Putins riskante Provokation

Russlands Terrorvorwürfe an die Adresse der Ukraine sind lediglich ein Ablenkungsmanöver.

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Russland beschuldigt die Ukraine, Terroranschläge auf der von Moskau annektierten Krim geplant zu haben. Dabei sollen zwei Russen getötet und mehrere Eindringlinge festgenommen worden sein. Beweise bleiben die Russen schuldig, die Indizien sind schwach: Den Medien wurde ein angeblich an der Grenze zur Krim verhafteter Ukrainer und Aufnahmen von Rucksäcken, gefüllt mit Sprengstoff, präsentiert – Zweifel sind angebracht.

Vielleicht ist alles nur eine Inszenierung, vielleicht waren ukrainische Nationalisten oder andere Extremisten am Werk. Immerhin gab es im letzten Jahr einen Anschlag auf eine wichtige Stromleitung vom ukrainischen Festland auf die Krim. Dass die demokratisch gewählte Führung in Kiew selber Terroranschläge in Auftrag gegeben hat, ist dagegen wenig plausibel.

Wladimir Putin ging trotzdem in die Offensive, um grösstmögliche Unruhe zu schüren. Die Ukraine setze auf Terrorismus statt auf Verhandlungen, sagte der russische Präsident. In der Sprache des Kreml ist heute in Kiew eine Terroristenbande am Werk. Und mit einer solchen verhandelt man bekanntlich nicht. Deshalb sind für Putin weitere Diskussionen über einen Frieden in der Ukraine «sinnlos» geworden. Gleichzeitig gibt es Hinweise, dass auf der Krim seit mehreren Tagen Truppen verschoben werden.

Weshalb setzt Putin auf verbale Eskalation und baut militärische Drohkulissen auf? Eigentlich ist Russland auf dem Weg zurück in die internationale Staatengemeinschaft. Die Isolation, die auf die Annexion der Krim Anfang 2014 folgte, schien durchbrochen. In dieser Situation kann Putin kein Interesse an einem offenen Krieg mit der Ukraine haben. Eher geht es ihm um ein Ablenkungsmanöver: Die Menschen auf der Krim haben nach der Annexion goldene Zeiten erwartet. Heute geht es ihnen jedoch noch schlechter als zuvor. Angst vor Terror und Wut auf die Ukraine, die Putin nun schürt, sollen dies kaschieren. Damit spielt Provokateur Putin ein gefährliches Spiel, zumal in der Ostukraine wegen des Konflikts zwischen Kiew und Moskau täglich Menschen sterben. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.08.2016, 22:08 Uhr

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