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Roma in Ungarn: «Ausflug» oder Flucht vor gewaltbereiten Neonazis?

Die angebliche Rettung von knapp 300 Roma vor ungarischen Rechtsradikalen sorgt für Verwirrung. Vertreter der Minderheit erklärten, sie wurden in Sicherheit gebracht. Die Regierung dementiert eine «Notsituation».

Auf der Flucht vor Neonazis: Roma müssen das Dorf Gyongyospata verlassen, 22. April 2011.
Auf der Flucht vor Neonazis: Roma müssen das Dorf Gyongyospata verlassen, 22. April 2011.
Keystone
Die Roma können nur das Nötigste mitnehmen. Wann sie zurückkehren dürfen, ist ungewiss.
Die Roma können nur das Nötigste mitnehmen. Wann sie zurückkehren dürfen, ist ungewiss.
Keystone
Als die Roma das Dorf verlassen haben, sind Polizeikräfte in Gyongyospata aufgetaucht. Sie wollen die Neonazis beobachten.
Als die Roma das Dorf verlassen haben, sind Polizeikräfte in Gyongyospata aufgetaucht. Sie wollen die Neonazis beobachten.
Keystone
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Die Roma sagten gegenüber ungarischen Medien, sie hätten sich aus Angst vor einem von der rechtsradikalen Gruppe Vederö geplanten paramilitärischen Trainingslager an die Organisation gewandt. Ungarns Regierungssprecher Peter Szijjarto bestritt diese Angaben und erklärte, die Evakuierungsaktion des Roten Kreuzes sei nicht aufgrund einer «Notsituation» durchgeführt worden. Es handle sich vielmehr um einen länger geplanten «Ausflug» über das Osterwochenende. Und Erik Selymes, geschäftsführender Direktor des Ungarischen Roten Kreuzes, bestätigte diese Darstellung auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa.

Acht Festnahmen durch die Polizei

Unterdessen ging die Polizei gegen das Trainingslager vor und nahm 8 von 20 Teilnehmern wegen «Rowdytums» fest, wie Innenminister Sandor Pinter erklärte. Er war am Abend nach Gyöngyöspata gereist, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Vederö-Vertreter erklärten, die Polizei missachte die Tatsache, dass das Trainingslager auf einem Privatgrundstück stattfinde. Pinter hatte schon am Donnerstag mehr Befugnisse für die Polizei angekündigt, um die Aktivitäten extremistischer Bürgerwehren zu verhindern.

Zur Rolle des Roten Kreuzes erläuterte Direktor Selymes, die Roma in Gyöngyöspata hätten sich am vergangenen Dienstag an das Rote Kreuz mit der Bitte gewandt, ein Ferienlager zu organisieren. Ein Zusammenhang mit der Präsenz von Rechtsradikalen im Ort habe nicht bestanden. Die Bitte sei nicht ungewöhnlich gewesen, zumal Ungarns Rotes Kreuz in den letzten 30 Jahren etwa 600 derartige Freizeitaktivitäten für bedürftige Ungarn organisiert habe.

Einladung: In Uniform – mit Gummigeschossen

Die rechtsradikale Gruppe Vederö hatte die Teilnehmer des paramilitärischen Camps aufgerufen, in Uniformen und mit Gummigeschoss-Waffen zu erscheinen. Bereits im März hatte eine andere rechtsradikale Gruppierung den 2800-Einwohner-Ort fast drei Wochen lang mit Märschen terrorisiert.

In einigen Orten Ungarns hatten sich zuletzt Bürgerwehren gebildet, um gegen die angebliche Roma-Kriminalität vorzugehen. Unterstützt werden solche Aktivitäten durch rechtsextreme Gruppen. Ungarns Regierung hat mehrfach betont, es nicht zulassen zu wollen, dass das Gewaltmonopol des Staats von derartigen Gruppen übernommen wird.

Heftige Kritik aus dem Ausland an Budapest

Das EU-Mitgliedsland Ungarn steht seit langem wegen seiner Verfassungsreform in der Kritik. Das Parlament in Budapest hatte Mitte April die umstrittene neue Verfassung gebilligt, die Kritikern zufolge die Macht der rechtsnationalen Regierungspartei Fidesz festigt und Nachfolgeregierungen handlungsunfähig machen kann.

(sda/dapd)

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