Sieg für die Brexit-Hardliner

Die uneingeschränkte Kontrolle über die Grenzen scheint für die britische Regierung das Mass aller Dinge zu sein.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Grossbritannien hat Kurs genommen auf einen «harten» Brexit. Wirtschaftliche Bedenken wiegen offenbar wenig gegenüber dem Versprechen uneingeschränkter Jurisdiktion und umfassender Grenzkontrolle. Weder im Binnenmarkt noch in der Zollunion wird das Vereinigte Königreich bleiben, wenn es die eigenen Vorgaben konsequent verfolgt.

Hingedeutet hat Regierungschefin Theresa May ja schon seit einigen Monaten auf eine solche Lösung. Das knappe Pro-Brexit-Votum beim Referendum hat sie stets als Ausdruck generellen Volkszorns über Immigration interpretiert. Führt dies zur scharfen Absetzung von Europa, bedeutet es eine bittere Niederlage für alle, die – auch im Regierungslager – für eine sanftere Gangart, für weitere Verbundenheit mit den Nachbarn plädierten. Die Brexit-Hardliner haben unter diesen Umständen gesiegt.

Überraschung hat der sonst so besonnene Schatzkanzler Philip Hammond ausgelöst mit seiner unverblümten Androhung eines britischen Steuerparadieses und Billiglohnlandes direkt vor der Nase der Kontinentalen – so sich die EU auf Kompromisse mit London nicht einlassen will. Für Briten, die die EU nur als Gegner kennen, ist eine «beherzte» Verhandlungsposition normal. In der EU dürfte ein derart aggressiver Standpunkt eher Verwirrung stiften und den Briten nur wenige Freunde verschaffen.

Hammonds Idee wirft freilich auch die Frage auf, auf welcher Seite des Atlantiks sich ein konservativ regiertes England eher zu Hause fühlt. Und noch lässt sich gar nicht ermessen, was ein «harter» Brexit für den weiteren Zusammenhalt des Königreichs bedeutet. Nachdem Schottlands Nationalisten für den Fall eines «weichen» Brexits Stillhalten anboten, kommt jetzt die Forderung nach schottischer Unabhängigkeit notgedrungen wieder auf die Tagesordnung. In Irland herrscht bereits pure Verzweiflung – zumal in Nordirland just alles ins Rutschen kommt.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.01.2017, 22:09 Uhr

Artikel zum Thema

Theresa May will die harte Tour

Nun macht die britische Regierungschefin kein Geheimnis mehr daraus: Sie will ihr Land aus dem EU-Binnenmarkt und der europäischen Zollunion herausbrechen. Und sie lockt mit einer Steueroase. Mehr...

Die grosse Verbrüderung der Brexit-Freunde

Reportage Der Brexit steht bevor, das WEF ebenfalls: Rücken die Schweiz und Grossbritannien näher zusammen? Davon träumen rechte Politiker beider Länder. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Blogs

Sweet Home 10 Wohnideen, die Leben in die Bude bringen

Newsletter

Der ideale Start in den Tag

Sonntags bis freitags ab 7 Uhr die besten Beiträge aus der Redaktion.
Newsletter «Der Morgen» jetzt abonnieren.

Die Welt in Bildern

Schlangenfrauen: Kontorsionistinnen während einer Aufführung im Cirque de Soleil in Auckland. (14. Februar 2019)
(Bild: Hannah Peters/Getty Images) Mehr...