Zum Hauptinhalt springen

Spanier protestieren gegen «Finanz-Putsch»

In spanischen Städten haben Zehntausende gegen Sparprogramme und Korruption demonstriert. Dabei spielten sie auf einen missglückten Putschversuch des Militärs vor 32 Jahre an.

Tausende Spanier sind wütend: Massendemonstration vor dem spanischen Parlament in Madrid. (23. Februar 2013)
Tausende Spanier sind wütend: Massendemonstration vor dem spanischen Parlament in Madrid. (23. Februar 2013)
Keystone

Zehntausende Spanier haben in Spanien gegen den strikten Sparkurs der Regierung und gegen die Korruption in höchsten Kreisen demonstriert. Kundgebungen fanden am Samstag in rund 80 Städten statt.

Allein in Madrid marschierten am späten Abend nach Medienschätzungen mehrere zehntausend Menschen zur Hauptveranstaltung am Neptunplatz in der Nähe des Parlaments. Grosse Demonstrationen gab es auch in Barcelona, Gran Canaria und La Coruna.

Aufruf der «Bürgerflut»

Zum Protest hatte die Initiative Marea Ciudadana («Bürgerflut») aufgerufen. An den Aktionen beteiligten sich unter anderem Sympathisanten der Linkspartei Izquierda Unida und von Umweltgruppen, Feuerwehrmänner und Minenarbeiter sowie Menschen, die von Zwangsräumung ihrer Wohnung oder Massenentlassungen betroffen waren.

Die Kundgebungen wurden auch vom sozialistischen Oppositionsführer Alfredo Pérez Rubalcaba unterstützt. Er forderte Rajoy auf, die Demonstranten «nicht zu unterschätzen».

Rücktritt Rajoys gefordert

Die Bürgerflut richtete sich gegen die Politik des konservativen Regierungschefs Mariano Rajoy, der einen strikten Sparkurs fährt. Rajoy will mit für die Bevölkerung schmerzhaften Einschnitten innerhalb von drei Jahren 150 Milliarden Euro einsparen.

Die Demonstranten forderten zum Teil den Rücktritt der Regierung Rajoy. Auf Plakaten war zu lesen «Das Gesundheitswesen ist nicht zu verkaufen» oder «Rajoy, mach es dem Papst nach und trete zurück».

«Wir haben die Nase voll», sagte bei der Demonstration in Madrid Luis Miguel Herranz Fernández. Der 38-jährige Spitalarzt kritisierte vor allem die Einschnitte im Gesundheitswesen, die zu einer sinkenden Qualität der Versorgung führten.

«Nein zum finanziellen Staatsstreich»

Die Proteste verliefen sowohl in Madrid als auch in anderen Städten friedlich bis festlich. Um die Ordnung aufrechtzuerhalten, wurden alleine in der Hauptstadt rund 2000 Polizeibeamte aufgeboten.

Unter Anspielung auf den 32. Jahrestag des missglückten Putsches von Militärs vom 23. Februar 1981 standen die Proteste unter dem Motto «Nein zum finanziellen Staatsstreich».

Seit über einem Jahr in der Rezession

Spanien leidet seit längerem unter den Folgen einer im Jahr 2008 geplatzten Immobilienblase. Die viertgrösste Volkswirtschaft der Euro-Zone befindet sich seit Ende 2011 in der Rezession, die sich zum Ende des vergangenen Jahres noch einmal verschärft hat.

Die Arbeitslosenquote hat einen Rekordstand von 26,9 Prozent erreicht und ist damit eine der höchsten in Europa. Zudem wird Rajoys konservative Regierungspartei PP derzeit von Korruptionsvorwürfen erschüttert.

SDA/fko/mw

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch