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Siebenfache russische Mutter kommt «aus der Hölle zurück»

Eine Petition mit 50'000 Unterschriften scheint dem Kreml Eindruck gemacht zu haben. Die wegen Landesverrats inhaftierte Swetlana Dawydowa ist zu ihrer Familie zurückgekehrt.

Vorwurf des Landesverrats bleibt bestehen: Swetlana Dawydowa nach dem Verlassen des Gefängnisses. (3. Februar 2015)
Vorwurf des Landesverrats bleibt bestehen: Swetlana Dawydowa nach dem Verlassen des Gefängnisses. (3. Februar 2015)
AFP

Die Petition hat im Kreml offenbar Eindruck gemacht: Nachdem zehntausende Unterzeichner am Dienstag die Freilassung der unter dem Verdacht des Landesverrats inhaftierten Swetlana Dawydowa gefordert hatten, kam die siebenfache Mutter noch am selben Tag frei. Zwar sind die gegen die 36-Jährige erhobenen Vorwürfe damit nicht aus der Welt, doch durfte die erklärte Gegnerin des Ukraine-Konflikts vorerst zu ihren Kindern zurückkehren.

«Swetlana ist frei», erklärte ihr Anwalt Iwan Pawlow im Onlinenetzwerk Facebook. «Sie kehrt nach Hause zurück zu ihren Kindern.» Dawydowas Mann Anatoli Gorlow sagte der Nachrichtenagentur AFP, die gegen seine Frau erhobenen Anschuldigungen bestünden weiter. Nur die Bedingungen ihrer Untersuchungshaft seien geändert worden.

«Aus der Hölle zurück»

Es sei «als kehre sie aus der Hölle zurück». Die Festnahme und die Inhaftierung in Handschellen hätten sie einen Schockzustand versetzt, sagte Swetlana Dawydowa der Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch am Telefon. «Gerade erhole ich mich. Ich bin sehr müde und muss mich ausruhen», sagte Dawydowa nach der Rückkehr nach Wjasma nahe Moskau. Es sei hart gewesen, von der Familie getrennt zu sein, sie sei «isoliert» gewesen und hätte erst in dieser Woche zum ersten Mal mit ihrem Ehemann Anatoli Gorlow gesprochen.

Dawydowa wird Landesverrat vorgeworfen. Sie soll im April vergangenen Jahres die ukrainische Botschaft telefonisch über russische Truppenbewegungen informiert haben. Ob sie die ukrainische Botschaft tatsächlich über Truppenbewegungen informiert habe, wollte Dawydowa nicht bestätigen. Gerade wisse sie nicht, was vor ihr liege. Ihr Anwalt teilte der AFP mit, seine Mandantin müsse sich auf einen langen Kampf mit dem russischen Geheimdienst einstellen, der Fall «habe erst begonnen».

Petition von 50'000

Sie wurde Ende Januar festgenommen und im Moskauer Hochsicherheitsgefängnis Lefortowo festgehalten. Bei einer Verurteilung drohen ihr bis zu 20 Jahre Haft. Der Fall sorgte landesweit für Empörung. 50'000 Russen – darunter prominente Schriftsteller, Regisseure und Fernsehstars – forderten Präsident Wladimir Putin in einem offenen Brief auf, «gnädig» zu sein: «Wir hoffen, dass die Ermittlungen und ein möglicher Prozess mit den Normen des Gesetzes übereinstimmen werden», heisst es darin.

Zu den Unterzeichnern der Petition gehören Natalja Solschenizyna, die Witwe des Literaturnobelpreisträgers Alexander Solschenizyn, sowie Filmregisseur Andrej Swjaginzew und die Schauspielerin Tschulpan Chamatowa. Die beliebte Schauspielerin Lija Achedschakowa sagte in einem Radio-Interview, sie würde «absolut alles» tun, um der Frau zu helfen. «Das ist ein Signal von unvorstellbarer Abscheulichkeit, das ist 1938», sagte Achedschakowa mit Blick auf die Verfolgung von Dissidenten in der Stalin-Zeit.

Putins Sprecher Dmitri Peskow bestätigte am Dienstag, dass der Präsident die Petition erhalten habe und sie prüfe. Dawydowa und ihr Mann gelten als entschiedene Gegner der Haltung Moskaus im Konflikt in der Ostukraine und der Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim. Der Westen wirft Moskau vor, die prorussischen Separatisten im Kampf gegen die Regierungstruppen mit Waffen und Truppen zu unterstützen. Der Kreml weist die Vorwürfe zurück.

AFP/chk

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