Rumänien: Kampf der Roma-Könige

Die Mehrheit der rumänischen Roma lebt in Armut. Das kümmert die selbsternannten Roma-Herrscher Florin Cioaba II und Iulian Radulescu jedoch wenig: Sie streiten, wer der grössere Monarch ist.

Minderjährige verheiratet: Roma-König Florin Cioaba II an der Hochzeit seiner 12-jährigen Tochter.

Minderjährige verheiratet: Roma-König Florin Cioaba II an der Hochzeit seiner 12-jährigen Tochter. Bild: Keystone

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Im pittoresken Städtchen Sibiu in Transsilvanien ballt sich die Gewalt der Roma-Könige. Nur wenige hundert Meter voneinander entfernt wohnen – und regieren – die selbsternannten Monarchen Florin Cioaba II und Iulian Radulescu. Der 53-jährige Cioaba lebt in seiner Villa an einer Ausfallstrasse. Im Alltag ist der beleibte Mann Unternehmer, er verkauft Pfannen, Kaffeeservice und Kupfergegenstände.

Doch seine wahre Leidenschaft gilt dem Herrschen: Seit sich Cioaba 1997 zum König ernannte, waltet er über mehr als zwei Millionen rumänische Roma. «Als König kämpfe ich in erster Linie dafür, ihre Rechte zu verteidigen.» Sie brauchen ein Symbol, an das sie glauben können, weiss Cioaba. Und diese Symbole liefert er zuhauf: Im «Thronraum» des Herrschers hängt ein Porträt seines Vaters, uniformiert und hoch zu Ross – mit auffälliger Ähnlichkeit zu Napoleon. Von seinem Vater Ion Cioaba, der sich in den frühen 90er-Jahren als erster zum König der Zigeuner krönen liess, erbte Florin die Königswürde.

Mehr als Hälfte arm

Um seine «Schäfchen» scheint sich Florin Cioaba II dabei nicht wirklich zu kümmern, obwohl er ihre Sorgen genau kennt: «Die Roma haben in Rumänien ein soziales Problem.» Nach einer Studie der Weltbank leben 60 Prozent von ihnen unter der Armutsgrenze. Cioaba gibt sein Geld viel lieber für pompöse und prunkvolle Fester aus – so für die Hochzeit seiner Tochter. Brisant: Die Tochter war zur Zeit der Hochzeit erst 12 Jahre alt. Cioaba wiegelt die Kritik jedoch ab. «So haben die Kinder bereits eine Zukunft, wenn sie älter werden».

Florin Cioaba II hat seinen Königstitel jedoch nicht auf sicher. Sein Cousin Iulian Radulescu, Jahrgang 1938, macht ihm den Ruhm streitig. Radulescu – nicht minder beleibt als Cioaba – hat sich 1993 zum Kaiser aller Roma ernannt. «Ich bin der grösste Führer der Roma. Das werden alle bestätigen.» Um seinen Kaiserrang zu unterstreichen tritt er stets in einer weiten Toga auf. Von seinem Cousin hält Radulescu nicht viel: «Ich habe Cioaba schon mehrmals gesagt, er soll in die Psychiatrische Klinik gehen, um sich abklären zu lassen». Während sich die beiden streiten, hat sich ein neuer Konkurrent zur illustren Runde gesellt.

Im Süden Rumäniens liess sich Dan Stanescu im Dezember 2007 zum Internationalen König der Roma krönen. Die Zeremonie wurde sogar von einem rumänischen Fernsehsender übertragen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 02.09.2008, 15:46 Uhr

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