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Showdown für Frankreichs Sozialisten

Zum ersten Mal in der Geschichte halten die französischen Sozialisten eine Vorwahl für die Wahl ihrer Präsidentschaftskandidaten ab. Nach einer guten Inszenierung im Vorfeld, kommt es morgen zum Showdown.

Der Favorit: Francois Hollande in Toulouse.
Der Favorit: Francois Hollande in Toulouse.
Reuters

Mit den glamourös inszenierten Primaries in den USA haben die Vorwahlen der französischen Sozialisten wenig zu tun. Die sozialistische Partei sammelt noch Erfahrungen, ist es doch ihre erste Vorwahl. Die Inszenierung ist aber bisher ein Erfolg.

Die Sozialisten halten morgen zum ersten Mal in ihrer Geschichte eine Vorwahl zur Kandidatenwahl ab. Und die Oppositionspartei, die zuletzt vor 30 Jahren eine Präsidentenwahl gewann, kann das Ereignis bereits vorab als Pluspunkt für sich verbuchen.

Immerhin knapp fünf Millionen Franzosen sahen sich die erste Fernsehdebatte der sechs Bewerber an. Zwei Drittel aller Franzosen halten die Auswahl des Kandidaten durch die Basis für eine gute Sache. Mehr als eine Million Anhänger dürften sich am Sonntag an der Abstimmung beteiligen, bei der sich ein deutliches Votum für den Umfragekönig François Hollande abzeichnet.

Der 57-Jährige, der sich nach einer Diät um ein dynamischeres Image bemüht, profitierte vom Ausscheiden des früheren sozialistischen Hoffnungsträgers Dominique Strauss-Kahn (DSK) wegen einer inzwischen beigelegten Vergewaltigungsklage in New York.

Seitenhieb von Ex-Partnerin Royal

Hollande ist das Gegenteil des weltmännischen Strauss-Kahn: eher bieder und bodenständig bemüht er sich seit Monaten um die Wählerschaft vor allem auf dem Land. Er wolle ein «normaler» Präsident sein, kündigte der Regionalpolitiker aus dem südfranzösischen Département Corrèze an - ein Seitenhieb auf den als Präsident der Reichen kritisierten Amtsinhaber Nicolas Sarkozy.

Allerdings haftet dem früheren Parteichef der Sozialisten der Makel an, keine Regierungserfahrung zu haben. Auch zwei verlorene Präsidentenschaftswahlen gehen auf Hollandes Konto als Parteichef.

«Können die Franzosen eine Sache nennen, die er in 30 Jahren politischen Lebens geschafft hat?», fragte seine frühere Lebensgefährtin Ségolène Royal jüngst in einem Interview. Royal, mit der Hollande vier Kinder hat, tritt bei den Vorwahlen ebenfalls an. Die Herausforderin von Sarkozy 2007 hat allerdings laut Umfragen kaum Chancen, in die Stichwahl am 16. Oktober zu kommen.

«Ersatzfrau» Aubry

Für die zweite Runde sagen die Meinungsforscher ein Duell zwischen Hollande und Parteichefin Martine Aubry voraus. Die 61-Jährige kündigte erst Ende Juni ihre Bewerbung für die Vorwahlen an.

Dabei kämpft die Stadtpräsidentin von Lille gegen das Image, nur «Ersatzfrau» für Strauss-Kahn zu sein. Sie hatte eine Art Abkommen mit DSK geschlossen, wonach nur einer der beiden ins Rennen um die Präsidentenkandidatur gehen sollte.

Im Gegensatz zu Hollande will die frühere Arbeitsministerin langfristig aus der Atomkraft aussteigen und die Anhebung des Rentenalters wieder rückgängig machen. Ihren Hauptkonkurrenten kritisiert die Tochter des früheren EU-Kommissionspräsidenten Jacques Delors, weil er 60'000 Lehrer-Stellen schaffen will, ohne genau zu sagen, was das kosten soll.

Dennoch schneidet Hollande, wenn es um die Finanzen geht, in Umfragen durchweg besser ab als Aubry. Und beiden Sozialisten trauen die Franzosen eher zu, eine Finanzkrise wie 2008 zu bewältigen, als Amtsinhaber Sarkozy. Das dürfte den Präsidenten nachdenklich stimmen, sind es doch die Finanzthemen, die den Wahlkampf bestimmen werden.

Unbeliebter Sarkozy

Der Staatschef, der seine Kandidatur für 2012 noch nicht verkündete, ist ohnehin in einer schwierigen Position. Sein Name wird mit mehreren Schmiergeldaffären in Verbindung gebracht, seine Partei hat die Mehrheit im Senat verloren und seine aussenpolitischen Bemühungen zahlen sich nicht in steigenden Umfragewerten aus.

Knapp 60 Prozent der Franzosen wollen sogar, dass Sarkozy nicht noch einmal antritt. Gute Aussichten also für den Kandidaten der Sozialisten, egal wer es wird.

SDA/wid

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