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Roma-Mädchen lehnt Hollandes angebotene Rückkehr ab

Der französische Präsident machte im Fall einer umstrittenen Ausschaffung ein Angebot: Leonarda dürfe zurück nach Frankreich – aber ohne Familie. Die 15-jährige Kosovarin lehnt das ab. Ihr Vater droht.

War das Ziel eines Angriffs: Leonardas Mutter, Xhemaili Dibrani, verlässt mit ihrer zweiten Tochter auf dem Arm ein Spital. (20. Oktober 2013)
War das Ziel eines Angriffs: Leonardas Mutter, Xhemaili Dibrani, verlässt mit ihrer zweiten Tochter auf dem Arm ein Spital. (20. Oktober 2013)
Keystone
Sprechen mit Journalisten: Leonarda Dibrani (rechts) mit ihrer Mutter und ihren Schwestern. (20. Oktober 2013)
Sprechen mit Journalisten: Leonarda Dibrani (rechts) mit ihrer Mutter und ihren Schwestern. (20. Oktober 2013)
Keystone
Die Regierung gibt unter dem Druck der Strasse teilweise nach: Frankreichs Präsident Hollande bei seiner Fernsehansprache. (19. Oktober 2013)
Die Regierung gibt unter dem Druck der Strasse teilweise nach: Frankreichs Präsident Hollande bei seiner Fernsehansprache. (19. Oktober 2013)
Reuters
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Frankreichs Staatschef François Hollande hat mit seinem Angebot an das abgeschobene Roma-Mädchen Leonarda, ohne Familie nach Frankreich zurückzukehren, einen Sturm der Entrüstung losgetreten. Innenminister Manuel Valls stellte klar, dass die sozialistische Regierung bei ihrer harten Haltung gegenüber der Familie bleiben werde.

Nach landesweiten Schülerdemonstrationen gegen die brachiale Abschiebung von Leonarda und ihrer Familie in den Kosovo hatte Hollande am Samstag reagiert und der 15-Jährigen eine Rückkehr angeboten. Diese Möglichkeit gelte aber nur «für sie alleine», sagte er in einer Fernsehansprache aus dem Élysée-Palast.

Das Mädchen und seine Familie lehnten umgehend ab. «Ich werde nicht allein nach Frankreich gehen», sagte Leonarda der Nachrichtenagentur AFP. Auch ihre Geschwister seien schulpflichtig. Es sei «Rassismus», ihrer Familie die Rückkehr nach Frankreich zu verweigern.

Ihr 47-jähriger Vater Resat Dibrani sagte, er werde auf keinen Fall eine Trennung seiner Familie hinnehmen. Wenn sie nicht gemeinsam auf freundliche Weise zurück könnten, «dann mit Gewalt.» Seine Kinder seien in Frankreich integriert, im Kosovo dagegen Fremde.

Sozialisten-Parteichef Harlem Désir sprach sich dafür aus, allen Dibrani-Kindern in Anwesenheit ihrer Mutter den Abschluss ihrer Schulausbildung in Frankreich zu erlauben.

Während Schulausflug abgeführt

Leonarda war Anfang Oktober auf einem Schulausflug vor den Augen ihrer Mitschüler von Polizisten aus dem Bus abgeführt und mitsamt ihrer Familie abgeschoben worden, nachdem ihr Asylantrag abgelehnt worden war. Eine Aufsichtsbehörde kam am Samstag zum Schluss, dass bei dem Vorgehen der Polizei «keine Gesetze verletzt» worden seien.

Dass Hollande dem Mädchen trotzdem anbiete, seine Schulausbildung in Frankreich abzuschliessen, sei «eine grossmütige Geste», sagte Innenminister Manuel Valls der Sonntagszeitung «Journal du Dimanche». «Aber die Familie wird nicht zurückkehren.»

Es sei «grausam», die Jugendliche vor die Wahl zu stellen, zwischen ihrer Rückkehr und ihrer Familie wählen zu müssen, erklärte die Linkspartei. Die Kommunistische Partei warf Hollande einen «schweren politischen und moralischen Fehler» vor.

Der Chef der konservativen UMP, Jean-François Copé, kritisierte dagegen, Hollande habe der staatlichen Autorität «einen schrecklichen Schlag versetzt», indem er Leonardas Abschiebung zurücknehmen wolle. Copé forderte im Radiosender Europe 1, die Einwanderungspolitik müsse «vollständig überarbeitet werden»: Die Grenzkontrollen müssten verstärkt und die Anreize für Flüchtlinge müssten abgebaut werden.

«Wir müssen aufhören, das für Ausländer attraktivste Land in Europa zu sein.» Ansonsten werde die rechtsextreme Partei Front National davon profitieren, warnte er.

Linke attackieren Valls

Nachdem die Umstände von Leonardas Abschiebung vergangene Woche bekannt geworden waren, waren landesweit Schüler auf die Strasse gegangen. Auch sozialistische Spitzenpolitiker kritisierten das Vorgehen gegen das Mädchen scharf, die Linkspartei forderte den Rücktritt von Innenminister Valls.

Dieser hatte bereits zuvor für Empörung gesorgt, als er den Integrationswillen der meisten in Frankreich lebenden Roma öffentlich anzweifelte. Gleichwohl stehen laut einer am Samstag von der Zeitung «Le Parisien» veröffentlichten Umfrage 74 Prozent der Franzosen in der Affäre hinter seiner Position.

SDA/ami

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