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Russland hat den Sieg zurück

Wie russische Sportler und Politiker reagiert haben, nachdem die Sperren wegen Doping aufgehoben worden sind.

Zita Affentranger
Russlands Präsident Wladimir Putin an den Winterspielen in Sotschi. Foto: Keystone
Russlands Präsident Wladimir Putin an den Winterspielen in Sotschi. Foto: Keystone

Auf diesen Entscheid des Internationalen Sportgerichtshofs in Lausanne (CAS) habe die ganze Nation gewartet, verkündete das Staatsfernsehen gestern zufrieden. 28 russische Athleten, die das Internationale Olympische Komitee (IOK) wegen Dopings rund um die Winterspiele 2014 in Sotschi gesperrt hatte, seien vollständig rehabilitiert worden.

Alle seien glücklich, dass die «Gerechtigkeit gesiegt hat», erklärte Russlands Sportminister Pawel Kolobkow nach dem Urteil. «Der Entscheid belegt, dass viele der beschuldigten Athleten unschuldig sind.» Der CAS hatte allerdings betont, die Aufhebung der Sperren bedeute nicht, dass die Athletinnen und Athleten nicht gedopt hätten und demnach unschuldig seien.

42 der insgesamt 43 beschuldigten russischen Sportler hatten vor dem CAS gegen ihre Sperre geklagt. Die Richter in Lausanne befanden die Beweislage in 28 Fällen als ungenügend. Die Sanktionen gegen diese Athleten werden aufgehoben und ihre Leistungen an den Olympischen Spielen in Sotschi 2014 anerkannt. Über drei russische Biathletinnen wird der Sportgerichtshof später entscheiden. Damit kehre Russland vor Norwegen an die Spitze der Medaillenliste zurück, frohlockten die russischen Medien. Dass elf Sperren aufrechterhalten bleiben, war kaum ein Thema.

Ein zweites Mal geboren

«Ich bin sehr glücklich; das ist wie ein zweites Mal geboren werden», sagte der Langlauf-Olympiasieger Alexander Legkow, der seine Goldmedaille zurückbekommt. Skeleton-Olympiasieger Alexander Tretjakow betonte hingegen, wie schwierig das Leben nach der Sperre für ihn gewesen sei. «Sicher, das sind wunderbare Nachrichten. Aber mir fehlen sogar schon Kraft und Gefühle, um mich zu freuen. Ich bin erschöpft von diesem Jahr.» Aber natürlich werde er zu den Spielen nach Südkorea fahren, wenn das IOK ihn einlade.

«Wir haben nie daran gezweifelt, dass unsere Sportler absolut verdient alle diese Medaillen bekommen haben in Sotschi», sagte der russische Premier­minister Dmitri Medwedew vor der versammelten Regierung. «Es ist gut, dass das Gericht dies ganz klargemacht hat, dass ihre Sauberkeit bewiesen wurde.»

Der Kreml hat die Dossiers für die Welt-Anti-Doping-Agentur als «Blablabla-Berichte» abgetan.

Nun müsse dafür gesorgt werden, dass die 28 Athleten auch an den Winterspielen in Südkorea teilnehmen könnten, für welche die Anmeldefrist bereits abgelaufen sei. «Ich wünsche unseren Athleten viel Erfolg an den Spielen in Korea», sagte Medwedew. Das Russische Olympische Komitee hat dem IOK gestern Abend eine Liste mit 15 Athleten übergeben, für die Moskau eine Einladung nach Pyeongchang verlangt.

Auch im Kreml zeigte man sich zufrieden. Doch Moskau werde den juristischen Kampf gegen die elf Sperren weiterführen, welche der CAS in seinem gestrigen Urteil nicht aufgehoben hat. Russland betrachtet die Vorwürfe im Dopingskandal in erster Linie als antirussische Propaganda und hat die Dossiers von Richard McLaren für die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada), die ein systematisch angelegtes russisches Dopingprogramm beschreiben und Moskau Staatsdoping vorwerfen, als «Blablabla-Berichte» abgetan. McLaren und das IOK gehen davon aus, dass mindestens das Sportministerium unter Witali Mutko am Betrug beteiligt war.

«Ein ganzer Strom von Lügen»

Doch davon will man in Moskau nichts wissen. «Das ist ein ganzer Strom von Lügen, Desinformation, Gerüchten und Geschwätz», kommentierte Igor Lebedew, Vizesprecher des Parlaments, damals die Wada-Berichte. «Es gibt nicht einen einzigen Fakt, nicht ein einziges Dokument oder einen konkreten Fall, der den Bericht stützen würde.»

Das russische Parlament hat nun damit begonnen, ein Gesetz gegen Verletzungen der russischen Souveränität auszuarbeiten. Darunter sollen explizit auch die internationalen Dopingberichte fallen. Putin selber hat die Vorwürfe diese Woche als «Attacke von aussen» auf den russischen Sport kritisiert. Doch die Athleten sollten sich nicht davon beeindrucken lassen und stattdessen an «die Hunderttausende, ja Millionen von Fans» denken. Russland ist erbost, dass die Athleten in Südkorea wegen des Dopingskandals nicht als Nationalteam zugelassen sind und keine russischen Fahnen tragen dürfen.

Der Abgeordnete Sergei Tschepikow, der im russischen Parlament für Sport, Tourismus und Jugend zuständig ist, verlangte nach dem Entscheid des Sportgerichtshofs Konsequenzen für das IOK: «Das Gericht hat einmal mehr bewiesen, dass das heutige Internationale Olympische Komitee – gelinde gesagt – politisiert und repressiv ist.» Hier seien dringend Reformen nötig.

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