Österreich schweigt über Haiders schwule Seite

Dass Jörg Haider auch auf Männer stand, war in Österreich kein Geheimnis. Gesprochen wurde darüber aber kaum. Auch heute nicht – wo klar ist, dass er vor seinem Tod ein Schwulenlokal besuchte.

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Es ist ein offenes Geheimnis in Österreich: Jörg Haider war bisexuell. Seine politischen Gegner wie auch die Journalisten wussten davon. Doch in Österreich ist Haiders Sexualität auch nach seinem Tod kein Thema. Die «Welt» vermutet, dahinter stecke vielleicht sogar ein Rest von gegenseitigem Anstand. Haider biederte sich ehemaligen SS-Mitgliedern an, schoss scharf gegen Ausländer und vermeintliche «Sozialschmarotzer», doch über die Homosexuellen verlor er in der Öffentlichkeit nie ein Wort – eher untypisch für einen Mann von Rechtsaussen.

Auch als nach seiner Todesfahrt mit 1,8 Promille im Blut bekannt wurde, dass der Kärtner Landeshauptmann zuvor ein Schwulenlokal in Klagenfurt besucht hatte und sich dort gemeinsam mit einem jungen Mann innert kürzester Zeit betrank, schwiegen die Medien.

Haiders «Buberlpartie»

Bereits 1999 bezeichnete ihn die die Kärtner Volkspartei im Landtagswahlkampf in Zeitungsinseraten als «Schwuchtel», schreibt ein Wiener Schwulenmagazin. Haider schwieg dazu. Er hat auch nie sein Outing durch Jochen Herdieckerhoff im Jahr 2000 dementiert, dem Gründer des Festivals «Wien ist andersrum». Die österreichische Schriftstellerin Elfriede Jelinek hatte schon 1991 das Homoerotische thematisiert, das Jörg Haider und seinen politischen Jungmänner-Harem damals umgab.

«Ist all das politisch relevant?», fragt die Berliner «Tageszeitung» und gibt sich die Antwort gleich selber: «Jetzt natürlich nicht mehr, denn Haider ist tot». Dennoch habe es Bedeutung für die öffentliche Person, die Haider bis vor seinem Tod war. Haider hatte einen «persönlichen Zauber», der besonders auf junge Männer wirkte, die er um sich scharte und in höchste Ämter hievte – «Buberlpartie» wurden diese Garde genannt. Bestes Beispiel dafür ist Haiders Pressesprecher und Sekretär, der 27-jährige Stefan Petzer: Dieser schluchzte vor laufenden Kameras wie ein Schlosshund und beweinte den Verlust seines «Lebensmenschen».

Sexuell oder bloss erotisch

Haiders Führung stützte sich auf diese Männer, die emotional stark von ihm abhängig waren. Ob all das nur eine erotische Note oder eine explizit sexuelle Dimension hatte, sei unklar, schreibt die «Tageszeitung». Klar sei: Haider lasse sich ohne Einblick in sein Privatleben nicht verstehen. Haiders Bisexualität ist in Österreich zwar weiterhin ein Tabu, doch zumindest die deutschen Zeitungen haben sich dem Thema angenommen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 21.10.2008, 16:42 Uhr

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