Solange Putin seine Hand über Assad hält, bleibt Erdogan der Verlierer.

Auch sonst ist Erdogan von Putin abhängig. Russland ist der zweitwichtigste Handelspartner der Türkei, Moskau baut für Ankara ein Atomkraftwerk, liefert Getreide, russische Touristen kommen in Millionenzahl. Sollten sich die beiden Staaten nun noch einen Wirtschaftskrieg liefern, dürfte Ankara wieder den Kürzeren ziehen. Die türkische Wirtschaft kränkelt so sehr, dass Erdogan fürchten muss, wegen steigender Inflation und Arbeitslosigkeit weiteren Rückhalt bei seinen Bürgern zu verlieren.

Erdogan hat Putin ein Instrument gereicht, um die Fundamente des westlichen Militärbündnisses zu untergraben.

All dies sind Gründe für Putin, Erdogan zappeln zu lassen. Der Kreml kann Ankara grosszügig eine Waffenruhe in Idlib anbieten, aber er kann sein raffiniertes Spiel jederzeit wieder aufnehmen. Putins Ziele in Syrien und im Nahen Osten sind offensichtlich. Assad soll wieder Herrscher über ganz Syrien werden, wo Moskau dann weitere Militärstützpunkte errichten und seine Macht in Nahost ausbauen will. In der Region, aus der die USA sich politisch und militärisch immer weiter zurückziehen, könnte Russland dann mit seiner Ölindustrie punkten; Rohstoffe gibt es dort wirklich genug.

Zudem hat Putin dem Nato-Mitglied Türkei ja auch noch das Luftabwehrsystem S-400 geliefert – für die Nato das Teufelszeug schlechthin. Erdogan hat Putin damit ein Instrument gereicht, um die Fundamente des westlichen Militärbündnisses zu untergraben. Moskau lässt keine Gelegenheit dazu aus. Womit sich das Treffen vom Donnerstag für Putin wohl gelohnt hat – bei Erdogan kann man sich da nicht so sicher sein.

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