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«So wichtig wie einst der Kampf gegen die Sklaverei»

Die Aussenminister der G-8 rücken bei ihrem Treffen in London ein neues Thema in den Fokus: Die Vergewaltigung von Frauen in Kriegsgebieten.

Besuch im Flüchtlingscamp: William Hague und Angelina Jolie in der Demokratischen Republik Kongo. (26. März 2013)
Besuch im Flüchtlingscamp: William Hague und Angelina Jolie in der Demokratischen Republik Kongo. (26. März 2013)
Keystone

Der britische Aussenminister William Hague will die G8-Präsidentschaft seines Landes nutzen, um sexuelle Gewalt an Frauen in bewaffneten Konflikten in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu rücken. Eine Gelegenheit bietet sich heute an, wenn die G8-Aussenminister in London zusammentreffen.

Viele dieser Gräueltaten blieben für immer ungesühnt, sagt Hague. Der Kampf gegen diese Verbrechen sei heute genauso wichtig «wie einst der Kampf für die Abschaffung der Sklaverei.»

Doch seine Kampagne, die vor allem auf Strafverfolgung setzt, greift nach Ansicht von Menschenrechtsaktivisten zu kurz. Die Gewalt gegen Frauen in Kriegsgebieten sei komplex, und die Verbrechen in vielen Kulturen mit grosser Scham behaftet, argumentieren sie. Die Hilfsorganisationen verlangen einen langfristigen Einsatz der Politik, um die Lage der Frauen in Kriegsgebieten zu verbessern.

Angst zu Reden

Ein Beispiel ist der Konflikt in Syrien. Das Land erlebe eine «schwere Vergewaltigungs-Krise», ähnlich wie Bosnien in den Neunzigerjahren, schrieb Lauren Wolfe von der Organisation «Women under Siege» in einem kürzlich veröffentlichten Bericht. Auch die UNO berichtete, dass Vergewaltigung in Syrien gezielt als Waffe - vor allem gegen Rebellen und deren Familien - eingesetzt werde.

Der Bericht schildert unter anderem Fälle von Männern, die gezwungen wurden, ihre eigenen Frauen und Schwestern zu vergewaltigen. Die Opfer haben Angst zu erzählen, was ihnen angetan wurde. Sie schämen sich und fürchten, von ihren Familien verstossen zu werden.

Auch gibt es kaum medizinische und psychologische Hilfe, weder in Syrien selbst noch in den überfüllten Flüchtlingslagern. Ausserdem misstrauen viele Opfer den Behörden. Zu tief sitzt die Angst vor Vergeltungsmassnahmen, denn die Täter laufen frei herum.

Mehr Mitspracherecht für Frauen

Wenn Hague wie angekündigt andere Organisationen wie die UNO oder die Nato in seine Kampagne mit einbeziehe, müsse er grundlegende Forderungen durchsetzen, sagt Chitra Nagarajan von der Organisation «Gender Action for Peace and Security». Erstens sollten Frauen eine grössere Rolle in Friedensverhandlungen bekommen. Dadurch würden Themen, die Frauen betreffen, zur Sprache komme.

Zweitens müssten Aktivisten mehr finanzielle Hilfe und langfristige politische Unterstützung bekommen. Denn für sie werde ihre Arbeit immer gefährlicher. Viele werden bedroht, angegriffen oder sogar ermordet.

Doch sogar scheinbar kleine Gesten wie der Besuch von Flüchtlingslagern seien hilfreich, sagt Nagarajan. So hatte etwa Filmstar Angelina Jolie vor kurzem zusammen mit Hague Camps im Kongo und in Ruanda besucht: «Die Menschen sehen, dass es Leute gibt, die einer möglichen Attacke nachgehen würden.»

«Grosse Herausforderung»

Auch Howard Mollett von der Hilfsorganisation «Care» hofft, dass die Initiative des britischen Aussenministers Veränderungen bewirken kann. Hague habe zunehmend erkannt, dass mehr nötig sei als die reine Strafverfolgung der Verantwortlichen. Bei seinem Besuch in Kongo-Kinshasa etwa kündigte Hague Unterstützung für Gesundheitsprojekte an.

«Und wie ich von unseren Mitarbeitern gehört habe, die ihn dort getroffen haben, ist er sich zunehmend klar, wie gross die Herausforderung wirklich ist», sagt Mollett. Hague habe gesehen, dass ein breitgefächerter Zugang notwendig sei, um mit den Folgen von sexueller Gewalt umzugehen - und sie zu verhindern.

(SDA)

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