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Sie reisten mit der Pariser IS-Zelle ein

Die österreichische Polizei verhaftete zwei Terrorverdächtige, die sich als Flüchtlinge tarnten. Jetzt werden Details bekannt.

Untertauchen in der Masse: Österreichs Behörden haben Mühe, den Flüchtlingsansturm zu kontrollieren.
Untertauchen in der Masse: Österreichs Behörden haben Mühe, den Flüchtlingsansturm zu kontrollieren.
Srdjan Zivulovic, Reuters

«Am vergangenen Wochenende wurden zwei Personen in einer Flüchtlingsunterkunft wegen des Verdachts der Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung festgenommen», sagte Robert Holzleitner von der Staatsanwaltschaft Salzburg zum ORF. Er bestätigte damit Medienberichte, wonach die österreichische Polizei nach einem entscheidenden Tipp von französischen Ermittlern zwei Männer in U-Haft nahm. Sie sollen aus dem Nahen Osten eingereist sein und könnten Beziehungen zu den Attentätern von Paris haben. Weitere Angaben wollten die Behörden bisher nicht machen, um die Ermittlungen nicht zu gefährden. Nun kommen aber immer mehr Details ans Licht.

Als Flüchtlinge eingereist

Die österreichische «Kronen Zeitung» berichtet ohne Nennung von Quellen, dass es sich bei den Festgenommenen um zwei französische Staatsangehörige mit Wurzeln im Nahen Osten handelt. Der 28-jährige Algerier und der 34-jährige Pakistaner seien im Oktober gemeinsam mit Mitgliedern der Zelle nach Österreich eingereist, die am 13. November die Anschläge in Paris verübt habe. Mit gefälschten Pässen seien sie mit Tausenden Flüchtlingen über Griechenland und die Balkanroute nach Österreich gekommen, so die «Kronen Zeitung». Laut dem «Standard» wurden die beiden Verhafteten zusammen mit Mitgliedern des Pariser Terrorkommandos mithilfe von Schleppern nach Österreich eingeschleust.

Wie der ORF berichtet, gibt es weitere Parallelen. Wie einer der getöteten mutmasslichen Attentäter von Paris seien auch die zwei Festgenommenen mit einem gefälschten syrischen Reisepass über die griechische Insel Leros eingereist. Dort hätten sie sich registriert und später einen Asylantrag in Serbien gestellt. Warum sich die verdächtigen Franzosen als EU-Bürger nicht innerhalb Europas frei bewegen wollten oder konnten, ist unklar. Der ORF vermutet, dass sie als mögliche Mitglieder der Terrormiliz IS auf Fahndungslisten standen und unerkannt bleiben wollten. Möglich sei aber auch, dass der IS seine Leute bewusst über die Balkan-Route schicke, um Flüchtlinge unter Generalverdacht zu stellen und indirekt den Flüchtlingsstrom aus Syrien zu bremsen.

Weitere Anschläge geplant?

Die «Kronen Zeitung» ist überzeugt, dass die beiden Verhafteten Teil einer grösseren französischen Terrorzelle sind und in Salzburg auf Anweisungen zu weiteren Anschlägen gewartet haben. Dem widerspricht Christian Pilnacek vom österreichischen Justizministerium: «Die bekannten Fakten waren für das Gericht hinreichend, um Untersuchungshaft zu verhängen. Mehr können wir ohne felsenfest gesicherte Informationen dazu aber noch nicht sagen.» Ermittelt werde wegen möglicher Zugehörigkeit zu einer terroristischen Vereinigung. Es sei – wie sehr oft – ein Puzzle, das es schrittweise zu vervollständigen gelte.

In Salzburg dürften nach einer ersten Verhaftung im September nun insgesamt vier mutmassliche ehemalige IS-Kämpfer in Haft sitzen. Auch damals handelte es sich um zwei junge Männer, die als Flüchtlinge deklariert nach Salzburg gekommen waren. Gegen sie laufen ebenfalls Ermittlungen wegen Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung. Gemäss dem «Standard» sollen sie vor anderen Flüchtlingen und auch vor freiwilligen Helfern damit geprahlt haben, in Syrien an Kämpfen des IS mitgewirkt zu haben. Laut Staatsanwaltschaft gibt es in diesem Fall aber keine Hinweise auf geplante Anschläge in Europa und keinen Zusammenhang mit bereits verübten Anschlägen.

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