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Tausende demonstrieren gegen Israels Gaza-Politik

In vielen europäischen Städten gingen Menschen auf die Strasse, um gegen die israelische Militäroffensive zu protestieren. In Paris kam es zu Ausschreitungen – die Kundgebung war zuvor verboten worden.

«Das Massaker in Palästina stoppen»: Demonstranten in Genf. (26. Juli 2014)
«Das Massaker in Palästina stoppen»: Demonstranten in Genf. (26. Juli 2014)
Keystone
In Paris kam es zu Ausschreitungen: Ein maskierter Demonstrant inmitten der Zusammenstösse zwischen Protestierenden und der Pariser Polizei. (26. Juli 2014)
In Paris kam es zu Ausschreitungen: Ein maskierter Demonstrant inmitten der Zusammenstösse zwischen Protestierenden und der Pariser Polizei. (26. Juli 2014)
Reuters
Auch in Israel selbst wurde protestiert: Demonstranten in Tel Aviv. (24. Juli 2014)
Auch in Israel selbst wurde protestiert: Demonstranten in Tel Aviv. (24. Juli 2014)
AFP
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Über tausend Demonstrierende haben in Genf das sofortige Ende des «Massakers auf Palästinenser» im Gazastreifen gefordert. Sie appellierten an die Schweizer Behörden, den Druck auf Israel zu erhöhen, dass das Land die Militäroffensive sofort einstellt.

Zahlreiche Demoteilnehmer schwenkten palästinensische Fahnen, als sie von der Innenstadt zum Palais Wilson, Sitz des UNO-Hochkommissariats für Menschenrechte, zogen. Der von einer Westschweizer Palästinenserorganisation, SolidaritéS, der Genfer SP und dreissig linken Gruppen organisierte Protestzug verlief friedlich.

Während des Umzugs erfuhren die Demonstrierenden, dass die Zahl der Toten im jüngsten Gaza-Krieg inzwischen auf über tausend gestiegen ist. Daraufhin skandierten sie «Israel mordet», «Befreit Palästina», «Stoppt das Massaker» oder «Die Schweiz ist Komplizin». Auf Transparenten war weiter zu lesen: «Stoppt den Terrorismus Israels», «Bern muss jegliche Zusammenarbeit mit Israel einstellen», «66 Jahre Besetzung reichen» oder «Klagt Israel für seine Kriegsverbrechen an».

Die Demonstrierenden forderten auch, dass die Schweiz jegliche militärische Zusammenarbeit mit Israel beenden solle. So soll etwa auf den Kauf von in Israel hergestellten Drohnen verzichtet werden. Zudem solle die palästinensische Zivilbevölkerung geschützt werden. Dazu brauche es eine Konferenz der Vertragsstaaten der Genfer Konvention.

Ungeachtet eines Demonstrationsverbotes haben sich unterdessen rund 5000 Menschen in Paris zu Protesten gegen die israelische Militäroffensive versammelt. Als einige Teilnehmer der Kundgebung auf dem zentralen Place de la République Steine auf die Polizei warfen, setzte diese Tränengas ein. Dutzende Menschen wurden festgenommen.

Die Demonstranten in Paris schwenkten palästinensische Fahnen und riefen Parolen wie «Israel raus aus Palästina, die Zeit der Kolonien ist vorbei», «Israel Mörder, Hollande Komplize» und «Israel verschwinde, Palästina gehört nicht dir». Einige junge Männer verbrannten eine israelische Fahne unter dem Beifall der Umstehenden. Später kam es am Rande der Kundgebung zu Zusammenstössen mit der Polizei. Als die Beamten mit Steinen beworfen wurden, setzten sie Tränengas ein.

Bereits zuvor waren rund vierzig Menschen festgenommen worden, wie aus Polizeikreisen verlautete. Demnach hatten die Beamten die Anweisung, rasch und entschieden einzugreifen, sobald antisemitische Slogans gerufen werden. Die Polizei war mit einem starken Aufgebot vor Ort, nachdem es bereits in den vergangenen Wochen am Rande von propalästinenischen Demonstrationen antisemitische Ausschreitungen gegeben hatte.

Die Demonstration war eigentlich von der Pariser Polizeipräfektur wegen der Gefahr der Störung der öffentlichen Ordnung verboten worden. Gegen Mittag bestätigte die Justiz das Verbot der Demonstration, woraufhin Innenminister Bernard Cazeneuve die Organisatoren aufforderte, ihren Aufruf zu der Kundgebung ab 15.00 Uhr zurückzuziehen. Die Organisatoren lehnten dies jedoch ab und kritisierten das Demonstrationsverbot als Provokation.

«Diese Demonstration ist illegal, doch für uns ist sie mehr als legitim. Es geht darum, unsere Solidarität mit einem Volk zu zeigen, das dabei ist, massakriert zu werden», sagte Hugo, ein Anhänger der Neuen Antikapitalistischen Partei (NPA). Sarah, eine 19-jährige Demonstrantin, sagte, sie könnten für die Palästinenser nichts anderes tun, als zu reden und zu demonstrieren.

Die Behörden hatten bereits am vergangenen Samstag und Sonntag zwei Demonstrationen im Pariser Stadtteil Barbès und in der Pariser Vorstadt Sarcelles wegen Sicherheitsbedenken verboten, woraufhin es an beiden Orten zu Ausschreitungen kam. In Sarcelles wurden Geschäfte geplündert, ein jüdischer Laden in Brand gesetzt und Israel-feindliche Parolen gerufen. Genehmigte Demonstrationen in anderen Städten waren ohne Zwischenfälle verlaufen. Auch heute gab es in Marseille und Nizza wieder propalästinensische Demonstrationen mit tausenden Teilnehmern, die friedlich verliefen.

Auch in London wurde am Samstag gegen die israelische Militäroffensive im Gazastreifen protestiert, bei der in knapp drei Wochen mehr als tausend Palästinenser getötet wurden. Nach Angaben der britischen Polizei marschierten mindestens 10.000 Demonstranten von der israelischen Botschaft in Kensington vorbei am Büro des Premierministers David Cameron bis vor das Parlament in Westminister. Laut einem AFP-Fotografen war die Zahl womöglich noch deutlich höher.

«Stoppt Israels Staatsterror», «Freiheit für Palästina» und «Gaza - Endet die Belagerung», stand auf den Schildern der Demonstranten. Als die Teilnehmer am Sitz der Regierung vorbeikamen, riefen sie: «Schande über Dich, David Cameron». Berichte über antisemitische Übergriffe gab es nicht.

sda/AFP/ajk

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