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Khan wird Londons erster muslimischer Bürgermeister

Die Labour-Partei erklärt ihren Kandidaten Sadiq Khan zum Sieger der Bürgermeisterwahlen in London. Trotz schmerzlicher Verluste in Schottland konnte die Partei ein Debakel abwenden.

Für seinen Konkurrenten sei es «mathematisch unmöglich» noch aufzuholen: Der Labour-Mann Sadiq Khan mit seiner Frau Saadiya Khan vor einem Wahllokal im Süden Londons. (5. Mai 2016)
Für seinen Konkurrenten sei es «mathematisch unmöglich» noch aufzuholen: Der Labour-Mann Sadiq Khan mit seiner Frau Saadiya Khan vor einem Wahllokal im Süden Londons. (5. Mai 2016)
Hannah McKay, Keystone
Er unterlag Khan bei den Bürgermeisterwahlen in London: Der konservative Zac Goldsmith (r.) mit seiner Frau Alice Rothschild.
Er unterlag Khan bei den Bürgermeisterwahlen in London: Der konservative Zac Goldsmith (r.) mit seiner Frau Alice Rothschild.
Will Oliver, Keystone
In Schottland räumen die Nationalisten ab: SNB-Chefin Nicola Sturgeon spricht zu den Medien. (6. Mai 2016)
In Schottland räumen die Nationalisten ab: SNB-Chefin Nicola Sturgeon spricht zu den Medien. (6. Mai 2016)
Andy Buchanan, AFP
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London bekommt erstmals in seiner Geschichte einen muslimischen Bürgermeister. Der 45-jährige Sadiq Khan setzte sich bei der Abstimmung um die Nachfolge von Boris Johnson gegen seinen konservativen Kontrahenten Zac Goldsmith durch, der ihn im Wahlkampf mit Extremisten in Verbindung gebracht hatte.

Nach seiner historischen Wahl hat der Labour-Politiker Khan angekündigt, sich für alle Bürger einzusetzen. Er wolle für alle ansprechbar sein, sagte Khan am Samstag bei einer überkonfessionellen Feier zu seiner Vereidigung in einer anglikanischen Kathedrale.

Kampf gegen die Angst

1,3 Millionen Londoner machten ihr Kreuz hinter seinen Namen, womit er nach Auszählung der Erst- und Zweitpräferenzen insgesamt 57 Prozent der Stimmen erhielt. Goldsmith bekam 300'000 Stimmen weniger und landete bei 43 Prozent. «Angst macht uns nicht sicherer – sie macht uns nur schwächer», sagte Khan in seiner Siegesrede am frühen Samstagmorgen. «Und die Politik der Angst ist in unserer Stadt einfach nicht willkommen.» Der Labour-Chef Jeremy Corbyn gratulierte Khan zuvor über Twitter. «Ich kann es kaum erwarten, mit dir zusammenzuarbeiten, um ein faires London für alle zu schaffen!»

Auch die Schwester des konservativen Konkurrenten Goldsmith twitterte Khan. «Der erste muslimische Bürgermeister von London – eine Stadt für alle Kulturen, Hintergründe und Religionen. Ein klasse Beispiel für junge Muslime.»

Bereits in erster Runde lag Khan vorne

Bei dem Votum konnten die Wähler ihre Präferenzen auf mehrere Kandidaten verteilen. Das bedeutet: Sie durften auch angeben, wer Bürgermeister werden soll, falls ihr Favorit weniger als 50 Prozent der Stimmen erhält. Bereits nach der ersten Runde hatte Khan vorne gelegen. Die Wahlbeteiligung lag bei 45,6 Prozent und damit höher als vor vier Jahren, als 38 Prozent der Stimmberechtigten an die Wahlurnen gingen.

Khans Sieg sorgt dafür, dass die britische Hauptstadt erstmals von einem Muslim regiert wird. In London leben 8,6Millionen Menschen, von denen mehr als eine Million Muslime sind.

