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Ségolène Royal erfindet sich neu

Mit lockigem Haar und frischem Look hält die französische Politikerin ihren Anhängern eine Predigt zu ihren Zukunftsabsichten.

Was ist schon eine Niederlage in der Politik! Nichts, wenn man Ségolène Royal glauben darf. «Nie bin ich in die Knie gegangen. Nie habe ich gegrübelt, ob ich nicht aufgeben sollte . . . nichts wird mich vom Weg abbringen, den ich gewählt habe und den wir zusammen gehen werden!» Dynamisch und beschwörerisch wie ein amerikanischer Fernsehprediger ist die Ex-Kandidatin am Samstagabend als Neuausgabe ihrer selbst aufgetreten. Lockiges Haar, lange blaue Tunika und Jeans statt damenhaften Schicks, schnurlose Mikrofone und Teleprompter statt Pult.

45 Minuten lang tänzelte Royal, die Zeit ihrer Präsidentschaftskampagne immer steif wie ein Besenstiel vors Publikum trat, über die Bühne des Zénith, des grössten Konzertsaals von Paris. Die Einladung hatte ein «Fest der Brüderlichkeit» versprochen, republikanisch und fromm zugleich; stattgefunden hat eine vierstündige Messe besonderer Art, die wohl alle Beteiligten etwas ratlos zurückliess.

War das nun der Auftakt zu einer Wiedergeburt, geschickt eingepasst zwischen Abgabetermin und Aussendung der Leitanträge zum nächsten Parteitag der Sozialisten? Oder der Beweis, dass die Französin auf der Suche nach politischem Neuland jetzt den Realitätssinn verloren hat? Ségolène Royal hatte mit kostenloser Unterstützung des Popimpressarios Dominique Besnehard zu einem Gratispopkonzert mit politischem Beigeschmack geladen. Gekommen waren junge Leute, die am Samstagabend in Paris gerne zugreifen, wenn sich ein billiges Vergnügen bietet, und ältere Parteigänger, die sich im grössten Teil des Programmangebots offenbar nicht wieder erkannten. «Verdammte Scheisse, ihr seid ja wie tot!», rief ein leicht verzweifelter Bernard Bonvoisin in das Publikum, das nicht in Trance verfiel, als der Leadsänger von Trust seinen Hit «An-ti-so-cial» anstimmte. «Hebt den Hintern in die Höhe, oder ist euer Arsch etwa festgeklebt?»

Ein Potpourri der Gegenwart

Bis zu 5000 Menschen hatten sich zum Zénith aufgemacht. Der Saal war nicht bis auf den letzten Platz gefüllt, obwohl die Bestuhlung schon vorsorglich knapp bemessen war und Royals Mannschaft in den Tagen zuvor noch einmal kräftig die Werbetrommel gerührt hatte. Das Musikprogramm war ein Potpourri der französischen Gegenwart. Von Yannick Noah kam eine Videobotschaft: «Nur Mut, Ségolène, ich stehe voll auf deiner Seite!». Das konnte man nicht von allen Prominenten sagen, die der Einladung in die Logen gefolgt waren. Die Schauspielerin Laura Smet und der Sänger Benjamin Biolay verdrückten sich so schnell wie möglich, als ein Reporter sie vor der Saaltür ausgemacht hatte. «Ich bin hier doch nicht auf Promotionstour», sagte Biolay. Vielleicht doch, bloss nicht in eigener Sache.

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