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So stehen betroffene Länder zur Idee von Flüchtlings-Zentren

Der EU-Gipfel will regionale Zentren für gerettete Flüchtlinge. «Wirtschaftsmigranten» und Schutzbedürftige sollen getrennt werden.

<i>Einige EU-Länder sagen Merkel in Flüchtlingsstreit Hilfe zu. Video: Tamedia/Reuters</i>

Beim EU-Gipfel in Brüssel haben etliche EU-Staats- und Regierungschefs ihre Unterstützung für Flüchtlings-Sammellager signalisiert. Im Fokus stehen vor allem die nordafrikanischen Mittelmeerländer. Genannt werden aber auch der Niger und die Balkan-Länder Albanien und Mazedonien. Doch kaum ein potentiell betroffener Staat ist von der Idee begeistert.

Marokko will keine Aufnahmelager errichten. «Das Königreich lehnt es ab, die Rolle der Polizei für Europa zu spielen», heisst es aus Regierungskreisen. Gleichzeitig heisst es auch: «Marokko wird einen solchen Vertrag unterzeichnen, wenn die Umstände passend sind.»

Tunesien spielt in den Überlegungen der EU eine Rolle, weil es als relativ stabil gilt. Kurz vor Beginn des EU-Gipfels bekräftige Aussenminister Khemaies Jhinaoui jedoch die ablehnende Haltung seines Landes. «Wir in Tunesien tragen nicht die Verantwortung für den Strom illegaler Flüchtlinge an den Küsten Südeuropas», sagte er der Tageszeitung «Al-Arab».

Algerien spielt für die Überfahrten nach Europa nur eine geringe Rolle. Wie die Nachbarn lehnt jedoch auch der autoritär regierte Staat Aufnahmelager ab. Ministerpräsident Ahmed Ouyahia sprach sich dafür aus, Flüchtlinge in ihre Heimatländer zurückzuschicken. Human Rights Watch berichtete, Algerien habe im vergangenen Jahr Hunderte Migranten nach Niger gebracht. Viele Migranten stranden zwischen Algerien und dem Niger und geraten in Lebensgefahr.

In Libyen tobt seit dem Sturz von Muammar al-Gaddafi 2011 ein Bürgerkrieg. Die international anerkannte Regierung in Tripolis kontrolliert nur Teile des Landes. Gleichzeitig ist es das wichtigste Transitland für Flüchtlinge auf dem Weg nach Europa. Die Regierung machte in dieser Woche klar, dass sie Aufnahmelager kategorisch ablehnt.

Auch die Regierung in Ägypten lehnt Aufnahmelager ab. Aussenminister Samih Schukri erklärte im Dezember, die Wurzel des Problems seien Armut, Arbeitslosigkeit und Instabilität in der Region. Zudem gebe es keine legalen Wege der Migration, rügte er.

Der Niger als Standort für ein Flüchtlingszentrum ergibt aus EU-Sicht Sinn, da der Wüstenstaat für afrikanische Migranten auf dem Weg nach Europa eins der wichtigsten Transitländer ist. Zudem befinden sich im Niger viele rückkehrende oder aus anderen Staaten deportierte Migranten. Über ein mögliches Sammelzentrum im Niger habe man jedoch keine Informationen, sagt Gogé Maimouna, die nationale Direktorin für die Bekämpfung von Menschenhandel und illegaler Migration.

Albanien ist schon länger im Gespräch, erteilte der Idee jüngst jedoch auch eine Absage. «Wir werden niemals solche EU-Flüchtlingslager akzeptieren», sagte Ministerpräsident Edi Rama der «Bild»-Zeitung am Mittwoch. Auch Spitzenpolitiker in Mazedonien hatten derlei Zentren in ihrem Land zuletzt ausgeschlossen.

(SDA)

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