Rechte FPÖ verdoppelt Stimmen in Oberösterreich

Die FPÖ profitierte von der Flüchtlingskrise und konnte bei den Landtagswahlen massive Gewinne einfahren. Die Verlierer beklagen sich über die Themen im Vorfeld der Wahl.

Strahlende Sieger: Manfred Haimbuchner (links) und FPÖ-Präsident Heinz-Christian Strache feiern das Resultat in Linz. (27. September 2015)

Strahlende Sieger: Manfred Haimbuchner (links) und FPÖ-Präsident Heinz-Christian Strache feiern das Resultat in Linz. (27. September 2015) Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Inmitten der Flüchtlingskrise hat die rechte FPÖ bei Landtagswahlen in Oberösterreich massive Gewinne eingefahren. Laut dem vorläufigen Endergebnis kam sie am Sonntag auf 30,4 Prozent der Stimmen, doppelt so viel wie bei der vorigen Wahl im Jahre 2009.

Die Partei näherte sich damit der konservativen ÖVP von Ministerpräsident Josef Pühringer, die um 10,4 Prozentpunkte auf 36,4 Prozent abrutschte. Die Flüchtlingskrise hatte im Vorfeld des Urnengangs alle anderen Themen überlagert; die Wahl im Bundesland an der Grenze zu Bayern wurde deshalb als Stimmungstest für ganz Österreich gesehen.

Die Freiheitliche Partei habe «die Sorgen und Anliegen der Menschen ernst genommen und verstanden», sagte FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache. Die Rechten hatten angesichts Tausender ankommender Flüchtlinge pro Tag schärfere Grenzkontrollen gefordert und der Regierung in Wien «Asylchaos» vorgeworfen.

Die Freiheitliche Partei sei so erfolgreich gewesen, weil sie zum «Thema Asyl die Wahrheit gesagt hat», sagte FPÖ-Landessekretär Erwin Schreiner. «Das war eine Wahl, die überhaupt nicht um Oberösterreich gegangen ist», klagte dagegen ÖVP-Landesgeschäftsführer Wolfgang Hattmannsdorfer.

Der sozialdemokratische Bundeskanzler Werner Faymann konterte, dass die Flüchtlingsströme «nicht deshalb entstanden sind, weil wir in der Innenpolitik etwas falsches gemacht haben», sondern wegen des Krieges in Syrien. Faymanns SPÖ rutschte von 24,9 auf 18,4 Prozent ab und wurde auf den dritten Platz verdrängt. Die Grünen, die bislang mit der ÖVP koalierten, konnten leicht auf 10,3 Prozent zulegen.

Bisherige Koalition am Ende

Das Ergebnis reicht jedoch für eine schwarz-grüne Koalition nicht aus. Pühringer hielt sich am Wahlabend alle Optionen offen, auch wenn er bisher Abneigung gegen die FPÖ erkennen liess. FPÖ-Politiker machten nicht nur klar, dass sie in Oberösterreich Regierungsverantwortung übernehmen wollen. Strache betonte auch, dass ihm die Dynamik vom Sonntag bei der Wiener Gemeinderatswahl am 11. Oktober helfen könnte. Die FPÖ gewann bereits bei Regionalwahlen in der Steiermark und dem Burgenland im Mai stark an Stimmen.

«Dieser überwältigende Vertrauensbeweis der Wählerinnen und Wähler übertrifft sogar unsere eigenen Erwartungen», sagte Strache, der am 11. Oktober als Spitzenkandidat in die Wahl um den Wiener Gemeinderat gehen wird. (rre/chk/sda)

Erstellt: 27.09.2015, 17:44 Uhr

Artikel zum Thema

Österreichs Rechtspopulisten im Aufwind

Bei regionalen Wahlen erwartet die FPÖ hohe Stimmengewinne – sie dürfte von der Flüchtlingskrise profitieren. Im Internet lassen ihre Anhänger Mordfantasien freien Lauf. Mehr...

Österreich: Die FPÖ geht auf «Patrioten-Tour»

Mehr...

Krawalle beim FPÖ-Ball in Wien – 54 Festnahmen

Mindestens 5000 Menschen demonstrierten in Wien gegen den Akademikerball der FPÖ. Dabei kam es zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Paid Post

Ein Fehltritt mit Folgen

Eine kleine Unaufmerksamkeit, ein bisschen Pech – ein Unfall ist schnell passiert. Zum Glück hat die Suva die Kosten im Griff.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Im Wiederaufbau: Das Sonnenlicht am frühen Morgen scheint auf die Kathedrale Notre-Dame in Paris. (16. September 2019)
(Bild: Ian Langsdon) Mehr...