Respekt oder Unterwerfung?

Roms verhüllte Statuen während des Besuchs von Hassan Rohani sorgen für grossen Ärger – nicht nur bei den Gegnern von Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi.

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Mit Spannung wurden die Treffen von Irans Staatschef Hassan Rohani mit dem italienischen Ministerpräsidenten Matteo Renzi und Papst Franziskus erwartet. Es wurden Verträge in Höhe von 17 Milliarden Euro abgeschlossen, was jedoch in den Hintergrund rückte. Vielmehr entbrannte eine hitzige Diskussion um die Massnahme, die nackten Statuen auf dem Kapitol in Holz einzukleiden – womit die religiösen Gefühle des muslimischen Rohani geschont werden sollten.

Dieser Akt von diplomatischer Gastfreundschaft wurde harsch kritisiert, der italienische Kunstkritiker Vittorio Sgarbi polterte: «Nur ignorante Schafe könnten auf so eine Idee kommen.» Genüsslich zur Kenntnis nahm diese Massnahme auch die Partei vom ehemaligen Präsidenten Silvio Berlusconi, Forza Italia. So sagte beispielsweise Luca Squeri: «Respekt vor anderen Kulturen zu zeigen, bedeutet nicht, die eigene zu verleugnen. Das war kein Respekt, sondern Unterwerfung.»

«Sollte da etwas sein, was dich stört, sieh einfach weg»

In einem Kommentar bezeichnete der «Spiegel» die Verhüllung der Statuen als «unangenehm unsouverän». Auch die europäische Kultur habe einen Wesenskern, der zu respektieren sei, schreibt das deutsche Blatt weiter und zitiert ein bekanntes Sprichwort: «Wenn du in Rom bist, verhalte dich, wie es die Römer tun.» Ergänzt durch den Subtext: «Sollte da etwas sein, was dich stört, sieh einfach weg.»

Die «Süddeutsche Zeitung» erkannte, dass «die härtesten Hardliner gerade in der diplomatischen Oberliga erfreuliche Flexibilität» zu zeigen pflegten, weshalb «falsch und unnötig» sei, was in Rom passiert sei. Nährboden für die Kritik war auch die Einigung zwischen Rohani und Papst Franziskus, dass für den Frieden neben dem Dialog zwischen den Religionen insbesondere Toleranz sehr wichtig sei. Nun wurde es verpasst, Toleranz gegenüber der eigenen Kultur einzufordern.

Ähnliche Diskussionen in der Schweiz

Dieselbe Kontroverse entstand im Oktober 2013 auch in der Schweiz anlässlich der Verhandlungen über das iranische Atomprogramm. Damals wurde das Kunstwerk mit einem nackten Mann im Genfer UNO-Gebäude hinter einem weissen Vorhang versteckt. Die Regierung sprach von einem «neutralen» Hintergrund.

Ihren Kommentar schloss die SZ mit der Erkenntnis: «Es gibt manches, wofür sich Europa schämen muss. Seine Kunst gehört nicht dazu.» (fas)

Erstellt: 27.01.2016, 10:23 Uhr

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