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«Seine Hemden sind zwar geschmacklos, aber ...»

Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras stellt sich vor seinen Ex-Finanzminister Giannis Varoufakis. Dieser habe Fehler begangen, sei aber nicht haftbar zu machen.

Farbenfroh, aber integer: Der frühere griechische Finanzminister Giannis Varoufakis.
Farbenfroh, aber integer: Der frühere griechische Finanzminister Giannis Varoufakis.
Orestis Panagiotou, Keystone

Griechenland hatte nach den Worten des Regierungschefs Alexis Tsipras nie einen Plan für einen Austritt aus der Eurozone. Das Land hatte sich aber auf alle Fälle vorbereitet, sagte Tsipras im griechischen Parlament. Er persönlich habe die Vorbereitung in Auftrag gegeben. «Es wäre politisch naiv und unverantwortlich gewesen, das nicht zu tun.» Rhetorisch fragte er: «Bedeutet das, dass ich den Notfall wollte?»

Der frühere Finanzminister Giannis Varoufakis steht in der Kritik, weil er an einem Plan für einen Euro-Austritt Griechenlands gearbeitet haben soll. Tsipras nahm seinen Ex-Minister nun in Schutz.

«Er ist kein Gauner»

«Suchen Sie nicht nach Skandalen bei Varoufakis», sagte Tsipras. Varoufakis habe wohl Fehler gemacht. «Sie können ihm für seine politischen Pläne soviel vorwerfen, wie sie wollen. Sie können ihm seine Äusserungen vorwerfen und dass er nicht geschmackvolle Hemden trägt und Urlaub auf der Insel Ägina macht. Sie können ihn aber nicht anklagen, dass er ein Gauner ist. Sie können ihn nicht anklagen, dass er das Geld des Volkes gestohlen hat. Er hat kein Geld ins Ausland gebracht», sagte Tsipras.

Griechenland habe sich auf den Fall vorbereiten müssen, dass andere Kräfte in der EU den Euro-Austritt in die Wege leiten würden, sagte Tsipras. «Fragen Sie doch die Regierung in Berlin», sagte er. «Sie wird Ihnen erklären, was das für ein Plan ist, (von dem Berlin) immer noch sagt, er bleibt auf dem Tisch», so der Regierungschef weiter.

Er antwortete damit auf eine Anfrage der Sozialisten zu einem angeblichen Plan B von Varoufakis, der zum Austritt Griechenlands aus dem Euro führen könnte. Varoufakis soll laut der Zeitung «Kathimerini» den Ausbau eines parallelen Zahlungssystems für Griechenland geplant haben. Teil des Plans soll auch das Hacken von privaten Steuernummern gewesen sein.

Varoufakis droht Anklage wegen Hochverrat

Varoufakis hatte in der Online-Ausgabe der britischen Zeitung «Daily Telegraph» am Montag bestätigt, sich bei einer Konferenz, die vom Offiziellen Forum der Finanz- und Währungsinstitutionen (OMFIF) organisiert wurde, entsprechend geäussert zu haben. Er sagte jedoch, die Äusserungen seien «völlig aus dem Zusammenhang gerissen worden», um ihn als «Gauner» darzustellen, während er einfach eine Lösung für die Finanzkrise gesucht habe. Varoufakis war am 6. Juli, nach der Einigung der griechischen Regierung mit der EU auf den Beginn von Verhandlungen über ein neues Hilfspaket, zurückgetreten.

Die griechische Justiz hat das Material zu dem Vorwurf dem Parlament übergeben. Varoufakis könnte eine Anklage wegen Hochverrats oder Bildung einer kriminellen Vereinigung drohen, spekulierten griechische Medien.

sda/AFP/mlr

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