«Schleimiger Schweiss einer Kröte»

Der in der Schweiz lebende Spanier José Manuel Opazo hat erfahren, dass ihn der neue katalanische Präsident aufs Übelste beschimpft. Wegen einer Bitte an die Swiss.

José Manuel Opazo: «Ich bin die Bestie des Regierungschefs.» Foto: PD

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Kürzlich erhielt José Manuel Opazo über Whatsapp eine Nachricht von einem Freund aus Barcelona: «Hallo José Manuel, hier spricht man auf allen Kanälen über jemanden, der sich einmal bei der Fluggesellschaft Swiss beklagte, weil die Durchsagen auf Katalanisch und nicht auf Spanisch waren.»

Die Nachricht spielte auf einen Vorfall an, der sich vor fast zehn Jahren ereignete. Erfahren hat der spanische Planungsunternehmer, der seit 27 Jahren im Kanton Zürich lebt und bald ein Einbürgerungsgesuch stellen will, aber erst jetzt davon. Dies im Zusammenhang mit der Ernennung von Quim Torra zum neuen katalanischen Regionalpräsidenten.

Anschnallen auf Spanisch

Bei der Frage, ob Torra ein Mann des Ausgleichs sei oder ein geifernder Rassist, debattierten Kataloniens Parlament und Öffentlichkeit vor dem entscheidenden Wahlgang über Twitter-Einträge und Artikel aus früheren Zeiten. Damals war Torra noch nicht Politiker, sondern Anwalt, Versicherungsfachmann, Präsident einer kulturellen Organisation und Besitzer eines Kleinverlages.

Offensichtlich trieb ihn der Hass auf alles Spanische um, und besonders erzürnte ihn, was sich Opazo im November 2008 erlaubt hatte: die Swiss in einem Brief zu bitten, bei der Landung und beim Start in Barcelona ihre Durchsagen nicht bloss auf Katalanisch, Deutsch und Englisch zu formulieren, sondern auch auf Spanisch. Worauf die Schweizer Fluglinie antwortete, sie mache Durchsagen prinzipiell nur in drei Sprachen. Und sich entschloss, die Passagiere in Barcelona statt auf Katalanisch künftig auf Spanisch zum Anschnallen und Rückenlehne-Geradestellen aufzufordern. So ist es bis heute geblieben.

Für Quim Torra muss das eine unerträgliche Schmähung der katalanischen Seele gewesen sein. Unter dem Titel «Die Sprache und die Bestien» schrieb er damals in einer Zeitung, «eine Bestie» sei mit der Swiss von Barcelona nach Zürich geflogen und habe, als die Durchsage auf Katalanisch erklang, «wütenden Speichel» abgesondert. «Ein Kloakengestank machte sich auf ihrem Sitz breit. Die Bestie bewegte sich unruhig, verzweifelt, entsetzt, weil sie ein paar katalanische Wörter hören musste. Ein schleimiger Schweiss, wie von einer ­erkälteten Kröte, floss ihr unter den Achseln hervor.»

In einer anderen Passage bedachte Torra die «spanischen Bestien» noch mit anderen Wörtern: «Aasfresser, Vipern, Hyänen», allesamt «mit einer kleinen Delle in ihrer DNA».

«Völkisches Denken»

Am 14. Mai 2018 hat der verhinderte Zoologe Quim Torra sein Amt als katalanischer Regionalpräsident angetreten. Zuvor war jedoch seine zehn Jahre alte Schmähschrift aus den Tiefen des Internets aufgetaucht. Sie ging in den letzten Tagen als schändliche rassistische Entgleisung, als «völkisches Denken der übelsten Sorte» (FAZ) durch die Weltpresse, sie wurde zitiert in «Economist», «New York Times» und «Guardian» und in den Madrider Blättern sowieso.

Torra, der Mitte der Nullerjahre als Versicherungsjurist in der Schweiz gearbeitet hatte, entschuldigte sich. Aber nur mit dem Zusatz «wenn ich jemanden verletzt haben sollte».

Unbekannt war bisher, wer Torras Zorn erregt hatte. «Ich bin die Bestie des katalanischen Regierungschefs», sagt Opazo im Gespräch mit dem «Tages-Anzeiger». Der 52-Jährige ist im Baskenland aufgewachsen, hat einige Jahre in Barcelona gelebt und besitzt dort noch heute eine kleine Firma. Ein Befürworter der katalanischen Unabhängigkeit ist er ganz und gar nicht.

Ja, er fühle sich verletzt, auch nach so langer Zeit noch. Ein halbes Jahr nach Torras Bestien-Artikel sei seine Wohnung in Barcelona verwüstet worden. Opazo ist überzeugt, dass Torra den Vandalenakt mitverschuldet hat, insbesondere durch seinen Satz: «Die Bestien haben Vor- und Nachnamen.» Gegenwärtig klären Opazos Anwälte in Barcelona ab, ob die Beleidigungen verjährt sind. Falls nicht, will Opazo den neuen katalanischen Regierungschef verklagen.

Erstellt: 28.05.2018, 22:40 Uhr

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