Subventioniertes Gift

Das Verbrennen von Kohle verschmutzt die Umwelt und tötet Menschen. Trotzdem wird ihr Abbau mit Staatsgeldern gefördert.

Das Braunkohlekraftwerk Niederaussem beim deutschen Grevenbroich. Foto: Keystone

Das Braunkohlekraftwerk Niederaussem beim deutschen Grevenbroich. Foto: Keystone

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Wenn die Welt die Klimakatastrophe verhindern will, müssen wir darauf verzichten, Kohle, Erdöl und Erdgas zu verbrennen. Derzeit geschieht das Gegenteil. Die fossile Brennstoffindustrie wird weiterhin von Staaten unterstützt.

Neuen Schätzungen zufolge subventionieren die G-20-Regierungen die Suche nach neuen fossilen Brennstoffen mit 88 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Regierungen haben von 2007 bis 2014 über 73 Milliarden Dollar – oder neun Milliarden Dollar jährlich – in Kohleprojekte gesteckt; allen voran Japan (20 Milliarden Dollar), China (15 Milliarden), Südkorea (7 Milliarden) und Deutschland (6,8 Milliarden).

Diese Investitionen ergänzen die privatwirtschaftlichen Mittel, die in den Kohlesektor fliessen. Im Jahr 2013 haben 92 führende Banken mindestens 66 Milliarden Euro eingeschossen – mehr als viermal so viel wie 2005.

35 Kohleproduzenten sind allein für ein Drittel der globalen CO2-Emissionen seit 1988 verantwortlich. Die Schäden, die ihre Produkte verursachen, sind kein Geheimnis. Trotzdem haben Unternehmen, die fossile Brennstoffe fördern, die Anpassung ihrer Geschäftsmodelle verweigert. Stattdessen haben sie aktiv daran gearbeitet, Bemühungen zu vereiteln, den Klimawandel zu bekämpfen.

Unterdessen behauptet die Kohleindustrie, eine unverzichtbare Rolle bei der Bekämpfung der «Energiearmut» zu spielen – vor allem dem fehlenden Zugang zu Strom. Es stimmt: Energiearmut ist ein gewaltiges Problem, das rund 1,2 Milliarden Menschen betrifft. Bauern, die Wasser hochpumpen müssen, um ihre Anbauflächen zu bewässern, wirtschaften weniger produktiv. Das Verbrennen von Feuerholz, Dung und Kerosin verschmutzt Küchen. Schulkinder können bei schlechten Lichtverhältnissen nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr lernen.

Aber Kohle ist nicht die Lösung. Sie richtet riesige gesundheitliche Schäden an. 2013 hat die Kohlenbergarbeiter-Pneumokoniose (Staublunge) weltweit 25'000 Todesopfer gefordert. In der EU ist Luftverschmutzung durch Kohle jährlich für 18'200 vorzeitige Todesfälle und 8500 neue Fälle chronischer Bronchitis verantwortlich. In China gehen 250'000 vorzeitige Todesfälle auf das Konto der Kohleverbrennung.

Die gesundheitlichen Schäden sind mit hohen Kosten verbunden, Arbeitszeit geht verloren, die Gesundheitssysteme werden belastet. Der Klimawandel wird ebenfalls sehr viel kosten.

Unser Energiesystem muss transformiert werden. Sonst hat die Welt keine Chance, die Erhöhung der Oberflächentemperatur um zwei Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen, ohne riskante Technologien wie die CO2-Speicherung einzusetzen.

Am liebsten unter der Erde

Zuallererst müssen sich die internationalen Regierungschefs verpflichten, aus der Nutzung fossiler Energieträger auszusteigen – mit dem erklärten Ziel, 90 Prozent der Kohlereserven sowie ein Drittel des Erdöls und die Hälfte der Erdgasreserven im Boden zu belassen. Sie müssen die hohen öffentlichen Subventionen für Kohle einstellen und die Produzenten von fossilen Brennstoffen für den Schaden, den ihre Erzeugnisse verursacht haben, zur Rechenschaft ziehen. Um die Energiearmut zu bekämpfen, sollten die Regierungen ausserdem ihre Finanzierung dezentralisierter Projekte für erneuerbare Energien aufstocken.

Der Erfolg, mit dem die Branche der fossilen Energieerzeugung ihre eigenen Interessen wahrt, geht zulasten der Gesundheit unseres Planeten und seiner Bevölkerung. Es ist an der Zeit, die Kohle da zu belassen, wo sie ist. Unter der Erde.

Copyright: www.project-syndicate.org

Erstellt: 22.11.2015, 22:41 Uhr

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