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Sie schüchtern nicht einmal die USA ein

Die Premierministerin von Island macht mit ihrer grünen Politik weltweit Schlagzeilen. Jetzt lädt Katrin Jakobsdottir zur #MeToo-Konferenz.

Will mit ihrer Klimapolitik das Land bis 2040 klimaneutral machen: Islands Premierministerin Katrin Jakobsdottir. Foto: Getty Images
Will mit ihrer Klimapolitik das Land bis 2040 klimaneutral machen: Islands Premierministerin Katrin Jakobsdottir. Foto: Getty Images

In Island leben 350'000 Menschen. Aber der Einfluss des Landes steht in keinem Verhältnis zu seiner Bevölkerung. Das gilt erst recht, seit Katrin Jakobsdottir Ende 2017 Premierministerin geworden ist: Die Chefin der Links-Grünen Partei regiert mit knapper Mehrheit von drei Sitzen in einer Koalition mit zwei konservativen Parteien, die vorher zu ihren schärfsten Feinden gehörten. Trotzdem hat sie Initiativen ergriffen, die weltweit für Aufmerksamkeit sorgten und ihre grüne Politik vorantreiben.

Dazu gehört auch die erste internationale Konferenz zur #MeToo-Problematik, die am Dienstag in der Hauptstadt Reykjavik begann. Drei Tage lang diskutieren mehr als 800 Frauen und Männer aus aller Welt darüber, wie die «Epidemie der sexuellen Belästigung» überwunden werden kann. Eingeladen hat Jakobsdottir im Namen des Nordischen Ministerrates, dessen Vorsitzende sie zurzeit ist.

Dabei gilt Island als Vorbild in Sachen Gleichberechtigung. Das Gesetz schreibt vor, dass Männer und Frauen die gleiche Bezahlung erhalten, Vätern und Müttern wird eine grosszügige Elternzeit gewährt. Das WEF schätzt Island als das weltweit beste Land für Frauen ein. «Aber auch wenn unsere Situation die beste ist, ist sie noch nicht gut genug», sagte Halla Gunnarsdottir, Islands Beauftragte für Genderfragen, dem «Guardian».

Island soll 2040 klimaneutral sein

«Nicht genug», «zu langsam» – das sind Begriffe, die Jakobsdottir antreiben. Neben dem Einsatz für Gleichberechtigung geht es ihr vor allem um den Klimawandel, den Island unmittelbar spürt. Sie hat eine Klimapolitik formuliert, die ihr Land schon 2040, zehn Jahre vor den Nachbarländern, CO2-neutral machen soll.

Im August etwa setzte die 43-Jährige zusammen mit internationalen Gästen dem verschwundenen Gletscher Ok ein Denkmal. «Ok ist der erste Gletscher in Island, der kein Gletscher mehr ist», steht auf der Tafel. «In den nächsten 200 Jahren wird dieses Schicksal alle unsere Gletscher ereilen. Dieses Monument soll darauf hinweisen, dass wir uns dessen bewusst sind und wissen, was zu tun ist. Nur Sie wissen, ob wir es auch getan haben.»

Jakobsdottir, die Literatur studiert hat und eine Expertin für isländische Krimis ist, galt schon lange als die vertrauenswürdigste Politikerin ihres Landes, das von schnell wechselnden Regierungen geprägt war, die entweder wegen Korruption oder Unfähigkeit scheiterten.

US-Vizepräsident mit Regenbogenfahnen begrüsst

Auch von den USA mit ihren mehr als 300 Millionen Einwohnern lässt sich die Isländerin nicht einschüchtern. Mike Pence, der US-Vizepräsident, kam Anfang September zum Staats­besuch, bei dem es auf Wunsch der USA um wirtschaftliche und militärische Fragen gehen sollte. Je mehr das arktische Eis schmilzt, umso wichtiger wird das strategisch gelegene Island.

Die Isländer begrüssten den fundamentalistischen Christen, der Homosexualität verurteilt und mit keiner anderen als seiner eigenen Frau allein in einem Raum sein will, mit einem Meer von Regenbogenfahnen. Jakobsdottir bestand darauf, dem Gast ihren Standpunkt zu Diversität und Frauenrechten zu erklären. Sie habe, twitterte sie später trocken, mit Pence über «Klimafragen, die Arktis, Menschenrechte und friedliche Lösungen» gesprochen.

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