Salvinis Türöffner wird zur Belastung

Gianluca Savoini ist ein Weggefährte von Italiens Innenminister. Nun könnte eine Affäre um versuchte Parteifinanzierung mit Millionen aus Moskau beiden gefährlich werden.

Gianluca Savoini sollte seinem Chef Türen nach Russland öffnen.

Gianluca Savoini sollte seinem Chef Türen nach Russland öffnen.

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Der Klang ihrer Namen ist fast identisch, was natürlich noch gar nichts heisst: Salvini und ­Savoini. Doch manchmal verhaspeln sich selbst erprobte italienische ­Fernsehmoderatoren. Für Italiens Innenminister Matteo Salvini ist dieser Gianluca Savoini wie ein Schatten. Er verfolgt ihn, er trübt seinen schnellen Aufstieg. Er macht ihn auch nervös, und das ist man sich vom starken Mann in Rom nun wirklich nicht gewohnt.

Der 56-jährige Savoini, ein schmaler Mann mit schütterem Haar aus dem ligurischen Alassio, steht im Zentrum des «Mos­copoli». So nennen italienische Medien die Affäre um eine versuchte Parteifinanzierung von Salvinis rechter Lega mit Millionen aus Moskau. Die Mailänder Staatsanwaltschaft ermittelt. Es gibt eine brisante Tonaufnahme, auf der man Savoini reden hört.

Seitdem sie öffentlich ist, versucht Salvini fast hysterisch, von anderen Themen zu reden. Die Fragestunde dazu im Parlament? Hat er geschwänzt. Die Tapes und Thesen aus dem «Moscopoli» sind eben auch für Salvini, an dem sonst alles abperlt, eine Bedrohung. Alles wegen «Savo», wie sie Savoini bei der Lega rufen, und weil ihm der so nahesteht.

Aus der Faschistenszene

Sie kennen sich seit Anfang der Neunzigerjahre. Savoini, früher Mitglied einer rechtsextremi-stischen subversiven Gruppe, schloss sich damals der Lega an, wie das viele Weggefährten aus der Mailänder Faschistenszene taten. Einige Jahre arbeiteten beide für die Parteizeitung «La Padania». Sie waren so eng, dass Savoini Salvini einen «Freund» nennt. Savoini heiratete eine Russin, verbrachte viel Zeit in Russland und gründete dann die Vereinigung «Lombardia Russia». Die Anschrift: Via Bellerio, Mailand, in demselben Haus, in dem die Lega ihren Parteisitz hat.

Als Salvini 2013 die Lega übernahm, wurde Savoini sein Sprecher. «Savo» sollte ihm aber vor allem russische Türen öffnen: als Sherpa, als Berater und Netz­werker. Er begleitete Salvini auf allen Reisen nach Moskau. Auch im vergangenen Oktober war er dabei, als Salvini, nunmehr italienischer Vizepremier, vor russischen Unternehmern redete. Wahrscheinlich hatte Savoini auch das Abendessen im Restaurant Ruski im 85. Stock eines Moskauer Hochhauses organisiert – und Salvinis Begegnung gleich im Anschluss daran. In der Agenda steht dazu: topgeheim.

Die Tonaufnahme entstand am Morgen danach, im ­Moskauer Hotel Metropol. Salvini war auf dem Weg zum Flughafen, als sich Savoini und zwei weitere Italiener mit drei russischen Gewährsleuten zusammensetzten. Die Männer unterhielten sich über einen internationalen Öldeal, aus dem sich locker eine Kommission von 65 Millionen Dollar abzapfen lasse, die dann spurlos in die Parteikasse der Lega gelangen und deren Kampagne für die jüngsten Europawahlen finanzieren könne. Das war der Plan.

Wange an Wange

Als die Gespräche publik wurden, behauptete Savoini, das sei alles nur «Schlamm», eine «Schweinerei» – aber, ja: «Das ist meine Stimme.» Salvini war bemüht, Savoinis Rolle kleinzureden. Dieser habe auf Reisen nie zur Delegation gehört, sagte er. Mit der Lega habe Savoini nichts zu tun. Es hörte sich so an, als sei er ein lästiger Einschleicher. Dumm nur, dass sich das mit vielen Fotos widerlegen liess. Sie zeigen Savoini mit Salvini auf dem Roten Platz, Wange an Wange; mit Salvini und Politikern von Putins Partei «Einiges Russland»; mit Salvini und der gesamten italienischen Regierung am Galadinner, das neulich in Rom für Putin ausgerichtet ­wurde. Offizieller geht es nicht.

Salvini ist in einer heiklen Lage. Räumt er offen ein, dass Savoini sein Brückenkopf nach Russland ist, hiesse das, dass dieser im Metropol für ihn und seine Lega um Millionen feilschte. Savoini und Salvini: Das klänge nicht nur ähnlich, das wäre dasselbe. Streitet er es ab, schmeisst man ihm die vielen Fotos um den Kopf und nennt ihnen einen Lügner. Darum lenkt er lieber ab. Und hofft, dass die Sommer­sonne alle Schatten vertreibt.

Erstellt: 28.07.2019, 20:55 Uhr

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