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Russland markiert Terrain in Lateinamerika

Präsident Medwedew hat jenseits des Atlantiks neue Beziehungen geknüpft. Die Bric-Staaten fordern eine neue Weltordnung.

Unter sich: Die Regierungschefs von Russland (Dmitri Medwedew), Brasilien (Lula da Silva), China (Hu Jintao) und Indien (Manmohan Singh).
Unter sich: Die Regierungschefs von Russland (Dmitri Medwedew), Brasilien (Lula da Silva), China (Hu Jintao) und Indien (Manmohan Singh).
Keystone

Russlands Präsident Dmitri Medwedew ist durch Lateinamerika gereist, um alte Wirtschaftsbeziehungen zu stärken und neue aufzunehmen. In Argentinien, das er am Mittwoch als erstes russisches Staatsoberhaupt überhaupt besuchte, traf er mit einem Flugzeug voller Unternehmer und Ökonomen ein. Nach einem Treffen mit der argentinischen Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner unterzeichnete erein Dutzend Abkommen von Raumfahrttechnologie über Atomenergie bis zu Ölgewinnung.

Vor allem bei der Energiegewinnung sehen beide Länder noch Potenzial. Ein Fünftel der argentinischen Energie – Öl, Gas, Wasserkraft – wird nach Medienberichten mithilfe russischer Technik und Ausrüstung verarbeitet. Dieser Anteil soll noch steigen. Russische Kernkraftfirmen bemühen sich um den Bau von zwei Atomkraftwerken in Argentinien. «Wir halten diesen Markt für sehr vielversprechend», zitiert die russische Zeitung «Kommersant» ein Mitglied der Delegation aus Moskau.

Skepsis in den USA

In den vergangenen Jahren hat Russland seine Präsenz jenseits des Atlantiks zusehends ausgebaut, vor allem mit dem venezolanischen Präsidenten und Amerika-Schreck Hugo Chávez, Russlands grösstem Abnehmer für Waffen und Militärgüter in der Region.

Auf die Frage, ob Washington das neue russische Auftreten in der Region nicht mit Skepsis sehe, antwortet Dmitri Medwedew in Argentinien lakonisch, seine amerikanischen Kollegen seien ja schon hier gewesen, nun sei er eben an der Reihe: «Ich hoffe, dass das niemanden stört.» Ansonsten kümmere ihn das nicht weiter.

Die Krönung der Reise durch den Kontinent aber war das Treffen der Bric-Staaten in Brasilien von Donnerstag und Freitag. Zum zweiten Mal kamen die Regierungschefs von Brasilien, Russland, Indien und China zusammen. Sie wollten vor dem G-20-Gipfel am 26./27. Juni im kanadischen Toronto Einigkeit demonstrieren.

Bric-Staaten vertreten 40 Prozent der Bevölkerung

Dabei ging es unter anderem um den chinesischen Yuan, den Peking zum Ärger Washingtons künstlich niedrig hält, weil dies Chinas Exportwirtschaft einen Vorteil verschafft. Allerdings hält Moskau diese Frage für eine «innere Angelegenheit Chinas», sagte der Präsidentenberater Arkadi Dworkowitsch gegenüber der Agentur Interfax.

Die vier grossen Schwellenländer drängen auf eine rasche Reform der internationalen Finanzinstitutionen, um den unterentwickelten Staaten grösseres Gewicht zu verleihen. «Brasilien, Russland, Indien und China streben eine neue Weltordnung an, die gerechter, repräsentativer und sicherer ist», sagte der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva nach dem Gipfeltreffen mit seinen drei Amtskollegen in Brasilia. Die Bric-Staaten vertreten 40 Prozent der Weltbevölkerung und 50 Prozent des globalen Wirtschaftswachstums.

USA und Europa an der Spitze von Weltbank und IWF

Seit der Weltfinanzkrise von 2008 drängt die Bric-Gruppe auf Reformen. Nach ihrer Ansicht sind die Gewichte in Weltbank und Internationalem Währungsfonds (IWF) unfair zugunsten der USA, Europas und Japans verteilt. So ist der Chef der Weltbank grundsätzlich ein Amerikaner, während ein Europäer an der Spitze des IWF steht. Die Reformen sollten bis zum Gipfel der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer abgeschlossen werden.

Bei Gesprächen über das umstrittene iranische Atomprogramm waren sich China, Indien und Brasilien nach Angaben des brasilianischen Aussenministers Celso Amorim «einig, dass die Wirksamkeit von Sanktionen sehr fraglich ist». Russland hingegen lehnt neue Sanktionen nicht grundsätzlich ab. Die USA haben einen UNO-Resolutionsentwurf für ein viertes Sanktionspaket gegen den Iran vorgelegt, über den die fünf Vetomächte des Sicherheitsrates und Deutschland derzeit in New York beraten. Brasiliens Präsident Lula da Silva, der den iranischen Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad im November empfangen hatte, reist im Mai in den Golfstaat.

Bric-Gipfel vorzeitig beendet

Chinas Präsident Hu sagte seine ursprünglich geplanten Besuche in Venezuela und Chile wegen des Erdbebens ab. Das Bric-Gipfeltreffen war verkürzt worden, weil Chinas Präsident Hu Jintao nach dem schweren Erdbeben in seiner Heimat schnell nach Peking zurückkehren wollte.

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