Spanischer Hersteller hat eine Erklärung für seine verseuchten Gurken

Laut dem Hersteller der mit dem EHEC-Erreger verseuchten Gurken wurde das Gemüse erst auf dem Weg nach Deutschland kontaminiert. Derweil verstärkt der Schweizer Detailhandel seine Stichproben.

Die Schweiz setzt auf inländische Produkte: Spanische Gurken - hier allerdings in Hamburg-Barmbek.

Die Schweiz setzt auf inländische Produkte: Spanische Gurken - hier allerdings in Hamburg-Barmbek. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der spanische Hersteller Pepino Bio Frunet wehrt sich gegen den Verdacht, für die Verseuchung der Bio-Gurken verantwortlich zu sein. Die Gurken sind nach seinen Angaben auf dem Weg von Spanien nach Deutschland verunreinigt worden.

Ein Manager des Unternehmens, Javier Lopez, sagte der «Bild»-Zeitung: «Die Gurken wurden mit einem Lkw abgeholt und kamen am 15. Mai in Hamburg an. Am 16. bekamen wir eine E-Mail unseres Kunden, der uns mitteilte, dass die Gurken während des Transports heruntergefallen wären. Er teilte uns mit, dass er sie trotzdem auf dem Hamburger Grossmarkt verkaufen wolle.»

Die Lieferung habe insgesamt aus 180 Boxen mit Gurken bestanden. Lopez habe ausserdem gesagt, dass er bereits am Mittwochabend ein Fax der Hamburger Behörden bekommen habe, mit dem Hinweis , dass an seinen Gurken der tödliche Erreger festgestellt wurde.

Keine spanischen Gurken

Bei den Schweizer Detaillisten gehen keine spanischen Gurken mehr über den Ladentisch. Auch Früchte oder Gemüse aus Norddeutschland gibt es hierzulande nicht zu kaufen. An Alternativprodukten mangelt es dank dem schönen Wetter der vergangenen Monate nicht.

Aufgrund des warmen Frühlings könne man derzeit auf ein breites Angebot von Gemüse und Früchten aus der Schweiz zurückgreifen, sagte Migros-Sprecher Peter Naef. Auf Konkurrenz aus dem Ausland hingegen, werde derzeit ein hoher Zoll erhoben, ausserdem gebe es Kontingente.

Aus Norddeutschland habe die Migros kein Gemüse im Angebot. «Wir führen im Moment hauptsächlich Gemüse aus der Schweiz», sagte Naef. Gurken aus Spanien seien nicht im Angebot. Spanische Tomaten wiederum würden aus Hors-Sol- Produktion stammen und seien unproblematisch, weil sie nicht mit Gülle gedüngt worden sind. Bei der Migros würden deshalb keine Massnahmen ergriffen.

Vermehrte Stichproben

Coop hat am Donnerstag einen sofortigen Verkaufsstopp von spanischen Gurken verfügt, wie Coop-Sprecher Urs Meier sagte. Allerdings stamme der grösste Teil der im Verkauf stehenden Gurken bereits seit zwei Wochen aus der Schweiz. Weiter werde Coop nun verstärkt Stichproben bei Früchten und dem Gemüse vornehmen.

Aus Deutschland habe Coop zurzeit einzig Spargeln und Meerrettich im Angebot – allerdings stammten diese aus Süddeutschland. Vom Spargellieferanten habe Coop die Information erhalten, dass die Spargeln nur mit Mineraldünger – und nicht mit Jauche oder Stallmist – gedüngt wurden.

Stichproben bei Aldi

Auch die Schweizer Ableger des deutschen Discounters Lidl verkaufen keine Gurken aus Spanien, und auch keine aus Deutschland. Anderes Import-Gemüse komme als Träger des EHEC-Erregers nicht in Frage, sagte Lidl-Sprecherin Paloma Martino am Donnerstag auf Anfrage. Massnahmen seien bei Lidl deshalb keine geplant.

Der Discounter Aldi führt «diese Woche» ebenfalls keine spanischen Gurken im Angebot, wie Aldi-Sprecher Sven Bradke auf Anfrage sagte. Aufgrund der neuen Entwicklung werden bei importiertem Gemüse nun aber vermehrt Stichproben durchgeführt.

BAG führt Abklärungen durch

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) teilte mit, dass in der Schweiz bisher keine gehäuften Infektionen durch EHEC-Bakterien verzeichnet wurden. Auch stehe keine Infektion im Zusammenhang mit dem Ausbruch in Deutschland. Trotzdem rät das BAG, rohes Gemüse und Früchte vor dem Konsum zu waschen oder zu schälen.

Nach den neuesten Erkenntnissen in Deutschland lässt das BAG abklären, ob aus der gleichen spanischen Produktion auch Gurken in die Schweiz gelangt sind. Die Verunreinigung mit den gefährlichen Bakterien könnte allerdings auch bei der Weiterverarbeitung in Deutschland passiert sein – etwa beim Waschen oder beim Einpacken in eine Plastikfolie, sagte BAG-Sprecher Roland Charrière. (wid, pbe/sda)

Erstellt: 27.05.2011, 10:27 Uhr

Spanien überprüft Betriebe

Die spanischen Behörden überprüfen wegen der möglichen Verunreinigung von Gemüse mit dem gefährlichen Durchfallerreger EHEC zwei Betriebe. Das Gesundheitsministerium in Madrid teilte mit, es sei durch ein EU-weites Alarmsystem informiert worden, dass zwischen den Erkrankungen in Deutschland und dem Gemüse aus Spanien möglicherweise ein Zusammenhang bestehe. Noch sei aber unklar, ob es zu der Verunreinigung in Spanien oder beim Transport oder beim Umladen der Ware in Deutschland gekommen sei. (dapd)

Wie man sich vor dem EHEC-Erreger schützt (Video: Reuters )

Artikel zum Thema

Mann mit Durchfallerkrankung lag tot in Wohnung in Hamburg

Der gefährliche Durchfallerreger EHEC hat ein weiteres Todesopfer gefordert. Derweil breitet sich der Erreger weiter aus. Inzwischen ist der Darmkeim in drei weiteren europäischen Ländern aufgetreten. Mehr...

Forscher identifizieren gefährlichen EHEC-Erreger

Wissenschaftler haben den Keim gefunden, der die lebensgefährliche EHEC-Darmerkrankung auslöst. Der Erreger ist gegen viele Medikamente resistent. Eine erste Infektionsquelle ist nun ebenfalls bekannt. Mehr...

Was haben Sie vor zehn Tagen gegessen?

Der lebensbedrohliche EHEC-Erreger breitet sich weiter aus. Es wird davor gewarnt, rohe Tomaten, Gurken und Blattsalate aus Norddeutschland zu essen. Experten suchen fieberhaft nach der Quelle. Mehr...

Paid Post

Hoher Blutdruck: Senken Sie das Risiko

Ein zu hoher Blutdruck kann gefährlich werden. Vor allem, wenn er lange nicht erkannt wird. Die jährliche Blutdruckmessung in der Rotpunkt Apotheke hilft mit, die Risiken zu senken.

Kommentare

Service

Ihre Kulturkarte

Abonnieren Sie den Carte Blanche-Newsletter und verpassen Sie kein Angebot.

Die Welt in Bildern

Feuerschweif: Eine Spezialeinheit demonstriert am Indian Navy Day in Mumbai ihr Können. (4. Dezember 2019)
(Bild: Francis Mascarenhas) Mehr...