Khant sagt, er sei «britischer Muslim»

Im Wahlkampf kämpften die Widersacher mit harten Bandagen. Goldsmith hatte den Favoriten Khan mit Wörtern wie «radikal» und «gefährlich» beschrieben. Er warf seinem Rivalen vor, islamistischen Extremisten «Plattformen, Sauerstoff und sogar Schutz» zu geben. Dieser Vorwurf wurde von Premierminister David Cameron und anderen ranghohen Konservativen wiederholt.

Khan beschreibt sich selbst als «britischen Muslim, der den Kampf gegen die Extremisten aufnimmt». Er warf dem 41-jährigen Goldsmith, einem wohlhabenden Umweltschutzaktivisten, vor, die Wählerschaft in einer der multikulturellsten Städte der Welt spalten zu wollen.

Labour schneidet weniger schlecht als vermutet

Trotz schmerzlicher Verluste in Schottland hat die Labour-Partei ein Debakel abgewendet. Denn in England schlug sich die Partei von Jeremy Corbyn besser als erwartet.

Nach Auszählung von gut zwei Drittel der Stimmen verlor Labour zwar Dutzende Mandate in den örtlichen und regionalen Parlamenten, in denen 2700 Posten neu besetzt wurden. Die ganz grosse Schmach bleibt dem Oppositionsvorsitzenden Corbyn aber erspart. Im Vergleich zum katastrophalen Ergebnis der nationalen Parlamentswahl im vergangenen Jahr gewinnt Labour wohl wieder etwas an Boden.

Verbindung zu den Wählern «völlig verloren»

Die Regional- und Kommunalwahlen waren als erster Test für den seit dem Spätsommer amtierenden Labour-Chef Corbyn gewertet worden, der derzeit vom rechten Parteiflügel unter Druck gesetzt wird. «Wir sind drangeblieben und haben vielerorts Unterstützung gewonnen», sagte Corbyn. Selbst im konservativ geprägten Süden Englands konnte Labour einige ihrer Hochburgen verteidigen; in Wales wurde die Partei stärkste Kraft.

Der konservative britische Premier David Cameron sagte dagegen, der von einigen Medien «Super Thursday» getaufte Wahltag habe gezeigt, dass die Arbeiterpartei die Verbindung zu den Wählern «völlig verloren» habe. Auch der schottische Labour-Abgeordnete Anas Sarawar warnte, die Leute hörten Labour nicht mehr zu. Die Partei habe durch die linke Ausrichtung Corbyns Probleme, bestimmte Wählerschichten noch zu erreichen. «Ich denke, das ist ein fundamentales Problem», sagte Sarwar.

SNP gewinnt in Schottland

Bei den Regionalwahlen in Schottland musste Corbyns Partei die grösste Niederlage einstecken. Hier überholten die Konservativen Labour: Sie wurden zweitstärkste Kraft. Für die Konservativen ist das ein grosser Erfolg, denn die Partei war in Schottland lange unbeliebt. Gewinnerin war die linksgerichtete schottische Nationalpartei (SNP): Chefin Nicola Sturgeon feierte am Freitag den dritten Wahlsieg ihrer Partei in Folge. «Wir haben Geschichte geschrieben», erklärte die schottische Ministerpräsidentin.

Dem am Freitag veröffentlichten Wahlergebnis zufolge eroberten die Nationalisten 63 von 129 Sitzen – sechs weniger als zuvor. Damit verloren sie die absolute Mehrheit. Eine Koalition könnte die SNP etwa mit den Grünen bilden.

«Durchbruch» für UKIP in Wales

Die britischen Regionalwahlen galten auch als wichtiges Stimmungsbarometer vor dem Brexit-Referendum in sieben Wochen. Die europafreundliche SNP droht mit einem neuen Abspaltungsreferendum für den Fall, dass sich die Briten für den EU-Austritt entscheiden sollten.

In England und Wales konnte hingegen die anti-europäische UKIP-Partei leicht zulegen. In Wales zog sie gar zum ersten Mal ins Parlament ein. UKIP-Partei Nigel Farage sprach von einem «Durchbruch».

SDA/afo

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