So schnell kann es gehen

Der deutsche Grüne Volker Beck wurde mit einer Droge erwischt.

«Ich habe immer eine liberale Drogenpolitik vertreten», schreibt Volker Beck auf Facebook. Foto: Stefan Kaminski

«Ich habe immer eine liberale Drogenpolitik vertreten», schreibt Volker Beck auf Facebook. Foto: Stefan Kaminski

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Manche Drogen entwickeln ihre Wirkung schon in tiefer Dosierung. Bei Volker Beck könnten schon 0,6 Gramm reichen, um seine Karriere zu zerstören. Diese sehr kleine Menge einer «betäubungsmittelsuspekten Substanz», wie die Berliner Polizei überkorrekt vermeldet, sei bei einer Kontrolle des Parlamentariers am späten Dienstagabend gefunden worden. Der 55-Jährige sitzt seit 1994 für die Grünen im Bundestag und hat verschiedenste Ämter in seiner Partei verrichtet. Beck ist ein engagierter Homosexueller, Friedensaktivist, ein Moralist, Freund von Minderheiten, häufiger Gast an Talkshows, debattierfreudig, meinungsfroh, rhetorisch stark.

Wer sich so klar positioniert, hat eine Menge Feinde, wer sich so links positioniert, bekommt es mit «Bild» zu tun. «Grüner mit Hitler-Droge erwischt», titelte die Zeitung gestern auf ihrer Frontseite. Obwohl die Untersuchungen noch laufen, schreibt sie bereits von Crystal Meth, das man bei Beck gefunden habe, ein Amphetaminderivat, mit dem sich Soldaten und Piloten der deutschen Wehrmacht wachhielten. Die euphorisierende und abhängig machende Substanz, die vor allem in tschechischen Labors hergestellt wird, verbreitet sich in Deutschland und hat sich als Partydroge etabliert. «Ich habe immer eine liberale Drogenpolitik vertreten», schreibt Beck auf Facebook.

Nur nicht der Partei schaden

Zwar möchte der Berufspolitiker sein Parlamentsmandat behalten. Dafür gibt er alle Funktionen in seiner Fraktion ab. So will er verhindern, dass sein Vergehen der Partei schadet, die übernächsten Sonntag in drei wichtigen Landtagswahlen antritt. Der Teilrücktritt ist umso wichtiger, als Beck zu den bekanntesten grünen Politikern gehört; ein Angriff auf ihn trifft die ganze Partei.

Wie es überhaupt dazu kam, dass der Grüne kontrolliert wurde, ist ein Thema für sich. Offen bleibt, wie zufällig die Kontrolle an ihm erfolgte. Die einen Medien schreiben, Beck sei gleich nach dem Treffen mit einem Dealer untersucht worden, andere sagen, die Polizei habe seinen Wagen gestoppt, «Spiegel online» berichtet, der Politiker sei zu Fuss unterwegs gewesen, als ihn die Polizei im Bezirk Schöneberg angehalten habe. «Er hat sich der Kontrolle nicht widersetzt», sagt die Berliner Staatsanwaltschaft.

Schon einmal stand der Umstrittene vor dem Ende seiner Karriere. Im Zuge bekannt gewordener Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch gerieten vor drei Jahren auch die Grünen in die Kritik; mit ihrer Vorstellung von weicher Pädagogik hätten sie die Pädophilie verharmlost. Der «Spiegel» publizierte eine Textstelle von 1988, in der Beck eine «Entkriminalisierung der Pädosexualität» für dringend erforderlich hielt «angesichts des jetzigen Zustandes ihrer globalen Kriminalisierung». Die Formulierung klingt abstrakt, ihre Aussage ist klar.

Volker Beck entschuldigte sich in aller Form.

Erstellt: 03.03.2016, 23:29 Uhr

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