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«Scham und Bedauern» – und ein Versprechen

Papst Benedikt XVI. hat nach seiner Messe auf Malta ein Gespräch mit Männern geführt, die als Kinder von Kirchenleuten missbraucht wurden.

Kein Wort zum Missbrauch während der Messe: Papst Benedikt XVI. heute auf Malta.
Kein Wort zum Missbrauch während der Messe: Papst Benedikt XVI. heute auf Malta.

Bei seinem zweitägigen Besuch in Malta ist Papst Benedikt XVI. am Sonntag überraschend mit Missbrauchsopfern zusammengetroffen. Das Oberhaupt der katholischen Kirche drückte den Betroffenen «seine Scham und sein Bedauern» aus. Und er versprach eine umfassende Aufklärung der Fälle. Das teilte der Vatikan mit. Der Papst nahm auf der tief katholisch geprägten Mittelmeerinsel an den Gedenkfeiern zur Ankunft des Apostels Paulus vor fast 2000 Jahren teil.

Bei der Begegnung mit den Betroffenen, die von Geistlichen missbraucht wurden, habe der Papst zugesagt, alles in seiner Macht stehende zu unternehmen, um die Schuldigen zur Verantwortung zu ziehen, teilte der Vatikan weiter mit. Ausserdem habe er konkrete Schritte angekündigt, um sexuelle Übergriffe auf Kinder und Jugendliche in Zukunft zu verhindern.

Mehr als zwei Dutzend Fälle seit 1999

Die betroffenen Männer waren in den 1980er-Jahren in Waisenhäusern auf Malta Opfer sexueller Übergriffe durch Geistliche geworden. Sie hatten ein Treffen mit dem Papst und eine Entschuldigung verlangt.

Die katholische Kirche Maltas räumte jüngst ein, allein seit 1999 seien 26 neue Fälle von Kindesmissbrauch durch Geistliche bekannt geworden. In dem kleinsten EU-Mitgliedstaat Malta sind rund 95 Prozent der Bevölkerung Katholiken.

Treffen in USA

Fast auf den Tag genau vor zwei Jahren war Benedikt XVI. in einer unerwarteten Geste während seines USA-Besuchs mit Missbrauchsopfern zusammengetroffen und hatte sich deren Leidensgeschichte angehört.

Die fünf Betroffenen kamen aus der Diözese Boston, wo 2002 ein Missbrauchsskandal seinen Anfang genommen hatte. Bostons Erzbischof Sean O'Malley hatte dem Papst bei der Gelegenheit ein Buch mit einer Liste von rund tausend Missbrauchsopfern seiner Diözese überreicht.

Flüchtlingsproblematik angesprochen

Auf Malta sprach der Papst auch das Problem der illegalen Einwanderer an, von denen die zwischen Sizilien und dem afrikanischen Kontinent gelegene Insel stark betroffen ist. Dies sei eine «grosse Herausforderung unserer Zeit», der sich alle stellen müssten.

Die Insel allein könne dieses Problem nicht lösen. Doch müsse es für die Einwanderer einen Platz für ein «menschenwürdiges Leben» geben. Allein im Jahr 2008 landeten fast 3000 Bootsflüchtlinge aus Afrika auf der Mittelmeerinsel.

Anlass der Reise war der 1950. Jahrestag der Landung des Völkerapostels Paulus auf der Mittelmeerinsel. Benedikts Chartermaschine war am Samstag eine der wenigen, die von dem römischen Flughafen Leonardo da Vinci abfliegen durften. Wegen der Aschewolke war der Luftraum über Norditalien gesperrt.

ddp/oku

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