«Sie haben es an den ersten Checks vorbeigeschafft»

Wie konnte es zum Anschlag am Istanbuler Flughafen kommen? Was spielt sich vor Ort ab? Dazu Tagesanzeiger.ch/Newsnet-Korrespondent Mike Szymanski.

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Wie präsentiert sich die Lage vor Ort?
Ich bin gerade auf dem Weg zum Flughafen Atatürk. Dort gibt es Verzögerungen und gestrichene Flüge. Der Flugverkehr ist also eingeschränkt, grundsätzlich aber wieder aufgenommen worden. Auch beim internationalen Terminal, wo zwei Bomben hochgingen, ist nur ein Teil gesperrt. Die Behörden versuchen, soweit möglich die Normalität wiederherzustellen.

Der Flughafen gilt als gut gesichert. Wie konnte es zum Anschlag kommen?
Die Vorkehrungen beim Flughafen sind tatsächlich gross. Man versucht, mit mehreren Kontrollen auf dem Weg zu den Abflughallen für Sicherheit zu sorgen. Das macht natürlich die ersten Kontrollpunkte anfällig. Aber die Selbstmordattentäter haben sich am Eingang des internationalen Ankunftterminals in die Luft gesprengt. Das bedeutet, sie haben es an den ersten Checks vorbeigeschafft. Da müssen sicherlich Fragen nach Sicherheitslücken gestellt werden.

Szenen aus dem Flughafen: Überwachungskameras zeigen den Moment der Explosion. (Video: TA)

Laut Regierung deutet alles auf den IS als Urheber hin. Wie sehen Sie das?
Ich sehe das ähnlich. Es waren drei Attentäter und es scheint sich um eine lang geplante Aktion gehandelt zu haben. Deshalb deutet vieles auf den IS hin. Die kurdische PKK, die in der Vergangenheit ebenfalls Anschläge verübte, hat es vorderhand auf staatliche Behörden wie Polizei und Militär abgesehen und ist oft mit Autobomben vorgegangen. Noch hat sich aber niemand zum Attentat bekannt und die Regierung konnte auch noch keine Beweise für eine IS-Urheberschaft vorlegen.

Welche Motive könnten hinter dem Anschlag stecken?
Da die Bomben beim Eingang des internationalen Terminals gezündet wurden, könnten es die Attentäter auf westliche Touristen abgesehen haben. Auf jeden Fall aber sorgt ein solcher Anschlag an einem an sich gut gesicherten Flughafen für sehr viel Aufmerksamkeit und er vermittelt den Eindruck, dass man nirgends sicher ist vor dem Terror. Dass der Besuch des albanischen Regierungschefs Edi Rama, der während der Anschläge landete, eine Rolle spielte, glaube ich nicht.

Was wird als Reaktion auf den Anschlag passieren?
Die türkische Regierung reagiert normalerweise mit Härte auf solche Terroranschläge. Es werden in nächster Zeit sicherlich die Bemühungen verstärkt, IS-Zellen auszuheben und so die mutmasslichen Drahtzieher des Attentats aufzuspüren. Am ohnehin schon hart geführten Kampf gegen den Terrorismus in der Türkei wird sich aber nicht viel ändern.

Erstellt: 29.06.2016, 09:10 Uhr

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