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Serbiens Premier mit Stein beworfen

Demonstranten haben den serbischen Regierungschef Aleksandar Vucic bei einer Gedenkveranstaltung in Srebrenica ausgebuht und bedrängt.

Umstrittene Teilnahme: Der serbische Ministerpräsident Aleksandar Vucic verlässt die Gedenkfeier.
Umstrittene Teilnahme: Der serbische Ministerpräsident Aleksandar Vucic verlässt die Gedenkfeier.
EPA / Valdrin Xhemaj

Aufgebrachte Demonstranten haben den serbischen Ministerpräsidenten Aleksandar Vucic von der Feier zum Gedenken an das Massaker von Srebrenica vertrieben. Vucic legte gerade ein Blumengebinde am Mahnmal nieder, als Demonstranten damit begannen, ihn auszubuhen und Steine nach ihm zu werfen, wie AFP-Reporter berichteten.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur Tanjug wurde der Regierungschef offenbar von einem Stein am Kopf getroffen. Abgeschirmt von seinen Leibwächtern floh Vucic vom Gedenkort. Die Organisatoren der Gedenkveranstaltung riefen die Demonstranten über Lautsprecher zur Ruhe auf. Später sagte der Politiker in Belgrad nach einer Sondersitzung der Regierung: «Meine Hand bleibt gegenüber den Bosniern weiter ausgestreckt.»

«Das war ein gut vorbereiteter und organisierter Angriff», sagte Vucic weiter. Er sei von einem Stein im Gesicht getroffen und leicht verletzt worden. Dabei sei seine Brille zu Bruch gegangen. Er rief seine Landsleute auf, jetzt keine Revancheangriffe auf Bosnier zu unternehmen, denn «Hass und Wut hat es genug gegeben».

Der serbische Ministerpräsident Vucic wird von einer wütenden Menge angegriffen. (Video: Reuters)

Vucic war nach Srebrenica gereist, um mit zahlreichen weiteren Politikern der tausenden muslimischen Jungen und Männer zu gedenken, die dort 1995 von bosnisch-serbischen Truppen ermordet worden waren. Vor den Gedenkfeiern zum 20. Jahrestag des Massakers von Srebrenica hatte der serbische Ministerpräsident Aleksandar Vucic die Tat als ein «monströses Verbrechen» verurteilt. «Serbien verurteilt dieses furchtbare Verbrechen klar und unzweideutig und ist angewidert von allen, die sich daran beteiligten, und wird sie weiter vor Gericht bringen», schrieb Vucic in einem offenen Brief kurz vor seiner Teilnahme an den Gedenkfeiern in der bosnischen Stadt. Den Begriff «Völkermord» verwendete der Ministerpräsident aber nicht.

«Es gibt keine Worte, um die Trauer und das Bedauern für die Opfer auszudrücken, noch für die Wut gegenüber jenen, die dieses monströse Verbrechen begangen haben», schrieb Vucic. Es sei seine «Pflicht, sich vor den Opfern zu verneigen». Die serbische Regierung wünsche sich, mit den Bosniern gemeinsam zu leben und das Vertrauen wiederherzustellen. «Meine Hand ist ausgestreckt», schrieb Vucic. Dies sei seine Pflicht gegenüber denjenigen, die starben, und gegenüber den künftigen Generationen.

Schlimmstes Kriegsverbrechen in Europa nach dem zweiten Weltkrieg

Vucic ist ein früherer serbischer Nationalist, der sich zum überzeugten Europäer gewandelt hat. Das Massaker von Srebrenica, bei dem bosnische Serben unter Ratko Mladic im Juli 1995 rund 8000 muslimische Männer und Jungen ermordeten, hat Vucic wiederholt verurteilt.

Es war das schlimmste Kriegsverbrechen in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg und wurde von der internationalen Justiz als Völkermord eingestuft. In den vergangenen Jahren nahmen serbische Spitzenpolitiker wiederholt an Gedenkfeiern in Srebrenica teil, die Bezeichnung des Verbrechens als «Genozid» lehnt Belgrad aber ab.

Zu den Gedenkfeiern am Samstag werden 50'000 Menschen in Srebrenica erwartet, darunter zahlreiche Angehörige der Opfer. Bei der Zeremonie sollen 136 Opfer feierlich beigesetzt werden. Bisher wurden die Überreste von 6241 Opfern identifiziert und in der Gedenkstätte in Srebrenica beerdigt, 230 weitere liegen auf anderen Friedhöfen.

Neben Vucic werden zahlreiche weitere Politiker erwartet, unter ihnen der frühere US-Präsident Bill Clinton, der das Dayton-Abkommen mit aushandelte, das den Bosnien-Krieg beendete – auch wenn das Land bis heute gespalten ist.

AFP/ij

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